Ein dringendes Bedürfnis – Teil 1

Eine weihnachtliche Geschichte für alle Follower, Fans und Leser. Viel Spaß!


 

Alisa trottete ihren Freundinnen hinterher. Ihr war kalt, vor allem die Füße. Dieser Schlendergang, die einzig mögliche Fortbewegung hier im Getümmel, ließ keine Wärme aufkommen.

„Können wir mal irgendwo stehen bleiben und etwas Warmes trinken?“

Zumindest Anna hatte sie gehört und gab die Bitte an die beiden vor ihnen laufenden, Brit und Cleo, weiter.

„Ich muss zuerst noch zu dem Stand mit den Trockenfrüchten. Kommt mit, da darf man alles probieren!“ Brit war Spezialistin für alles Essbare.

Alisa wäre beinahe über einen Kinderwagen gestolpert, was ihre Laune auch nicht verbesserte. Der Weihnachtsmarkt war am Samstagabend vor dem zweiten Advent völlig überfüllt, wie auch an anderen Samstagen, aber sie hatte sich breitschlagen lassen, mitzukommen. Eigentlich war es auch schon Tradition. Sie gingen jeden Samstagabend zu einem anderen Markt, es gab genug Auswahl in der Stadt.

Zudem machte es ja auch Spaß, zu erzählen, sich von der Weihnachtsmusik überfluten zu lassen und vor allem Glühwein zu trinken. Aber heute hatte Alisa beschlossen, keinen Tropfen Alkohol zu sich zu nehmen. Gestern Abend hatte sie mindestens ein Glas Sekt zu viel gehabt, und sie spürte noch die Auswirkungen der After-Work-Party. Zugegeben, sie hatte sich ihren Frust weggetrunken. Wenn einen zuhause nichts weiter als eine leere Wohnung und ein Fernseher erwartet, dann darf man das schließlich. Sie war nun schon so lange Single, dass sie kaum noch wusste, wie ein Mann aussah.

Der Stand vor ihr sandte feine Gerüche aus und auch die Farben und Formen der Trockenfrüchte wirkten ansprechend. Alisa griff in eine der Schalen mit Probierstücken. Ah, eine Feige. Sehr lecker, das musste sie zugeben. Ein anderes Stück schmeckte so intensiv nach Erdbeere, dass der Geschmack förmlich auf ihrer Zunge explodierte. Vorzüglich.

Brit hatte drei Tüten gekauft, Cleo immerhin eine mit besonderen Rosinen. Alle hatten jetzt kalte Füße und wollten zum nächsten Getränkestand. Alisa schnappte sich noch ein Stück Obst im Vorbeigehen. Die Verkäufer hatten es schlecht geschnitten, mehrere hingen zusammen und sie hatte einen ganzen Obstschnitzen in der Hand. Mango. Sehr süß, sehr fruchtig.

Die drei Freundinnen stellten sich beim Glühweinstand an und Alisa drehte sich etwas verloren um. Sie hatte keine Lust auf Kinderpunsch, schon gar nicht nach dem süßen Obst. Ah, da war eine Bude, die Tee anbot. Eine Tasse warmen Tee, das wäre das Richtige.

Die Auswahl war riesig. Und alle konnten auf Wunsch zubereitet werden. Ihr Blick blieb an einer Aufschrift hängen: Orientalische Mischung. Die Teedose war wunderschön mit arabischem Muster. Während die Verkäuferin die Tasse aufbrühte, frage Alisa nach den Zutaten.

„Vor allem Ingwer, das hilft Ihnen, warm zu werden. Für den Geschmack sind noch Kardamom, Nelken, Zimt und Muskatnuss dabei. Sie werden sehen, er schmeckt sehr gut. Und Ihr Freund wird sich freuen.“

Alisas Frage nach dem Sinn dieser Aussage ging unter in dem Geschnatter einer Gruppe älterer Damen, die nicht nur Tee trinken, sondern auch welchen kaufen wollten. Na, dann eben nicht.

Der Tee musste noch ein wenig ziehen, aber da die anderen drei eine Weile Schlange stehen mussten, konnte Alisa schon einmal einen Stehtisch okkupieren. Eine Frau mit Fellmütze, die praktisch gleichzeitig an den Tisch getreten war, trieb sie mit einem entschlossenen „Ich war zuerst hier und wir brauchen den ganzen Tisch!“ in die Flucht.

