Bitte, bitte, Daddy!

Ich bin (noch) erkältet und hatte mal wieder Zeit, mich einfach treiben zu lassen. Schreiben geht in diesem Zustand nicht. Hören gerade noch, aber das intensive Hören, das die Kontrolle meines Hörbuches erfordert, geht auch nur begrenzt. Also habe ich vor dem PC gehockt und bin in die Tiefen des Internets abgetaucht.
Beim Surfen bin ich wieder einmal auf eine Menge Zeug gestoßen, in dem das Wort „Daddy“ vorkommt. Nicht von Kindern gesagt, sondern von Erwachsenen, wie ihr euch vielleicht schon gedacht habt.
Deshalb muss ich jetzt einfach mal was rauslassen:
Ich habe eine extreme Abneigung gegen das Wort und auch gegen die Geisteshaltung, die dahinter steckt.
Ich bin kein Kind. Schon lange nicht mehr. Ich hatte einen Vater, den ich sehr geliebt habe. Ich habe ihn Papa genannt, aber genauso werde ich jede Art von Kosenamen für Vater auch auf ihn beziehen: Paps, Pops, Dad, Daddy, weil ich in Englisch genauso unterwegs bin wie in der deutschen Sprache.
Mein Mann ist niemals mein Daddy. Mein Mann ist mein Dom, mein Herzallerliebster, und noch eine Menge anderer Namen, die ich für ihn habe. Ich sehe in ihm niemals einen Vater.
Ich brauche keinen Vaterersatz, nur weil ich submissiv bin, sondern immer noch einen Partner. Ich brauche niemanden, der sich um mich kümmert, als wäre ich sein „Baby“, sondern jemand, der mich wie eine erwachsene Frau behandelt. Natürlich genieße ich es, umsorgt zu werden, aber ich möchte genauso gerne umsorgen. Auch in dieser Richtung: Nicht so, wie ich es bei einem Kind tun würde. Niemals.
Und da liegt auch mein Problem. Was tut ein Daddy mit seinem Baby? Welcher Erwachsene kann sich so titulieren lassen, ohne dass in ihm Bilder entstehen von einem Kind, das er benutzt, das sich nicht wehrt, das er „liebt“, nur eben anders, intensiver – unnatürlicher?
Ich habe schon Bücher in hohem Bogen in den Müll geworfen, weil darin von Baby und Daddy die Rede war. Nein, ich mag diese Wörter nicht.
Ja, ich höre einige sagen, dass man das in den USA nicht so genau nimmt. Dort werden Mädels gerne mal Baby genannt, dort spricht man von Sugar-Daddy, wenn der Macker dem Mädel jeden Wunsch von den Augen abliest (und ihn dann mit seinen Mitteln erfüllt).
Trotzdem: mich erinnern diese Bezeichnungen an eine äußerst ungesunde Beziehung und ich mag sie absolut nicht, sondern stehe ihnen sogar voller Misstrauen gegenüber.

Wie steht ihr dazu? Ich bin gespannt, ob ihr gleicher Ansicht seid.

Foto: Quelle: Pinterest (ohne das rote Kreuz!)

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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Ein Kommentar zu Bitte, bitte, Daddy!

  1. Jäger zu Pferde sagt:

    Da muß ich nicht viel dazu sagen:

    Paßt!

    Als dominanter Teile will ich nicht als Vaterersatz dienen, es würde für mich jedwede Lust und Erotik töten. Ich kann Deine Gründe samt und sonders nachvollziehen und könnte sie gar aus der männlichen Sicht schreiben.
    Ich bin ein Verfechter der Auffassung „Es soll ein jeder nach seiner Façon selig werden“, aber deswegen muß mir noch lange nicht alles gefallen. Das kann ich dann auch mal deutlich sagen.

    Es gib darüber andere Bereiche, in denen die Toleranz Grenzen haben muß. Aber das gehört nicht hier her.

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