Dinner for two

white-960981_1280Er hob sein Glas und prostete seinem Gegenüber zu. Mit leichtem Schmunzeln quittierte er ihre Ungeschicklichkeit. Beinahe hätte sie den Wein verschüttet, doch sie fing sich wieder.

„Schmeckt er dir? Ein Blanc de Noir. Ich fand das Bild passend. Ein Weißwein, der aus roten Trauben entsteht. Er muss schnell gekeltert werden, damit die Schalen von dem Saft getrennt werden.“

Sie nickte. Ihr Körper hob sich ein winziges Stück an. Er erkannte die Bewegung, ein Anspannen der Beckenbodenmuskulatur. Sehr schön.

„Ich denke, das Bild kommt dir bekannt vor“, fuhr er fort. „Auch rote Trauben sind nur äußerlich rot. Innen sind sie weiß. Ein Versteckspiel. Camouflage.“

Sein Lächeln war echt. Ihres wirkte gequält. Mehr noch, als er in die Hosentasche griff. Wie lange konnte er das Spiel hinauszögern?

„Du erinnerst dich an meine Anweisung, meine Liebe?“

Wieder ein Nicken.

„Ich bevorzuge Worte, wie du weißt.“

„Ich erinnere mich.“

Sollte er sie bitten, ihn mit Sir, Herr oder Master anzusprechen? Nein, seine Herrschaft über sie stand nicht in Zweifel. „Iss doch etwas.“

Wie schon zuvor, hob sie die Gabel leicht zittrig zum Mund. Er hatte darauf geachtet, dass alle Gerichte, die er ihr heute vorsetzte, mit einer Hand zu essen waren. Nicht, dass er auf richtiges Besteck verzichtet hätte. Gerade der Gegensatz belebte das Bild. Er, vollständig und gut gekleidet, aß entsprechend den Tischsitten. Sie hingegen … Nun, sie war ein wenig eingeschränkt und ihre Kleidung ließ sehr zu wünschen übrig.

Nach der nächsten Gabel Forellenmousse stöhnte sie laut auf. Ihre Augen flogen zu ihm in einer Mischung aus Entsetzen und stummem Flehen.

„Ich weiß, dass du heute nicht allen Regeln gerecht werden kannst. Du hast die Erlaubnis, dich gehen zu lassen. Aber nicht zu sehr.“ Die allerletzte Steigerung durfte sie nur auf seine Anweisung hin zulassen, darauf bestand er.

„Möchtest du jetzt den Hauptgang?“

Sie fing sich gerade so, sprach zeitgleich mit ihrem Nicken. „Gern.“ Ein unkontrolliertes Zucken, ein Stöhnen, dann fuhr sie fort: „Danke.“

Ihr Stöhnen fuhr direkt in seinen Schwanz. Ruhig, du hast noch viel Zeit. Bevor er zum Einsatz kam, würde er noch lange genießen. Vielleicht war es jetzt Zeit für die erste Belohnung.

Das Summen, bisher kaum hörbar, wurde lauter, glich mehr einer bösartigen Wespe. Ihre Augen wurden riesig, der Mund öffnete sich. Ein Speicheltropfen hing an ihrer Unterlippe, ehe sie sich dessen bewusst wurde und ihn zurücksaugte. Die Röte, die sich auf ihr ausbreitete, war nicht allein der Peinlichkeit geschuldet.

Er wollte, dass sie sich ganz gehen ließ, dass sie ihre Umgebung vergaß, sogar ihn. Umso stärker würde die Erkenntnis sie treffen, wenn sie sich seiner Anwesenheit und der Situation als solcher wieder bewusst wurde.

Wunderschön. Bewunderung ließ ihn weich werden, für einen Moment gab er sich ganz der Anbetung hin. Eine leidenschaftliche Frau, es gab nichts Schöneres für ihn, erst recht nicht, wenn sie sich ihm so unterwarf, ihm Carte Blanche gab, wie sie es heute getan hatte.

Und das, ohne zu wissen, was er plante. Er hatte nur zum Essen geladen, bei sich, ganz intim. Dinner im Kerzenschein.

Die Hitze, die beim ersten Anblick des Tisches und vor allem des Stuhls, in ihr aufstieg, wärmte auch ihn, weil er so dicht hinter ihr stand. Beinahe greifbar.

Sie hatte keinen Moment gezögert, sondern ihm vertraut. Dafür musste sie belohnt werden. Das tat er jetzt. „Du darfst genießen.“

Wie Eis in der Sonne schmolz sie dahin. Wäre sie nicht vom Stuhl gestützt worden, läge sie jetzt schon unter dem Tisch. Er beobachtete sie, trank ihre Lust allein mit seinen Augen.