Der Tee schmeckte gut. Ob die Wärme oder die Inhaltsstoffe Schuld waren, konnte Alisa nicht beurteilen, aber tatsächlich wurde ihr wärmer. Sogar die Füße fühlten sich nicht mehr wie Eisklumpen an.

Alisa sah sich um, während ihre Freundinnen über Brits achtundzwanzigsten Versuch einer Diät schwatzten. Eine Familie mit einem kleinen Kind auf dem Arm. Zwei alte Leute, die sich gegenseitig stützen. Ein junges Pärchen, die Hände in einem einzigen Handschuh vergraben. Zwei Hunde, die sich ausgiebig an den Hinterteilen beschnupperten.

Es war frustrierend. Lag es an den langen Winterabenden? Der Aussicht auf ein Weihnachten allein? Warum war sie heute so sehnsüchtig, so bedürftig nach Liebe, nach Zweisamkeit?

„Was hast du denn, Alisa? Du bist heute aber gar nicht gesprächig.“ Cleo schaute sie aufmerksam an.

„Ich weiß auch nicht. Ich bin gefrustet. Warum nur sind alle Männer schwul oder verheiratet?“

Anna lachte herzhaft. „Du spinnst doch. Das stimmt doch gar nicht. Ich habe doch auch erst meinen Pascal kennen gelernt, der ist weder schwul noch verheiratet.“

„Aber ja jetzt auch gebunden.“

Anna schaute sie komisch an.

„Was nicht heißen soll, dass ich was von deinem Pascal will. Ich meine nur so, als Beispiel.“ Pascal wäre gar nicht ihr Typ. Er war nett, aber ein Fanatiker, was Autos betraf. Bastelte tagelang dran herum, roch ständig nach Motorenöl – nein, danke!

Brit und Cleo schauten sie eher mitleidig an. Sie lebten beide in festen Partnerschaften, Cleo würde im Frühjahr heiraten, Brit war schon vor zwei Jahren mit ihrem Freund zusammengezogen. Sie war die Einzige in ihrer Runde, die nicht nur Single, sondern absolut männerlos war. Und das nicht, weil sie es so wollte!

„Du musst mehr weggehen. Und auch aus dir herausgehen“, kam Brits Rat. „Du schaust immer nur, und du sprichst nie jemanden an. Du darfst nicht warten, bis der Mann dich anspricht, du musst auch mal selbst die Initiative in die Hand nehmen.“

Ach, ein altes Thema. Alisa war nicht der Typ, der etwas in die Hand nahm. Sie wollte in die Hand genommen werden. Wollte einen Mann, der ihr sagte, was sie tun sollte. Wollte die Initiative in die Hand eines fähigen Mannes legen, vorzugsweise eines gut aussehenden, großen, muskulösen Mannes. War das denn zuviel verlangt?

Vor allem konnte sie das nicht ihren Freundinnen gegenüber erwähnen. Sehr emanzipierten, vielleicht sogar feministisch zu nennenden Freundinnen. Sie war in ihrem beruflichen und auch privaten Leben nicht devot. Auf gar keinen Fall. Sie konnte sich jederzeit durchsetzen, aber sie träumte von einem Mann, der sie sexuell unterwerfen würde. Ein anscheinend unrealistischer, fantastischer Traum. Einer, den sie verbergen musste, so gut es ging.

„Ich versuch es ja. Aber vielleicht finden die Männer das ja gar nicht so gut.“ Zumindest hoffte sie, einen zu finden, der das nicht zuließ.

„Aber sicher doch“, meinte Anna, „ich habe Pascal ja auch angesprochen. Auf seinen Oldtimer, mit dem er am Straßenrand stand. Auch wenn er eigentlich keine Hilfe annehmen wollte, konnte er doch meinem Angebot nicht widerstehen.“

„Du hattest ja auch deinen Super-Minirock an“, kreischte Cleo los, was bei den anderen ein Johlen auslöste. Sie hatten Anna erbarmungslos aufgezogen mit diesem Teil, das alle Klischees der männerjagenden Singlefrau unter fünfundzwanzig erfüllte – eng anliegend, sehr kurz, tief auf den Hüften. Eher ein Streifen Stoff als ein Rock.

