Erotisches Schreiben

Hallo liebe Blogleser,

unter meinen Followern sind auch einige Autoren. An diese sowie an alle, die gerne schreiben, richtet sich diese neue Seite.

Ich möchte euch Schreibtipps geben, und zwar – wie nicht anders zu erwarten – Tipps für erotisches Schreiben. Ansprechen möchte ich nicht nur Autoren von erotischen Romanen, sondern jeden, der gerne schreibt.

(Anm.: Wenn ich „Autoren“ sage, meine ich damit weibliche und männliche Schreiberlinge, genauso wie ich mit „Leser“ männliche und weiblicher Leser meine. Auch sind meine Beispiele in der Regel aus Sicht einer Frau geschrieben mit einem männlichen Partner, trotzdem kann man alles auch auf jegliche andere Konstellation beziehen. Ich vermeide nur das Anhängsel „-Innen“ oder ähnliche Wortschöpfungen, die mich aus dem Lesefluss holen.)

Bei jedem Schreibtipp werde ich auch eine Aufforderung formulieren, nun selbst Stift und Papier oder PC und Tastatur in die Hand zu nehmen. Nur wer übt, lernt etwas!

 

 

Die Sinne

Einen Punkt, den viele Autoren nur vage streifen, sind die Sinne. Sex ist mehr als rein und raus, mehr als Nacktsein und Orgasmen.

Stelle dir doch einmal diese Fragen:

Was fühlst du, wenn du einen nackten Körper betrachtest? Denkst du nur daran, ihn anzufassen oder möchtest du schauen, riechen, schmecken?

Wir suchen uns nun einen dieser Sinne aus und konzentrieren uns nur darauf.

 

Das Hören

Wir beginnen mit dem Hören, ein Sinn, der sich bei vielen Sexszenen nur auf das Stöhnen der Partner beschränkt. Da ist aber noch so viel mehr:

Du kannst hören, wie lange Haare über die Haut streichen, ein ganz leises Rauschen. Bei der Berührung eines behaarten Männerbeins entsteht eher ein Knistern.

Man hört den Atem des anderen, laut oder leise, keuchend oder stöhnend, ein scharfes Einatmen, ein Pusten, Hauchen, vielleicht das Schnappen nach Luft wie beim Gähnen oder nach langem Luftanhalten/Würgen.

Ein erregter Mensch kann schnaufen, schniefen, röcheln, grunzen, japsen, quieken.

Oder hörst du das Knacken der Knochen? Das Klimpern von Schmuck, das Klacken von Zähnen aufeinander, ein herzhaftes Gähnen (hoffentlich erst hinterher)?

Dazu kommen dann all die Geräusche, die man beim Sex macht – das Quatschen (mit langem a gesprochen, lt. Duden ein dem Klatschen ähnliches Geräusch hervorbringen) von feuchten Körpern aufeinander, auch festes Klatschen von Bauch auf Hintern, Schmatzen beim Eindringen oder Fingern, wenn noch mehr Feuchtigkeit hinzugekommen ist.

Und für alle, die gerne Schlaginstrumente verwenden, eröffnen sich noch viel mehr Möglichkeiten. Das Auftreffen könnte man ebenfalls als Klatschen bezeichnen, aber schon vorher hört man das Zischen beim Schwingen (eines Rohrstocks oder Paddels), dann wieder das Seufzen des Getroffenen beim Aufprall mitsamt all den Schrei- und Stöhngeräuschen. Oder hörst du eher das freudige Lachen, das einem ersten Schlag folgen kann? Du Glücklicher!

Wie steht es mit dem Klappern von Kettengliedern, dem Reißen des Slips, dem Ratschen beim Schnitt durch das Seil, das Kratzen von Fingernägeln auf der Bettwäsche?

 

Für alle diese Dinge gilt, dass man niemals eine Szene nur auf einen Sinn beschränken, sondern von allen Sinnen kleine Happen verwenden sollte. Die weiteren Sinne werde ich in weiteren Beiträgen aufgreifen.

Für heute lautet die Aufgabe an dich: Suche dir ein Geräusch aus, das dir beim Sex auffällt. Formuliere einen Satz oder eine kleine Szene rund um dieses Geräusch.

 

Hier kommt mein Beispiel:

Meine Knie schmerzen, aber nicht nur sie. Die hinter meinen Rücken gebundenen Ellbogen senden einen scharfen Stich, der bis in die Schultern reicht. Doch dann ist alles vergessen.

Das Ratschen klingt laut, durchdringt sogar das Rauschen in meinen Ohren. Versprechen und Drohung in einem, auf jeden Fall aber Garant für bessere und weitaus erfüllendere Schmerzen.

Zähnchen für Zähnchen gleitet der Reißverschluss nach unten, jedes feine Knacken bringt mich dem Ziel einen Millimeter näher. Dort, hinter diesen Metallzähnen, liegt meine Erlösung. Das Geräusch sorgt für Feuchtigkeit, zwischen meinen geschwollenen Schamlippen dringt noch mehr Nässe hervor, die ich brauchen werde, um seinen Penis aufzunehmen, groß und dick wie er ist. Ich brauche nicht zu sehen, wie seine langen, eleganten Finger den Schieber gepackt halten. Ich kann es hören. Es durchdringt mich, lässt mich beben, zittern, hoffen.

Gleich. Gleich ist es soweit. Er wird sich in meine Öffnung bohren, wird mich dehnen, mich füllen bis zum letzten Zentimeter. Seine Härte wird mir erst ein wenig Schmerz bringen und dann unermessliche Lust.

Stille. Ich halte meinen Atem an, damit ich jede Bewegung hören kann. Wird er mich packen und grob auf das Bett werfen oder mich zärtlich ablegen?

Er hat anderes im Sinn. Etwas Warmes und Weiches berührt meine Lippen, sein Geruch steigt mir in die Nase. Das Pochen meiner Klit wird so heftig, dass ich es zu hören meine, der Herzschlag meines Geschlechts.

 

Upps, nun ist es doch mehr geworden als nur ein Absatz! Ich hoffe sehr, dass es euch auch so geht. Lasst euch hinreißen, schreibt mit der gleichen Leidenschaft, die ihr beim Sex aufwendet, dann werden auch eure Leser diese Leidenschaft spüren!

Eure

Margaux

 

Und wer mag, darf gerne seine Textprobe als Kommentar posten. Vielleicht habt ihr Lust, darüber zu diskutieren?

Eine Antwort zu Erotisches Schreiben

  1. Pingback: Erotik schreiben | Margaux Navara

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