Dirty Dreams – wovon träumst du?

Wovon träumst du?

Ich träume manchmal von einem Überfall, von einem Fremden, der sich alles nimmt, was ich nicht freiwillig zu geben bereit bin.

Und doch ist es freiwillig, denn es ist ja mein Traum!

Rape Fantasies – ganz schwieriges Thema, weil es immer noch verurteilt wird. Angeblich soll es Männer geben, die diese Fantasien als Rechtfertigung ansehen, dass „sie es ja so gewollt hat“.

Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Was ich beurteilen kann, ist: Eine Frau darf Fantasien haben. Und sie darf fantasieren, von was immer sie will. Ob von Zärtlichkeit oder Grobheit, von einem Überfall oder von einem romantischen Date. Beides ist für manche Frauen genauso unerreichbar, genauso fantastisch.

Eine ganz andere Dimension nimmt das Ganze ein, wenn es ausgelebt werden soll. Dann kommt nämlich die große Frage des Themas BDSM ins Spiel: Wie weit kann Konsens gehen? Was bedeutet Metakonsens?

Die Definition consensual non-consent (CNC), zu deutsch einvernehmliche Nicht-Einvernehmlichkeit ist sehr abstrakt. Ich gebe also einem Partner die Erlaubnis, mir Dinge anzutun, die ich normalerweise nie zulassen würde, die nicht-einvernehmlich sind. Eine „Vergewaltigung“ gehört da eindeutig dazu.

Ich versuche zu unterscheiden zwischen Vergewaltigung und ‚Gewalt antun‘. Man kann über die Begriffe streiten, ich weiß. Für mich ist eine Vergewaltigung eben der brutale Akt, bei dem (in der Regel) ein Mann eine Frau (oder auch andere Männer) zu einer sexuellen Handlung zwingt. Gewalt antun lege ich aus als extrem harten Sex, bei dem Gewalt ausgeübt wird, der aber letztlich einvernehmlich ist. Das ist meine Vorgabe – keineswegs eine offizielle!

Kann ich tatsächlich einem Menschen zugestehen, dass er mit meiner Einwilligung über meine Grenzen geht? Dass er ein Szenario mit mir ’spielt‘, das nichts von einem Spiel an sich hat, sondern so ernst ist, dass es schwere psychische Schäden hervorrufen kann?

Rational behaupte ich: Nein. Eben genau aus dem Grund, weil ich die Folgen nicht abschätzen kann. Woher soll ich wissen, wie sehr es mir schadet? Niemand kann das vorhersehen. Auch kein erfahrener Dom.

Emotional sage ich: Ja. Ich habe Vertrauen. Vertrauen in meinen Partner, der mich sehr gut kennt, der weiß, wann er abbrechen muss, selbst wenn ich kein Safeword verwende, weil ich dazu gar nicht in der Lage bin (emotional oder physisch).

Das Spiel mit NonCon, mit Rape Fantasies, mit Metakonsens ist nichts für Anfänger, das steht fest. Ich kann nur dringend davon abraten, es mal mit einem Fremden zu versuchen oder mit einem Partner, mit dem ich erst ein paar Treffen hatte. TUT ES NICHT!

Es gibt Möglichkeiten, wie man dem Ganzen nahekommen kann, wenn man es denn ausleben möchte. Durch das Einbeziehen von ‚Raufen‘ (erotic wrestling) in eine Session. Dieses Spiel bringt den Aspekt des Unterwerfen-Werdens in körperlicher Hinsicht ins Spiel. Allerdings sollten hier die Regeln vorher festgelegt sein! Beide Partner sollten die Möglichkeit haben, das Spiel mit einfachen Mitteln abzubrechen – auf den Boden klopfen/Safeword oder ähnliches.

Noch einmal: Es ist in Ordnung, Rape Fantasies zu haben, von dem Überfall und dem Gewalt-antun oder dem Opfer-sein zu träumen. Das ist nicht verwerflich. Kein bisschen.

Nicht in Ordnung ist es, diese Fantasien als Entschuldigung zu nehmen für nicht-einvernehmliche Sessions ohne Absprache.

Warum beschäftigt mich das? Nicht nur, weil ich hin und wieder davon träume – übrigens ganz unterschiedlich: mal monatelang gar nicht, dann habe ich eine Phase, in dem es häufig der Fall ist, dann verschwindet das Bedürfnis/der Wunsch wieder.

Aber ich habe es zum Thema in meinem neuen Roman gemacht: Dirty Dreams. Auch die Scham, die viele Frauen empfinden, wenn sie von ’so etwas‘ träumen. Die Art, wie das Paar in meinem Buch das Ganze löst, ist allerdings nicht zum Nachmachen gedacht, sondern nur als Anregung für Träume und Fantasien. Das habe ich im Nachwort ganz deutlich gemacht.

Im Vorwort (und im Klappentext) gibt es außerdem eine Triggerwarnung: In Dirty Dreams geht es um consensual nonconsent, zu deutsch einvernehmliche Uneinvernehmlichkeit. Opfer von sexualisierter Gewalt könnten getriggert werden.

Die Ausführung im Buch ist noch ausführlicher. Ich finde das ganz wichtig, auch für (mögliche) Sessions mit dem Thema Rape Fantasies: Bitte redet miteinander. Für Subs gilt: Das ist nicht der Punkt, an dem vergrabene oder unterdrückte Erinnerungen an sexuelle Übergriffe verschwiegen werden dürfen. Für Doms: Bitte prüft, woher eure Sehnsüchte kommen und hakt bei Sub nach, ob es irgendwann mal zu Übergriffen gekommen ist. Bitte verzichtet dann auf solche Spiele, denn dann sind die Folgen nicht absehbar.

