BDSM-Spielzeug-Dienstag – Knebel

Gerade hatten wir mal wieder den Knebel im Einsatz. Draußen wäre es sonst zu laut geworden …

Zugegeben, nicht mein Lieblingsspielzeug. Ich hoffe, dass wir uns demnächst einen neuen anschaffen werden, diesmal aus Gummi. Dieser hier ist aus hartem Plastik, was ich als ziemlich unangenehm hinter den Zähnen empfinde. Dafür hat er Löcher, die das Atmen erleichtern. Ich glaube aber, dass ein Gummiball angenehmer sein könnte.

Vielleicht auch ein anderer Durchmesser? Ich schätze, ich habe beim Kauf den Mund zu voll genommen … 😉

Wir wohnen zum Glück nicht so, dass Nachbarn an unserer Schlafzimmerwand horchen würden. (Was auch nicht so wichtig wäre, weil ich meine, dass wir da drin den wenigsten Sex haben.) Trotzdem kann so ein Gag nützlich sein. Nicht, weil er alle Geräusche verhindern würde, denn das tut er nicht, sondern mehr, weil er mich daran erinnert, leise zu sein. Beim Spiel im Garten zum Beispiel, wie vor einigen Tagen erst, war klar, dass ich gefälligst leise sein muss, denn dort ist wirklich alles zu hören. Mit dem Gag aber war das klar und mein Mann musste mich nicht ständig daran erinnern (nur ab und zu).

Nein, ein Gag verhindert nicht, dass eine Frau (oder sub überhaupt, du weißt ja, dass das genauso für Männer gilt, oder?) keine Geräusche mehr machen kann. Sie kann quieken, hell und laut, oder stöhnen. Was sie nicht kann, ist, vernünftige Worte zu formen. Womit Mann/Dom wiederum sehr gut spielen kann, indem er zum Beispiel immer wieder etwas fragt. Frustpotential … Strafpotential!

Aber der Gag hat ja noch einen ganz anderen Zweck: Er erinnert die Sub an ihre Stellung. Ähnlich einer Fessel, eines Halsbands, eines Analhakens (wie letztes Mal beschrieben), sorgt so ein Gag dafür, dass man in die richtige Geisteshaltung kommt. Gerade wenn ich quasi aus dem Alltag heraus ins Spiel gehen soll, brauche ich so etwas. Manchmal sind da ein paar Worte genug, aber manchmal braucht es mehr. Gerade dann, wenn der Kopf noch voll ist mit all dem, was noch zu erledigen ist, mit Gedanken an Kinder, Familie, Hund, Katze, wasauchimmer, dann hilft so ein Teil, in den richtigen ’spirit‘ zu kommen.

Das vielleicht als Tipp für den/die Dom? Gerade, wenn du schon eine Weile am Vorbereiten bist, sei es gedanklich oder auch physisch, dann bist du schon längst mit dem Kopf da, wo er sein soll. Die Frau/sub aber, die eben noch mit einem Handwerker telefoniert , die Wäsche gewaschen hat oder *hier bitte beliebige Tätigkeit einsetzen*, ist nicht immer mit einem Wort dort, wo sie hingehört. Körperlich vielleicht, aber nicht immer mit dem Kopf.

Da helfen solche Spielzeuge. Leg sie langsam um, oder besser: Zeige sie, lasse die sub sehen, was sie erwartet, frage sie, ob sie das will oder nicht (auch in dem Wissen, dass sie das nicht zu entscheiden hat), mache ein Ritual aus dem Anlegen. Lass sie die Hände über den Kopf heben, die Haare hochhalten, den Kopf in den Nacken legen, sich hinknien, nur eins oder mehrere dieser Dinge tun, damit sie eine Chance hat, loszulassen, sich fallen zu lassen.

Ich verspreche dir, eine sub, die nicht an den Einkaufszettel denkt, ist spielfreudiger, ist leichter erregbar, reagiert ganz anders. Also, lieber Dom, lass dir Zeit. Nimm sie mit auf die Reise.


Und weil ich in meinem letzten Roman ja auch einen Gag verwendet habe, wenn auch einen mit einer ganz speziellen Form, gibt es heute mal wieder einen kleinen Ausschnitt aus My Body in Your Hands.

Der Knebel sorgt dafür, dass sich eine Menge Speichel bildet, den ich herunterschlucken muss. Keiner der üblichen Bälle, die ich schon oft in Shops oder Filmen gesehen habe, sondern ein kleiner Knubbel, der auf meiner Zunge liegt. Ich sauge probeweise daran. Wie ein kleiner Schwanz. Ein sehr kleiner.

