Schweiß auf meiner Haut

Dieser Club ist so voller Menschen, dass wir uns praktisch alle wie ein Körper bewegen. Die Musik wummert laut, füllt jede Pore mit ihrem Beat, und wo sie nicht hinkommt, entsteht Schweiß, überzieht die Haut mit einem dünnen Film, der kaum verdunsten kann, weil nicht genug Luft da ist, ihn aufzunehmen.

Ich kann nicht mehr. Bin völlig fertig. Die Absätze sind tödlich und lassen meine Füße schmerzen, der Rücken schreit, sobald ich mich vorbeuge oder drehe. Zeit für eine Pause. Nur wie?

Die feuchte Haut vereinfacht das Hinausgleiten, auch der seidige Stoff meines kurzen, kurzen Kleides hilft mir, durch die Menge zu schlüpfen. Wie immer an solchen Tagen gelingt es mir nicht, den grabschenden Fingern zu entgehen, die die Chance nutzen, den Hintern zu betasten oder die Brüste, auch mal unter den Saum gleiten und feststellen, dass ich überall genauso heiß und feucht bin.

Auch heute habe ich einen Drink zu viel gehabt, aber ich bin nicht wirklich betrunken, nur so weit gelockert, dass mir die Finger nichts ausmachen, mich eher anmachen, simmern lassen, meine Brüste anschwellen und die Nippel sich aufstellen lassen.

Ich werde Ausschau halten nach einem Typen, den ich heute Nacht mitnehmen kann, der es mir besorgen kann und zwar so, dass ich morgen diese Wundheit spüre, die mich daran erinnert, dass ich lebe und Spaß habe und dass das Leben schön ist.

Ein Paar, an dem ich vorbeikomme, treibt es hier, sie an eine Säule gelehnt, er vor ihr mit gebeugten Knien, angestrengtem Blick, angespannten Nackenmuskeln. Blöd. Bringt doch nichts, so im Stehen. Vielleicht ihm, aber sie wird nicht viel Freude daran haben. Außerdem finde ich es ätzend, wenn drum herum zehn Typen stehen, die glotzen und sabbern. Die kann man sich nämlich nicht aussuchen, jeder Arsch kann da stehen und womöglich filmt er dich noch und holt sich dann zuhause einen runter mit deinem Bild vor sich. Nein, danke.

Die Loungesessel sind alle belegt, die meisten Couches auch, aber auf einer hat sich ein Typ breit gemacht. Er unterhält sich mit einem im Sessel daneben. Sitzt seitwärts, aber so, dass er die ganze Fläche belegt, die Arme über die Rückenlehne, ein Bein halb auf dem Sitz. Blödmann. Wo es doch so voll ist, ist das voll unhöflich.

Nachdem ich mühsam über Füße und Beine hinweggekrabbelt bin und mir das Knie an dem blöden Glastisch angestoßen habe, lasse ich mich auf den freien Platz fallen. Allein schon, um ihm zu zeigen, dass ich das einfach scheiße finde. Dummerweise hat der Typ, dieser Belagerer, seine Hand wegziehen wollen, weswegen ich jetzt direkt darauf gelandet bin. Geschieht ihm recht, hoffentlich habe ich ihm den Arm gebrochen.

Er schaut mich nur an, große dunkle Augen unter langen dunklen Haaren, gestutzter Vollbart, möglicherweise ein Grinsen auf den Lippen, vielleicht aber auch eine Schmerzgrimasse. Mir egal. Hätte ja schneller sein können. Ich erhebe mich aber doch, weil ich ja nicht so ein Arsch bin wie er, und gebe ihm die Chance, seinen Arm zu retten, ehe er abstirbt oder abfault.

Er bewegt sich, aber anscheinend nicht schnell genug. Als ich mich wieder fallen lasse, ist der Arm immer noch unter mir. Nein, die Hand.

Er bewegt die Finger. Erst da wird mir klar, dass sie direkt an meiner Muschi liegen. Beinah schon drin, weil der Slip nicht mehr Stoff hat als eine Zweieuromünze. Blödmann.

Ich mache also Anstalten, nochmal aufzustehen, aber da habe ich seine andere Hand auf meinem Oberschenkel. Er drückt mich ins Polster. „Bleib sitzen.“

„Aber dein Arm!“

„Passt schon.“

Und ob das passt. Der Arsch schiebt mir einen Finger rein. Einfach so. Nun ja, ist nicht so schwer, weil ich innendrin genauso nass bin wie draußen, nur, dass es kein Schweiß ist. Aber das ist doch Mist, hier in der Öffentlichkeit. Außerdem finde ich ihn doof. Nicht sein Aussehen, nur sein Verhalten.