Vielleicht sollte ich es auch mal so probieren, dachte Alisa bei sich. Aber bei dem Wetter war das kaum zu empfehlen. Sie hatte zwar auch eine Rock an, aber einen weiten, aus einem dicken Wollstoff, damit sie nicht so fror. Die Stiefel waren mit Pelz gefüttert und die Strumpfhose darunter war extradick, um ihre Beine warmzuhalten. Hätte sie diesen Ingwertee schon früher gekannt, hätte sie vielleicht etwas Leichteres tragen können. Der Tee heizte ihr gut ein. Sie lockerte den Schal um ihren Hals und zog die Handschuhe aus.

Eine Figur zog ihren Blick auf sich. Ein Weihnachtsmann. Sehr klassisch, sehr dem amerikanischen Vorbild ähnelnd, aber längst nicht so dick, stand er da und versuchte die Menschen in die hinter ihm stehende Bude mit Weihnachtsdekorationen zu locken. Eine dieser geschlossenen Buden, in die man hineingehen konnte und die beheizt waren. Klar, viele Leute gingen einfach daran vorbei, da ja die Waren nicht offen herumlagen. Da machte es Sinn, einen Werber vor die Tür zu stellen.

Der Weihnachtsmann schaute sie die ganze Zeit an, in der sie ihren Blick über ihn gleiten ließ. Unter seiner weißen Perücke, dem angeklebten Bart mit Schnurrbart und der Kapuze war nicht zu erkennen, wie der Mann aussah, der das Kostüm trug. Es hätte genauso gut eine Frau sein können, nur seine tiefe Stimme, die immer wieder „Ho, ho, ho!“ rief, ließ sein Geschlecht erkennen.

Da die anderen noch stehen bleiben wollten, holte Alisa sich noch einen Tee. Diesmal bediente eine andere Verkäuferin sie. Sie wählte den Gleichen wie vorher, er hatte seinen Zweck hervorragend erfüllt und schmeckte ausgezeichnet. Die Verkäuferin grinste sie seltsam an. „Na, da haben sie bestimmt tolle Pläne!“

Alisa hatte keine Ahnung, was sie von ihr wollte.

„Kommt, wir holen uns was zu essen!“ Alle stimmten Brits Vorschlag zu. Eine Bratwurstbude neben dem Glühweinstand würde ausreichen, weshalb man beschloss, an dem einmal besetzten Tisch stehen zu bleiben. Cleo und Brit sollten das Essen holen.

„Was möchtest du, Alisa?“

„Ich hätte gerne etwas Scharfes“, meinte sie, den Blick wieder auf die vorbeischiebenden Menschen gerichtet. Einen scharfen Mann, hätte sie am liebsten gesagt.

„Hier, ich habe dir eine Chili-Wurst geholt. Mal sehen, ob die scharf genug ist!“

Das war sie. Höllisch. Himmlisch. Alisa liebte scharfes Essen, sie vertrug viel mehr Schärfe als jede der Freundinnen.

Ihr wurde noch wärmer und sie wünschte sich, sie könnte etwas ausziehen. Aber das war nicht opportun, sie würde später nur wieder frieren, wenn sie weiterliefen. Also öffnete sie nur den Mantel und nahm die Mütze ab. Ihre lockigen, schulterlangen Haare waren ganz zerzaust. Egal, sie würde ja die Mütze gleich wieder aufsetzen.

Sie schwatzten, aber keine hatte mehr so recht Lust, weiterzulaufen. Der Glühwein schmeckte anscheinend gut, und da auch Alisa mit ihrem Tee zufrieden war, von dem sie noch eine dritte Tasse trank, blieben sie, wo sie waren. Die Menschen um sie herum zwängten sich mit trippelnden Schritten vorbei, es wurde immer voller. Sie waren gut aufgehoben, die umgebenden Tische schirmten sie von dem Menschenfluss ab und sie konnten sich gut unterhalten. Die Musik war hier nicht so aufdringlich wie an anderen Ständen, und die Musikkapelle, die auf dem zentralen Platz spielte, war weit genug entfernt, um nicht zu stören.

Alisa freute sich, weil ihr immer noch warm war. Sie war ein wenig unruhig, trippelte auf der Stelle, drehte ihre Tasse im Kreis, spielte an ihren Haaren. Sie hatte sich aus dem Gespräch zurückgezogen, da ihre Freundinnen inzwischen einen Grad der Trunkenheit erreicht hatten, der das Thema auf die Frage brachte, wieviel Glühwein wohl in dem Alkohol war und ob die Orange wohl gespritzt oder aus Wachs war. Manchmal war es eine Strafe, als einzige nüchtern bleiben zu wollen!