Nach einigen Minuten hatte er ein Einsehen.

„Ich richte den Hauptgang her. Du darfst dich so lange erholen.“

„Ja, Herr. Danke, Herr.“

Mit einem Strahlen antwortete er auf ihre Worte. Wie viel schöner die Ansprache klang, wenn sie von ganz alleine kam!

In der Küche ließ er sich Zeit, doch das Essen war vorbereitet und musste nur angerichtet werden. Die Jakobsmuschel auf ihrem Teller teilte er in kleine Häppchen, damit sie ungestört essen konnte, und setzte sie dann auf das Bett aus Safranrisotto.

Als er das Essen auftrug, lächelte sie ihn glücklich und zufrieden an. Und dankbar.

So war es immer, das war der Grund, warum sie ihm inzwischen vertraute, ihr Wohlergehen ganz in seine Hände lag, auch wenn sie früher gezweifelt hatte.

„Das ist ein Chablis. Ein Muss zu Jakobsmuscheln. Koste das Aroma.“

Sie schwenkte den Wein im Glas, ehe sie ihn vorsichtig im Mund kreisen ließ. Eine Genießerin wie er auch.

„Er schmeckt wie du, meine Liebe. Sanft und doch würzig. Eine dezente Säure, ein wenig Zitrusaroma, ein mineralischer Unterton.“

Dieses Erröten war so süß, eine Ode an seinen Charme.

„Iss jetzt.“

Er ließ sie in Ruhe, bis der Teller leer war.

„Das war wundervoll. Du bist ein fantastischer Koch.“

„Danke, meine Liebe. Und du bist ein bezaubernder Gast. Offen für Neues, empfänglich für Genüsse. Du darfst weiter genießen.“

Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Für eine Weile würde er ihr zusehen. Mehr nicht. Das Drücken der Knöpfe geschah beinahe beiläufig, ohne dass er bewusst darüber nachdachte.

Noch war er nicht satt, eher wurde sein Appetit von Minute zu Minute stärker.

Die Art, wie sie sich wand, ihre gerötete Haut, das jetzt ununterbrochen hörbare Stöhnen, sogar der Duft, der jetzt bis zu ihm herüberwehte, heizten ihn an. Sein Schwanz war maximal angewachsen, äußerst empfindsam, sogar seine Hoden schmerzten leicht und sehnten sich nach Erlösung.

Gleich. Noch ein wenig.

Jetzt. „Bitte sehr. Gönn dir dein Vergnügen.“

Ihre Augen schauten ins Leere. Mit offenem Mund sah sie völlig entrückt aus.

„Jetzt bin ich an der Reihe.“ Er löste die Fesseln, die ihren Oberkörper und die linke Hand am Stuhlrücken hielten. Die roten Streifen auf, über und unter ihren vollen Brüsten gefielen ihm ausnehmend gut. Natürlich hatte er geahnt, dass sie sich winden und so die Zeichnung verstärken würde, deshalb hatte er sich für das Juteseil entschieden, das die schönsten Spuren hinterließ.

Vom Stuhl musste er ihr aufhelfen, wie er ihr auch beim Hinsetzen geholfen hatte, aber diesmal war es auch der Schwäche geschuldet, die die vielen Orgasmen hinterlassen hatten.

Das Leder des Stuhls zeigte dunkle Flecken. Der fest installierte Dildo und der von ihm selbst angeschraubte Vibrator in der Halterung glitzerten von ihren Säften.

Ein Blick in ihr Gesicht zeigte, dass sie von der Menge der von ihr produzierten Feuchtigkeit peinlich berührt war, trotzdem starrte sie mit einer ähnlichen Faszination darauf wie er es tat.

Sie würde weich sein und geschwollen. Aber das störte ihn nicht. Er plante, die andere Öffnung zu benutzen. Seine Gespielin war in diesem Zustand bereit für alles.

„Folge mir, meine Liebe. Du darfst den Stuhl und das Spielzeug nachher reinigen. Jetzt widmen wir uns dem Dessert.“

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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6 Antworten zu Dinner for two

  1. Fortunato schreibt:

    Sehr gelungen und erotisch den Spannungsbogen mit dem seinem gezeichnet – gefällt mir ausgesprochen!

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  2. transomat schreibt:

    Was für ein wunderbares Dinner

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  3. Herr B schreibt:

    Herrlich, eine schöne Geschichte, die Hunger auf mehr macht…

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  4. karimausi schreibt:

    Jetzt hab ich Hunger… und zwar nicht nur auf Jakobsmuscheln…. 😉

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  5. Anima schreibt:

    Mir läuft das Wasser im Mund zusammen 😉

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