„Lass das!“

„Ich tu doch gar nichts. Du zappelst hier so rum.“

Da hat er schon recht. Ich zapple herum, weil er seinen Finger nicht stillhält. Ich versuche, ihm Platz zu machen, damit er seine Hand rausziehen kann, aber er nutzt die Gelegenheit nur, um mir noch mehr Finger reinzustecken.

Und von jetzt auf nachher bin ich auf hundertachtzig. Er erwischt die richtige Stelle. Mehr als mit den Fingern wackeln, kann er so ja nicht. Aber die Stelle, an der wackelt, ist so geil! Meine Temperatur springt anscheinend auf und ab, von Hitze und Schwitzen wechselt sie zu Gänsehaut und einer Art Schüttelfrost, der mich packt und zucken lässt. Dann folgt wieder Hitze und mir bricht erst recht der Schweiß aus. Kein Vergleich zu dem feuchten Film von eben, jetzt flutscht wirklich alles. Seine Finger ganz besonders.

Eigentlich macht er kaum was. Ich rutsche auf ihm rum, so dass seine Finger immer wieder an die guten Stellen geraten. Der kleine Finger macht sich an meiner Klit zu schaffen, er packt es gerade, sie zu drücken, mehr geht nicht. Dafür kann er was mit dem Daumen machen, denn der drückt auch und reibt, wenn auch nur in Millimeterkreisen, über mein hinteres Loch. Wie geil ist das denn!

Der, mit dem Mister Bart eben noch gesprochen hat, sagt etwas und beugt sich dazu weit vor, damit er um mich herum reden kann. Mister Bart lehnt sich daraufhin auch vor, aber ohne seine Hand wegzuziehen. Es wirkt, als wollte er mich abschirmen gegen den Rest der Menschen.

Auf einmal wird mir klar, was ich da gerade mache. Ficke mich selbst auf seiner Hand, und das vor allen im Club. Habe ich nicht eben noch gedacht, dass die Schlampe echt blöd ist, die das mit sich machen lässt? Und jetzt bin ich selbst so eine. Aber es ist einfach zu köstlich, ich mag und kann gar nicht mehr aufhören.

Die beiden reden miteinander oder auch mit mir, aber ich kann nicht zuhören, nicht antworten, bin ganz und gar fixiert auf diese Finger.

Bis der andere auch einen Arm hinter meinen Rücken schiebt, langsam und vorsichtig. Vielleicht hat er Angst, dass ich ihm meinen Ellbogen in die Rippen ramme oder mit meinen Absätzen Löcher in seinen Fuß stampfe. Aber nein, das will ich gar nicht. Warum auch? Zwei Hände können mehr als eine, oder?

Ja, können sie. Zwei Hände können mich kommen lassen. Zwei Hände können mich mehr als einmal kommen lassen. Hart und schnell. Und lassen mich gar nicht mehr runter von meinem High, reiben einfach weiter. Ich sitze da wie die Mona Lisa mit einem völlig abgehobenen Lächeln auf den Lippen, die Hände im Schoß und lasse mich fingern, bis alles vor meinen Augen verschwimmt und der Sitz unter mir auch.

„Wie wär´s, kommst du noch mit zu uns?“

Endlich Worte, die ich verstehe. Mister Bart hat sie gesagt, dicht an meinem Ohr. Ganz dicht. So dicht, dass sich sein weicher Bart über meine Ohrmuschel bewegt, sein warmer Atem mir über die Wange streicht, sein Duft mir in die Nase steigt. Lecker riecht er. Ist doch gar nicht so doof. Nein, gar nicht doof. Ein Mann, der weiß, was er mit seinen Fingern machen muss.

„Ich kann nicht mehr laufen.“

Das ist nicht gelogen. Ich kann auf gar keinen Fall in diesem Zustand auf diesen Schuhen auch nur einen Schritt machen.

„Macht nichts. Wir helfen dir.“

Zwei Arme unter meinen Armen, zwei harte Körper an meinem, Hitze überall, in mir und um mich herum, geleiten sie mich durch die Menge. Ich schaue nur auf ihre Finger. Die waren eben in mir drin. Werden es vermutlich bald wieder sein. Lange, schöne Finger. Kräftige Finger. Feuchte Finger. Kein Schweiß.

Der ist dafür überall auf meiner Haut. Macht sie nass und glitschig. Nass und saftig. Saftig wie meine Muschi.

Ich grinse und schwitze und grinse und schwitze, bis die Nacht vorüber ist.

Foto: EvgeniyQ-depositphotos.com

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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