Eine liebevolle Beziehung

„Komm her, Liebes.“ Er zeigt auf die Stelle neben seinem Stuhl.

Der Weg ist beschwerlich. Vielleicht eine Handbreit Fortschritt mit jeder Bewegung. Mehr erlaubt die Fußfessel nicht. Die beiden Manschetten sind mit einem Karabiner verbunden, nicht mit einer Kette.

Außerdem fällt es schwer, die Balance zu halten. Die Arme, die normalerweise für das Gleichgewicht sorgen würden, sind hinter dem Rücken verschränkt, die Unterarme übereinandergelegt, die Hände halten die Ellbogen. Das Seil, das er fachmännisch darum gebunden und verknotet hat, verhindert jede Bewegung.

Ihre Knie schleifen über den Boden, sie wagt es nicht, sie anzuheben, aus Angst, umzukippen. Wie würde das aussehen? Keinesfalls elegant, wie er es von ihr fordert.

Ein Krümel bohrt sich in ihre Haut, doch sie verzieht keine Miene. Was ist schon ein Krümel, wenn man solche Spuren trägt? Ihre Brüste sind noch angeschwollen. Schon lange kann man keine einzelnen Streifen mehr unterscheiden, die Treffer haben sich zu einer Fläche vereint, der Schmerz passend zu dem Feuerrot ihrer Haut.

Das sanfte Schwingen bei jedem Vorrutschen hält die Erinnerung wach. Ihr rauer Hals ebenso. Sie hat geschrien, aber erst, als er ihre Nippel wieder und wieder traf. Irgendwann ging das Geschrei in Jammern über, beinahe ein Winseln. Sie weiß, wie sehr ihm diese Geräusche gefallen, über die sie jegliche Kontrolle verloren hat.

Eine Träne rollt über ihre Wange, es ist die Letzte, die sich noch aus den nassen Wimpern löst, sich ihren Weg über die heiße Haut bahnt, bis sie vom Kinn herabtropft. Sie schaut dem Tropfen nach. Er ist dunkel, die Flüssigkeit geschwärzt von Mascara. Er war es, der ihr befahl, sich zu schminken. Er mag es, wenn lange Tränenspuren ihr Gesicht verzieren. Mit allen Sinnen will er ihre Unterwerfung genießen, dazu gehört auch das Schauen.

Endlich hat sie es geschafft. Sie ist nahe genug, ihr Knie berührt seinen Fuß, wie er es vorschreibt. Jetzt darf sie sich auf die Fersen setzen, aber erst, nachdem sie ihre Schenkel so weit wie möglich gespreizt hat. Er möchte auch das sehen, ihre Öffnung, feucht für ihn, sich öffnend für ihn.

Doch das ist nicht, was er plant. Jetzt nicht. Später. Jetzt lächelt er sie an. Zufrieden mit ihrer Folgsamkeit, glücklich über ihre Unterwerfung. „Mach auf, Liebes.“

Seine Finger halten einen Bissen, schieben ihn in ihren bereitwillig geöffneten Mund, bleiben drin, bis ihre Lippen sich um die Kuppen schließen und ihm so sanft wie möglich das Essen abnehmen.

Wieder wird sie belohnt mit einem Lächeln.tears

Für dieses Lächeln erträgt sie alles. Würde er sie mit Pappe füttern, wäre es gleichgültig, sie schmeckt nichts von dem, was er ihr gibt. Ihr ganzes Sein ist erfüllt mit Liebe. Zu ihm. Dem Mann, der sie schlägt, sie liebt, sie füttert, sie fesselt.

Sie lächelt zurück, schenkt ihm ihre ganze Liebe mit einem Blick. Einem tränenumsäumten Blick aus ihrem mascaraverschmierten Gesicht, die Nase noch rot, die Haut fleckig, die Lippen geschwollen vom Draufbeißen.

Nie war sie schöner.

 

Foto ©goglik83 – Depositphotos.com

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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10 Antworten zu Eine liebevolle Beziehung

  1. Michael Behr schreibt:

    Wieder sehr eindringlich und anschaulich geschrieben! 🙂

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  2. Mastergunter schreibt:

    Gefühlvoll geschrieben – anschaulich dargestellt.

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  3. waldstern schreibt:

    okay, das ist gut, wirklich gut geschrieben!

    Gefällt 1 Person

  4. Schattenwölfin schreibt:

    Was für ein Kleinod!

    Liebe Margaux,

    Danke für diese Zeilen, die in ihrer Verdichtung eine ganz besondere Lesewirkung bei mir erzielen. Manchmal ist weniger so viel mehr.

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  5. HerrB schreibt:

    Wieder ein schöner und einfühlsamer Text – viel Dank dafür

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