„Ich hole mir noch einen Tee.“

Sie bemerkten kaum, dass sie sich entfernte. Bevor sie sich in die Menge stürzte, schaute sie zu dem Weihnachtsmann. Stand er noch auf seinem Posten? Ja, da war er, seine rote Kapuze schaute heraus. Und er schaute ihr direkt in die Augen, als sich eine kleine Lücke auftat zwischen all den Menschen. Sie lächelte ihm zu, ein wenig mitleidig, weil er dort stehen musste; arbeiten musste, während alle anderen sich vergnügten.

Sie wurde mitgeschoben und hatte ihre liebe Mühe, den Teestand zu erreichen. Bei dem Anblick der Dosen entschied sie sich, eine andere Sorte auszuprobieren. Warm war ihr schon, deswegen konnte sie auf diese Wirkung verzichten. „Haben Sie noch so einen exotischen Tee? Der Orientalische hat mir sehr gut geschmeckt, aber ich will noch einen anderen probieren.“ Es war wohl Schichtwechsel gewesen. Wieder eine andere Verkäuferin.

Sie langte unter die Theke. „Ich habe hier noch eine neue Sorte, wollen Sie die mal probieren? Hier steht, er ist sehr würzig, und anscheinend auch teurer als die anderen. Ich habe ihn noch nicht probieren können. Laut Aufkleber ist er erst frisch aus Amerika gekommen. Da steht, er heißt Yohimbe, bestimmt ein Yogitee mit Himbeere.“

„Klar, ich nehme ihn. Wissen Sie was? Ich komme so schlecht hier durch, können Sie mir nicht eine größere Tasse machen? Haben Sie so was?“

„Ich habe hier einen Krug, den hat ein Kunde mal stehen lassen. Da passt ein halber Liter rein. Er ist natürlich sauber. Soll ich den Tee da rein machen?“ Sie einigten sich auf den Preis. Die Verkäuferin gab einen Nachlass, da ja der Bierkrug nicht gerade stilgerecht war und Alisa kehrte stolz mit ihrer Maxiteetasse zurück an den Tisch.

Inzwischen ging es um die Männer, ihre Fehler und die wenigen Vorzüge, die sie hatten. Na toll. Schon wieder so ein umwerfendes Thema, bei dem Alisa nicht mitreden konnte.

Sie trank den Tee schneller aus, als sie gewollt hatte. Er schmeckte ein wenig gewöhnungsbedürftig, sehr fremdartig, ein bisschen harzig, aber auch nach Gewürzen, einfach anders. Jedenfalls nicht nach Himbeere. Egal. Er wärmte, und nur darauf kam es an.

Mist. Ihr war nicht nur warm, es zog und zwickte auch in ihrem Unterleib, und selbst rhythmische Muskelbewegungen halfen nichts. Na klar, ihre Blase meldete sich. Kein Wunder, bei der Menge Tee, den sie intus hatte. Sie hielt für gewöhnlich viel länger durch, normalerweise war Cleo die Erste, die ein Klo suchte.

„Ich muss mal.“

Sie erntete mitleidige Blicke.

„Das Klo ist ganz dahinten.“ Annas Handbewegung war so verschwommen wie ihre Sprache.

„Da musst du ganz weit laufen“, meinte Cleo. „Ich hab extra nur wenig getrunken deswegen.“

„Egal, nutzt ja nichts. Wartet ihr hier?“

„Klar!“, „Bleib trocken!“, „Lass dich leerlaufen!“, lauteten die hochintelligenten Kommentare ihrer Freundinnen. Sie ließ die Mütze und die Handschuhe dort. Besser, sich nicht auf einer engen Toilette damit herumschlagen zu müssen. Am liebsten hätte sie auch noch den Mantel ausgezogen, so warm war ihr.

Der Weg führte sie in Richtung der Dekobude. Gut, dann konnte sie einen näheren Blick auf den Weihnachtsmann werfen, der sie so angestarrt hatte. Man konnte ja nie wissen, dachte sie, vielleicht erfüllte er ihr ja einen Wunsch! Sie musste über ihren eigenen Witz lachen. Obwohl die Vorstellung, sich mit einem Mann zu vergnügen, mit jedem Schritt gewann. Ihr Slip rieb unangenehm an ihren Schamlippen. Diese blöde Strumpfhose hatte sich im Zwickel so dazwischen geschoben, dass sogar ihre Klit betroffen war. Hätte sie doch nur Hosen angezogen!