Farid lacht. „Genau so ist es richtig. Saug daran. Fest. Ich will sehen, wie deine Wangen hohl werden, so fest.“

Das kann ich. Kein Problem. Ich sauge. Moment. Das Ding wird größer, wenn ich sauge. Das kann doch nicht sein. Ich probiere es noch einmal. Doch tatsächlich, es wird größer. Aber auch, ohne dass ich daran sauge. Mensch, ich bin so lahm heute! Das ist tatsächlich so ein Teil, das aufgepumpt werden kann, auch wenn es nicht rund ist.

Es dehnt sich langsam. Jetzt, wo ich weiß, worauf ich achten muss, höre ich das Geräusch, wenn Farid die Pumpe zusammendrückt und ich spüre den Schlauch, der aus dem Teil heraushängt und wohl in seiner Hand endet. Okay, mir wäre es recht gewesen, wenn ich das nicht erfahren hätte. Die Vorstellung, wie ich dastehe mit diesem Ding um den Kopf und dem Schlauch raushängend ist nicht gerade prickelnd. Nicht für mich jedenfalls.

Inzwischen liegt mir der Knebel wie ein mittelgroßer Schwanz im Mund, drückt die Zunge nach unten, nähert sich gefährlich meinem Rachen. Und wieder macht es Klick in meinem Kopf. Was, wenn er ihn noch weiter aufbläst? Was passiert, wenn ich würgen muss, was, wenn er ihn in meinen Rachen zwängt? Mir wird mit einem Schlag bewusst, dass er mich, mein Leben sogar, in der Hand hat. Er könnte mich ersticken.

Nein, kann er nicht. Meine Hände sind doch frei. Ich kann sie bewegen, kann mich wehren, kann mir die Maske vom Kopf reißen. Warum tue ich es dann nicht? Aber ich werde es tun. Sobald es zu viel wird, werde ich es tun. Noch geht es ja. Noch kann ich atmen.

„Öffne die Fäuste!“

Fäuste? Ja tatsächlich, ich habe meine Hände geballt, die Nägel pressen sich schmerzhaft in die Handfläche. Weil ich mich zurückhalten muss, damit ich nicht vorzeitig eingreife. Ich wünschte mir, er würde mich fesseln. So fest, dass ich mich nicht rühren kann. Das würde mir helfen.

Schon wieder so ein seltsamer Gedanke. Wie kann es mir helfen, wenn ich hilflos wäre? Weil ich so auch noch meinen Willen bekämpfen muss, meinen Instinkt, zu kämpfen oder zu fliehen niederdrücken muss wie einen widerspenstigen Drogensüchtigen. Verdammt. Ich ahne, dass er es mir nicht einfach machen wird.

„Vielleicht solltest du auf Hände und Knie gehen. Dann kommst du nicht auf dumme Ideen.“

Ja, das ist eine gute Idee. Die mich in eine Lage bringt, in der ich meiner inneren submissiven Schlampe endlich nachgeben kann. Und schon wieder beginnt mein Kopf sich zu wehren. Wie redest du denn von dir? Submissiv? Von mir aus. Aber Schlampe? Shit! Das geht doch eindeutig zu weit!

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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6 Responses to BDSM-Spielzeug-Dienstag – Knebel

  1. Anima sagt:

    Die Harten kenne ich gar nicht… Kann mit aber vorstellen, dass die anstrengender sind 🙈

    Und vielen Dank für den Textauszug! Schöne Szene. Ich mag deine Figuren sehr 💕

  2. Amy sagt:

    Wow, das sieht wirklich krass aus! Und vielen Dank für den tollen Textauszug, gerne mehr davon 🙂

  3. Uwe sagt:

    Deine Beschreibungen sind wie immer gefühlvoll und anregend. Ich freue mich schon auf deinen Nächsten Beitrag. 🥰 Allein dein Beitrag zum nackt Kochen. Wenn ich eine 🥕oder 🍆in der Hand habe, fallen mir die tollsten Dinge ein.
    Ich habe Hot und Dirty gelesen. Die Beschreibung deiner handelnden Personen, genial einfach brillant. Macht Laune auf mehr.💕

  4. Uwe sagt:

    Wieder ein toller Beitrag. Ich liebe deine klare und dennoch sehr bildliche Darstellung🥰. Bei dir passt einfach alles.
    Ich habe Hot and Dirty gelesen. Einfach brillant. Deine Charakterristika der handelnden Personen, genial⛓.

  5. Uwe sagt:

    Wieder ein toller Beitrag. Klar und doch einfühlsam. Bin gespannt wenn du einen neuen ausprobierst.🥰
    Ich mag deinen Schreibstill. Habe gerade Hot and Dirty gelesen. Einfach brillant. Man glaubt dabei zusein. Echt geil.💕

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