Wenn ich sage, dass es zu einem Absturz kommen kann, klingt das viel zu soft. Es geht dann nicht um etwas, das mit Schokolade und einer Kuscheleinheit wieder gutgemacht werden kann, sondern um so heftige Sachen, die dauerhaft schaden können.

Deshalb sage ich es noch einmal, weil man das gar nicht oft genug sagen kann: CNC/Rape Fantasies/NonCon oder Metakonsens, wie immer ihr es nennt, ist kein Spiel, das man ‚mal eben‘ einbauen kann!

Zum Fantasieren geeignet ist allerdings mein Roman Dirty Dreams. Hier gibt es einen kleinen Ausschnitt:

Fairy, beginnt das Schreiben. Mein Pseudonym, unter dem ich meine Geschichten schreibe, die ausschließlich für mich gedacht sind, lautet Fairy Tale. Ammenmärchen. Ich schreibe Fantasiegeschichten. Nicht Fantasy, sondern Fantasien. Von einer erwachsenen Frau für eine erwachsene Frau. Mich.
Das, was in der Mail steht, ist allerdings nicht meiner Fantasie entsprungen.

Fairy,
deine Geschichten gefallen mir. Ich habe sie genossen, Nacht für Nacht, Tag für Tag.
Manche habe ich zwei- oder dreimal gelesen, andere vielleicht hundertmal. Ich habe mir vorgestellt, wie du daliegst, unter mir, bebst und zitterst wie deine Heldin – oder sollte ich sagen: das Opfer? – es tut. Wie du mit angstvollen Augen zu mir aufsiehst, während du dein Schicksal erwartest, vordergründig fürchtest, aber insgeheim herbeisehnst.

Entsprechend reagiere ich auch. Sehr real. Mit Herzklopfen und Schnappatmung.
Es gibt nur eine Lösung für das Rätsel. Der Einbrecher hat meinen Laptop nicht bereinigt und verkauft, sondern er hat ihn behalten. Und alles gelesen, was ich geschrieben habe. All meine Fantasien, nur für mich gedacht, nie veröffentlicht, nie jemandem gezeigt, nicht einmal Thomas. Zu meinem Vergnügen, meinem sehr heimlichen Vergnügen, waren sie gedacht, nie für die Augen eines anderen.


Zu bekommen ist Dirty Dreams als E-Book vorerst nur bei Amazon, kostenlos für KU-Abonnenten. Das Taschenbuch gibt es bald in allen Shops.

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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5 Antworten zu Dirty Dreams – wovon träumst du?

  1. Nika sagt:

    Ich bin da vollkommen deiner Meinung!
    Muss jedoch auch sagen, dass es vermutlich Momente gibt, in denen Träume so stark präsent sind, dass man jegliche Zweifel, Ängste, logisches Denken ablegt, nur um diese endlich erfüllt zu bekommen. (Unabhängig jetzt von CNC – ich meine generell)
    Mein Verstand, mein Wissen, meine Erfahrung sagt mir: niemals mit einem neuen Dom, den ich nur kurz kenne usw … Aber in solchen Momenten, schaltet der Verstand aus.
    Du kannst es vorher x-Mal durchgekaut haben, vorgepredigt … Hormone sind einfach die stärkste Waffe, die sich viel zu oft gegen einen stellt. 😉

    Nichts destotrotz, ist und bleibt es definitiv gefährlich. Und man kann nur hoffen, dass Unerfahrene dann doch irgendwie „schiss“ kriegen und nicht unüberlegt handeln.
    Das gilt natürlich auch für den Dom! Leider gibt es immer wieder „Dumm-Doms“, die unerfahrene Subs ausnutzen und den großen Boss raushängen lassen wollen.

    Gerade in der jetzigen Zeit, ich merke vermehrt, dass plötzlich „alle“ auf BDSM stehen und im Endeffekt 0,0 Ahnung davon haben.

    Deine Story ist übrigens hammergeil. 5 ⭐⭐⭐⭐⭐ von mir.

    • margauxnavara sagt:

      Nika, du hast recht: Manchmal übernimmt die Sehnsucht oder die Lust, der Verstand tritt zurück.
      Ich weiß, dass ich nichts wirklich verhindern kann, trotzdem hoffe ich, dass vielleicht eine Frau in einer solchen Situation lieber Nein sagt, weil sie sich an diesen Beitrag erinnert oder an die tausend anderen, die es dazu schon im Netz gibt …
      Danke für das Lob! 😊

      • Nika sagt:

        Ich finde die Warnung absolut toll!!!! Du hast dir definitiv nichts vorzuwerfen.
        Du hast alles richtig gemacht.

        Na hey, Ehre, wem Ehre gebührt. 😉

  2. Jäger zu Pferde sagt:

    Liebe M.!
    Ich bin geschockt, über die entsetzliche Phantasie, diesen Trainer in Dortmund zu sehen – da gefriert mir das Blut in den Adern.
    Glücklicherweise erweckt Deine Geschichte sehr schnell dieses Blut wieder zum Leben, bringt es gar gehörig in Wallung.
    Quintessenz:
    1. Man sollte sich seine Wünsche erfüllen.
    2. Ein sehr gelungenes Buch!
    Sicher nicht für jeden etwas, aber wer es nicht gut finden sollte, der muß es ja nicht lesen, er wird von Dir vorher ausdrücklich darauf hingewiesen.

    • margauxnavara sagt:

      Lieber Jäger zu Pferde,
      diese Idee sollte ja auch besonders abschreckend sein 🤣 Schließlich geht es hier um BDSM, da sind ein paar Qualen wohl Pflicht!
      Herzlichen Dank für Deine Quintessenz, die für mich so positiv ausfällt.
      Ja, der Hinweis ist hier unumgänglich.
      Danke Dir!

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