Es ging nur zentimeterweise voran. Sie war sofort von Menschen umgeben. Dicke Winterjacken, Hände, die Zigaretten hielten oder Gläser, Kinder zwischen den Füßen, es war ein Tollhaus. Ein besonders dicker Kerl mit Daunenjacke vor ihr ging unvermittelt einen Schritt zurück, so dass sie eingequetscht wurde. Ihre Brüste wurden zusammengedrückt, platt wie Pfannkuchen fühlten sie sich an.

Es war gar nicht so unangenehm. Irgendwie gut. Sie drückte selbst ein wenig dagegen. Ja, eindeutig gut. Der Druck ließ nach, es ging einen winzigen Schritt weiter.

Die Daunenjacke vor ihr wurde von einem Kamelhaarmantel ersetzt, eine Handtasche über die Schulter geschlungen, die jetzt ihre Kante an ihre linke Brust drückte. Eine kleine Drehung, und sie hatte den Druck genau auf ihrem Nippel. Die Musik aus dem Lautsprecher neben ihr, Rocking Christmas, ging ihr durch den ganzen Körper. Sie bewegte sich im Takt dazu, rieb sich an der Tasche, bis sie einen empörten Blick der Kamelhaardame erhaschte. Oh, oh!

Da, der Weihnachtsmann tauchte neben ihr auf. Er sah aus der Nähe noch besser aus. Schlanker, größer. Direkt zum Anknabbern. Alisa kicherte. Und wenn er nun beinahe neunzig war und runzlig und ein total blöder Ochse? Sie musste ihn einfach genauer anschauen!

Es war leichter, zur Seite hin aus der Menge abzudriften, als sich mitschieben zu lassen. Der Druck der Menschenmasse beförderte sie näher an ihn als sie erhofft hatte. Genau an seine Brust. Eine feste Brust, die nicht nachgab. Wunderbar! Sie machte eine unwillkürliche Bewegung, wie eine Katze, die sich am Türpfosten reibt. Ja, das fühlte sich außerordentlich gut an. Besser als die Kante einer Tasche. Sie schaute zu ihm hoch und starrte direkt in leuchtend blaue Augen. Umrahmt von unglaublich langen Wimpern. Junge Augen, ganz bestimmt.

Alisas Schulter wurde angerempelt und drückte sie noch einmal fester an den Weihnachtsmann. Diesmal schlang er einen Arm um sie, verhinderte so, dass sie von ihm abrutschte und zu Boden ging. Dabei drehte er sich mit ihr seitwärts und schützte sie mit seinem Rücken vor weiteren Stößen. Einem breiten Rücken. Alisas Finger hatten ein Eigenleben. Sie tastete sich an seinen Unterarmen hoch, über feste Oberarme bis zu seiner Brust. Alles war hart, unnachgiebig. Der enge Kontakt sorgte für eine Verstärkung dieser Wärme, die da durch ihre Adern floss.

„Entschuldigung!“, murmelte sie leise. Man rempelte doch nicht einfach so einen Mann an.

„Eine Entschuldigung wird nicht genügen.“

„Was? Wieso?“ Alisa schaute ihn groß an.

Er schaute sehr ernst, gar nicht freundlich oder belustigt. „Du hast mich abgetastet wie ein Fleischer sein Steak. Ich bin aber kein Stück Fleisch.“

„Aber ein leckerer Happen. Ein Schokoweihnachtsmann!“ Hatten die Mädels nicht gesagt, sie solle offensiver rangehen?

„Und du willst mich anknabbern?“

Na, dieser Gedankengang war der Richtige. Wie er wohl schmecken würde? Und wo sollte sie anfangen? Eine kleine Stimme in ihr meldete sich und warnte vor ihren wild gewordenen Gelüsten. Sie war doch sonst nicht so forsch gegenüber Männern. Wollte doch viel lieber angesprochen werden und vermied es tunlichst, als aggressiv angesehen zu werden.

„Hattest du etwas Bestimmtes im Sinn?“, fragte der Weihnachtsmann.

Ihr Zögern hatte wohl zu lange gedauert. „Ich muss mal“, brach es aus ihr heraus. Obwohl sie im Moment gar nicht sicher war, was sie eigentlich musste. Musste sie sich an ihm reiben? Musste sie ihn bitten, ihr Erleichterung zu verschaffen? Ach nein, sie musste mal zur Toilette.


Morgen gibt es Teil 2.

 

 

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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