Aftercare – Nachsorge

Wer die internationalen Nachrichten verfolgt, der hat vielleicht auch von Armie Hammer gehört. Ein Schauspieler, der seine dominanten Fantasien hinter dem Rücken seiner Vanilla-Frau ausgelebt hat und nicht vorsichtig genug war mit seinen Textnachrichten, wie es scheint. Ob er tatsächlich kannibalistische Tendenzen hat oder nicht, mag ich nicht entscheiden.

Was mich besonders bewegt an der ganzen Sache, ist Folgendes: Armie hatte wohl sehr intensive Sessions mit (vorwiegend jungen, daher in BDSM unerfahrenen) Frauen, auch mit CNC – Consensual Non-Consent, das ist einvernehmlicher Sex auf nicht-einvernehmliche Art, oft als Rape-/Vergewaltigungs-Fantasie bezeichnet.

Daran ist grundsätzlich nichts Schlechtes, wenn man es auf vernünftige Weise angeht. Dazu gehört unbedingt ein Safeword, aber auch eine gewisse Erfahrung auf beiden Seiten. Bevorzugt damit, was Einvernehmlichkeit bedeutet. Damit meine ich, dass der dominante Part – für gewöhnlich dabei der Mann – nicht meint, Einvernehmlichkeit bedeute, dass Sub das tut, was er sagt, da sie quasi allem zustimmt, was er tut, indem sie sich ihm als Sub angeboten hat.

Das hat mit Einvernehmlichkeit nämlich nichts zu tun.

Klar, wenn man einige Jahre D/s lebt, braucht man nicht jede Session vorab zu besprechen, sollte das aber tun, wenn man etwas ganz Neues einführen will. Oder dann wieder das Safeword ausgraben, das man vielleicht schon vor langer Zeit vereinbart und seitdem nie verwendet hat.

Dass auch viele Frauen Vergewaltigungs-Fantasien haben, ist inzwischen belegt, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Dass das Wort ‚Vergewaltigung‘ hier eigentlich falsch ist, ist auch ein anderes Thema, deshalb nur ein kurzer Exkurs dazu: Eigentlich geht es um eine Überwältigung, um das Gefühl, dass sich ein Mann die Frau mit Gewalt nimmt, weil er sich nicht zurückhalten kann, oder darum, seine Macht gänzlich abzugeben, vermeintlich ohne jegliche Möglichkeit, sich zu wehren. Tatsächlich möchte niemand vergewaltigt werden – auch das selbstverständlich, aber ich will es dazu schreiben, damit mir niemand die Worte verdreht.

Stellen wir uns also ein Paar vor, das BDSM ausübt, bei denen es ein deutliches Machtgefälle gibt, die sich einig sind, sie wollen eine solche Fantasie ausleben. Nachspielen ist hier ein gutes Wort, wenn auch sonst das Wort ‚Spiel’ für eine Session nicht passt. Denn es ist letztlich ein Spiel, da es ja vorab vereinbart wurde. Ein Rollenspiel. Man einigt sich auf nicht-einvernehmlichen Sex mit klar verteilten Rollen.

Wie und wo auch immer – es findet statt. Es ist extrem intensiv, wird nicht abgebrochen – obwohl es ein Safeword gibt.

Mir geht es um das Danach.

Danach ist nämlich eines unerlässlich: die Nachsorge.

Bei erfahrenen Paaren, bei nicht so intensiven Szenen oder manchmal auch einfach so, ist sie nicht immer nötig. Solange kein Absturz passiert, ist alles gut. Sowohl Dom als auch Sub dürfen auch einfach schlafen oder nach Hause gehen, solange es nichts aufzuarbeiten gibt.

Bei Rape Play gibt es das garantiert. Hier gibt es kein ‚mal sehen, wie sie drauf ist‘, von ihrer Seite kein ‚geht schon‘, kein ‚alles okay‘. Hier gibt es nur eines: Nach Kuscheln (immer) und Schokolade (okay, das ist ein Klischee, aber ich mag Schokolade) sollte man sich durch Zuwendung beweisen, dass die Szene das Machtgefälle und die Beziehung nicht extrem verändert hat, dass die Zuneigung nach wie vor vorhanden ist, dass der ‚böse‘ Dom jetzt wieder ein ‚guter‘ Dom ist.

Oft genügt ein Gespräch nicht. Noch besser wäre es, das Ganze wiederholt zum Thema zu machen. Ich zumindest neige dazu, Dinge im Kopf durchzukauen. Je intensiver, desto länger hält dieser Nachhall an. Ich mag auch nach Tagen noch über Sessions reden, die mich beschäftigen, weil ich es verarbeiten muss. Ich bin sicher, dass es nicht nur mir so geht.

Ich neige auch dazu, mein Safeword nicht zu verwenden (das wir vor x Jahren mal vereinbart haben), wobei ich auch anders abbrechen könnte. Dass in einer CNC-Session weder ‚aua‘ noch ‚nein‘ zum Abbruch führen, sollte jedem klar sein.

Trotzdem ist es auch schon vorgekommen, dass ich hinterher dachte, ich hätte die Session (auch ganz einvernehmliche) abbrechen sollen. Weil es zu intensiv wurde, zu emotional, zu aufwühlend. Wenn ich also schon eine solche Session ohne Abbruch durchgezogen habe, möchte ich zumindest hinterher die Chance haben, das Erlebte aufzuarbeiten, selbst wenn es nicht immer angenehm ist.

Die Versuchung seitens der Sub, die Nachfrage mit einem ‚alles okay‘ abzutun, ist da. Deshalb liegt es hier in der Verantwortung des dominanten Parts nicht gleich aufzugeben, weil es so bequem ist.

Es gibt auch andere Situationen, bei denen ich auf keinen Fall Nachsorge will. Da will ich weiterträumen, will nicht so schnell zurück in die Realität.

Aber nicht nach CNC.

Also bitte, macht nicht den gleichen Fehler wie Armie. Kümmert euch. Für ein gesundes Verhältnis mit manchmal ungesunden Tendenzen.

Ach ja, noch ein Tipp für all die Promis, die hier mitlesen: Keine Textnachrichten mit kompromittierenden Inhalten verschicken 😉

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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