BDSMler sind im Beruf benachteiligt

Bei Gesprächen mit meinem Mann ist mir aufgefallen, dass er als BDSMler eindeutig im Job benachteiligt ist. Und das, ohne sich zu outen. (Er spricht mit Kollegen oder Geschäftspartnern nicht über unser Sexleben, deshalb gibt es da nichts zu outen.)
Warum das so ist?
Zum Job gehört immer auch Smalltalk. Sei es in Pausen, nach der Arbeit, bei Geschäftsessen, eigentlich bei jedwedem geselligen Zusammensein, vor allem aber auf Reisen. Gerade die amerikanischen Geschäftspartner reden gerne über ihre Freizeitgestaltung. Golfen gehört bei manchen dazu (bei uns nicht!), Yachting (bei uns nicht – leider), Sport (bei uns in Grenzen, jedenfalls kein glamouröser). Und dann kommen die Themen, die unweigerlich bei meinem Mann auf Achselzucken stoßen: Filme, Computerspiele, X-Box und welches Gerät auch immer, Netflix-Serien.
Damit ist er eindeutig im Nachteil. Er ist allerdings sehr gewandt im Smalltalk und schafft es, die Gesprächspartner auch wieder zu Themen zurückzuführen, bei denen er mitreden kann, aber natürlich fällt auf, dass er seine Freizeit eindeutig mit anderen Aktivitäten verbringt.
Nun ist es aber schwierig zu erklären, dass er einen erheblichen Anteil seiner Freizeit für eine Beschäftigung benötigt, die unter BDSMlern einfach dazugehört: dem Spielen.
Als aufgeklärte Leser meiner Romane wissen selbst Nicht-Eingeweihte, was das bedeutet: Keine Brettspiele, sondern eine BDSM-Szene. Mal mehr, mal weniger vorgeplant, mal aufwändiger, mal intuitiv.
Auf jeden Fall kann ich bestätigen, dass unsere Spielzeit die Zeit von 17:36 Minuten, die der Liebesakt in Deutschland im Durchschnitt dauert (Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 14.01.2018), erheblich übersteigt. (Ich persönlich glaube nach lange zurückliegender Erfahrung mit anderen Partnern eher der Berechnung von Paulo Coelho: 11 Minuten, aber das ist nicht empirisch belegt.)
So eine Szene kann (muss nicht) sehr lange dauern (Bondage immer, Kerzenwachs auch, Tease und Denial sowieso, Spanking auch. Lampe halten, damit der Herr in Ruhe lesen kann, auch. Äh, ich muss jetzt nicht alles aufzählen, oder?), auf jeden Fall wirkt sie noch nach (physische Erschöpfung), braucht Knuddelzeit/Nachsorge und überhaupt fördert sie die zwischenmenschliche Beziehung durch seliges Wegschlummern.
Wie soll da bitte Zeit bleiben für Fernsehen, Spiele oder gar ganze Serien? Geht nicht. Keine Chance.
Seht ihr? So sind BDSMler benachteiligt. Zumindest im Job. In ihrer Beziehung nicht. Im Liebesleben auch nicht. Gar nicht in Sexualität und in Orgasmen und Euphorie, noch weniger in Liebe. Aber ich fürchte, das zählt im Job nicht. Und kann auch bei Geschäftsessen nur schlecht rübergebracht werden …
Überlegt euch also gut, wie ihr eure Zeit verwendet. Mit Spielen oder mit Spielen …

Na, wie seht ihr das? Schreibt mir doch, ob BDSM auch für euch einen Nachteil bedeutet.

Foto: ©stock.adobe.com

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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3 Kommentare zu BDSMler sind im Beruf benachteiligt

  1. Herr B. sagt:

    Auch ich spiele viel und gerne…
    Aber benachteiligt fühle ich mich weder privat, noch im Job…
    Irgendetwas findet sich doch immer, um „im Gespräch zu bleiben“.

    • margauxnavara sagt:

      Wenn eine Gruppe beieinander steht und über Filme diskutiert, ist es schwer, sie davon abzubringen. Aber in dem Beitrag ist auch ein Hauch Ironie drin … ich weiß jedenfalls, dass mein Mann es deswegen nicht aufgeben wird 😉

  2. Und dann kommen die Themen, die unweigerlich bei meinem Mann auf Achselzucken stoßen

    …weil er dich auf jeden Fall geiler findet als alles andere aufgeführte Zeug?
    Ich meine, Realität hat doch immer noch die beste Auflösung 😉

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