Don`t lie to me – Ehrlichkeit in einer BDSM-Beziehung

Drei Eigenschaften sind essenziell im BDSM. Über Kommunikation und Vertrauen wird oft gesprochen. Nicht so oft wird über den dritten Punkt gesprochen: Ehrlichkeit.

Eine Selbstverständlichkeit, meinst du?

Nein, leider nicht.

Ich bin schuldig. Auch ich war manchmal nicht ehrlich. Ich habe in einer BDSM-Session nicht ums Aufhören gebeten, obwohl ich schon an der Grenze war oder leicht darüber hinaus. Ich habe kein Safeword gesagt, habe nicht kommuniziert, dass ich genug habe. Weil ich eine gute Sub sein wollte, weil ich meinte, dass ich das nicht tun dürfe als Sub.

Hier geht es nicht um die Kommunikation, sondern alleine darum, dass ich meinem Dom gegenüber nicht ehrlich war.

Bei manchen Subs (leider betrifft es vorwiegend die) fängt das aber schon viel früher an. Sie sind nicht ehrlich bei der Aufzählung ihrer Wünsche, ihrer Vorstellungen. Warum? Weil sie sich so sehr einen Dom wünschen, dass sie bereit sind, dafür auch Kinks und BDSM-Praktiken in Kauf zu nehmen, die sie eigentlich nicht anmachen oder die sogar zu ihren Limits gehören. Gerade submissive Menschen wollen gefallen, wollen nicht als nörgelnd, bestimmend, dominant rüberkommen und verfallen in einen braver-Hund-Modus, in dem sie auf alle Signale achten, die Dom aussendet und entsprechend reagieren.

Für Doms ist das wichtig zu wissen.

Sorry, ich habe kein Geheimrezept, wie man dieses Verhalten durchschauen kann. Ich kann nur davor warnen, denn es ist leider weit verbreitet. Vielleicht bei Neulingen mehr als bei alten Hasen, aber auch da – wenn die Suche nach einem Dom lange erfolglos war und sehnlichst eine harte Hand gewünscht wird.

Das ist die eine Seite, das ist das Problem bei den Vorgesprächen zu einer BDSM-Beziehung – die hoffentlich stattfinden.

Danach kann es in jeder BDSM-Session zu Lügen kommen. Wie ich selbst es schon erfahren habe. Eine abgetauchte Sub, im Subspace oder auch in der Phase davor, wird kaum ihr Safeword sagen oder ums Aufhören oder eine Pause bitten, weil sie es vielleicht gar nicht mehr kann. Aber viel schlimmer sind diese Situationen, in denen Sub gefallen will, gehorchen will. Um jeden Preis. Sogar um den Preis der Unehrlichkeit, obwohl diese auch einem Vertrauensbruch gleichkommt.

Ich finde, das sollte in Vorgesprächen zu einer BDSM-Beziehung oder auch nur einer BDSM-Session mit geklärt werden. Und es sollte jedem Teilnehmer bewusst sein, dass es nur funktionieren kann, wenn beide ehrlich sind. Denn ja, auch Doms wollen gefallen, wollen Sub befriedigen, ihr/ihm das geben, was sie/er will.

Bitte tut es nicht! Grenzen überschreiten ist machbar und kann sehr viel Spaß bringen, aber nicht so. Erfahrene Doms wissen, dass man Limits im BDSM nicht mit einem Riesensprung überschreitet oder einfach niedertrampelt. Man tastet sich heran. Langsam. Vorsichtig. Subs sollten das auch wissen, sollten begreifen, dass man mal etwas ausprobieren darf, dass es ein Leben jenseits der Limits gibt, aber diese nur dann überschritten (oder besser: gedehnt) werden dürfen, wenn beide damit einverstanden sind. Beide! Nicht einer alleine!

Womit wir wieder bei der Kommunikation wären. Und beim Vertrauen.

Es ist ein bisschen wie Glaube, Liebe, Hoffnung … Sie gehören zusammen, eines alleine genügt nicht, zwei sind schon gut, aber nur, wenn alle drei zusammenkommen, wird es eine erfüllende und liebevolle Partnerschaft, wie sie auch im BDSM gelebt werden kann, auch wenn die Liebesbeweise für Außenstehende nicht immer nach Liebe aussehen.

Also: Bitte kommuniziert eure Wünsche schon vor Beginn einer BDSM-Beziehung!

Es sind schon nicht-kinky-Ehen daran zerbrochen, dass zwei sich nicht abgesprochen haben über Kinderwünsche, die Frage, ob Haus oder Mietwohnung, über die Kompatibilität von Urlaubswünschen und dem Trieb nach Sport. Wenn man da jetzt noch das weite Feld der Kinks, Fetische und BDSM-Praktiken obendrauf packt, ist klar, wie wichtig Ehrlichkeit in einer BDSM-Beziehung ist.

Trägt ein Partner über Jahre einen speziellen Wunsch mit sich herum, den sie/er nicht eingestehen will, bildet also eine Lüge oder zumindest Unehrlichkeit die Basis, dann wird das früher oder später nach oben kochen und die Atmosphäre vergiften. All jene, die eine Beziehung ohne BDSM führen/führten, weil sie diese Sehnsucht unterdrückten, wissen, wovon ich rede …

Ja, es ist schwer, solch ein Thema anzusprechen, aber es geht. Gerne mache ich dazu noch einen Beitrag, wenn es gewünscht wird. Wie immer freue ich mich über eure Kommentare zum Thema!


Wer ein Buch lesen will über unterdrückte Wünsche und Unehrlichkeit in einer Ehe, dem lege ich Dirty Dreams ans Herz. Denn da geht es genau darum. Eine Frau, die ihre Wünsche ihrem Mann nicht mitteilt. Und er? War er immer ehrlich? Das erfahrt ihr, wenn ihr das Buch lest (als E-Book bei Amazon, als Taschenbuch in allen Shops).


Foto: enastasiam@depositphotos.com

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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2 Antworten zu Don`t lie to me – Ehrlichkeit in einer BDSM-Beziehung

  1. martin sagt:

    Oh, je, da hast Du aber ein schwieriges Thema gewählt.
    Eigentlich wollte ich zu Deinem vorhergehenden Beitrag etwas schreiben.
    Jetzt, wo ich das hier gelesen habe, war mein erster Gedanke, das könnte zu einer gewissen Verunsicherung beitragen.
    Denn Paare, die am Anfang einer BDSM-Beziehung stehen, sind doch auf die Reaktion des Gegenübers angewiesen und versuchen auf die Signale zu hören, die einem sagen könnten, bitte weiter, es ist so wunderbar, oder bitte stopp, es ist mir zu viel.
    Es wird ein erfühlen, ertasten, probieren und es nimmt eine Entwicklung auf, die hoffentlich schön und erfüllend für beide werden kann.
    Und gerade am Anfang will man ja ausprobieren. Es fällt einem schwer, dass klar zu kommunizieren, weil man es ja möglicherweise noch nicht so genau weis, wo die Reise hingeht und was beiden viel Spaß macht.
    Ich bin nicht so naiv, um zu glauben, es wird schon schön, und wenn Dom denkt und sagt, das Leben ist kein Ponyhof, und Sub immer mehr auf die Knie geht (im übertragenen Sinn), dann werden Lügen zu Kröten, die man schlucken muss.
    Klar muss man kommunizieren, was man nicht will, z.B. ich will kein KV, Sekt oder so etwas, klare Ansage ist wichtig.
    Auch nichts zu sagen kann Unwahrheit sein. Und das fällt manchmal auch sehr schwer.
    Ich meine, auch zu viele Worte können einmal eine Wand hochziehen, die einen eher trennen kann. Oder man hat Angst alles zu zerreden.

    Du merkst es sicherlich, auch ich habe kein Patentrezept.

    Wenn es gelingt, dem anderen zu geben was er/sie mag und es zusammen zu erleben, dann braucht es manchmal gar nicht so vieler Worte.

    Und würde gerne deinen Beitrag mit einem einzigen Wort ergänzen.
    Und das Wort heißt »Achtsamkeit«
    Du hast es einmal so wunderschön beschrieben in Deinem Beitrag
    »Manchmal will ich ….«

    Lieben Gruß
    martin
    ps: ich hoffe die vielen Buchstaben passen in diesen Kommentar-Kasten

    • margauxnavara sagt:

      Lieber Martin, dass ich Achtsamkeit als extrem wichtig ansehe, weißt du. Aber gerade bei ersten Treffen kann Dom nie Sub genau lesen, das lernt man erst mit der Zeit. Dom kann gar nicht wissen, auf welche Zeichen er achten muss. Gerade Neulinge neigen dazu, sich zu überschätzen/zu viel zu wollen, haben Angst davor, als zu soft oder uncool rüberzukommen und sagen dann lieber nichts. Das ist nicht gut!
      Sorry, ein Patentrezept gibt es nicht, da hast du recht. Gesunder Menschenverstand wäre da vielleicht hilfreich. Bauchgefühl. Menschenkenntnis. Aber das alles wird zu oft überdröhnt von Hormonen und wilden Wünschen …

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