Guter Schmerz, schlechter Schmerz

Schmerz? Ja, schon, aber auch guter Schmerz?

Nur ein masochistisch veranlagter Mensch kann vermutlich verstehen, was ich mit gutem Schmerz meine. Und es geht hier nicht um den Vergleich von einem angestoßenen Ellbogen-Schmerz zu Lustschmerz.
Nein, nur um Schmerz im Spiel, in der Szene, dort, wo er hingehört. Wo ich ihn haben will.
Und schon sind wir beim Kern des Problems.
Es gibt solche Tage … warum sie anders sind, kann ich gar nicht so genau sagen. Aber sie sind definitiv anders. Wenn dann das Kommando kommt „Beug dich vor! Arsch raus!“ falle ich nicht automatisch in den Sub-Status, bei dem mein Hirn blank wird, meine Muschi nass und alles gut ist. Ehrlich gesagt, passiert das eher selten bei diesen Kommandos. Ich brauche nämlich immer eine Weile, bis mein Hirn umschaltet. Mein Körper ist da erheblich schneller. Schmerz? Dann wird Lust folgen! Also: Produziere Feuchtigkeit, erhöhe die Temperatur, die Atmung, den Herzschlag. Mit einiger Verzögerung folgt dann das Hirn und übernimmt. Oder schaltet sich aus? Keine Ahnung. Wahrscheinlich Letzteres.

Dann sind da diese Tage, an denen der Kopf einfach nicht ruhig sein will. An denen ich mich noch so sehr anstrengen kann, es funktioniert nicht. Jeder Schlag, egal ob mit der Hand oder mit einem Instrument, tut weh. Das erstaunt mich immer wieder, dass ein und dieselbe Handlung doch so unterschiedliche Auswirkungen haben kann.
Wieso? Was macht mein Hirn mit mir, wenn ich umschalte? Sicher gibt es da Chemiker oder Ärzte oder einfach SM-Forscher, die mir das jetzt genau erklären könnten. Aber ich will gar nicht wissen, welches Hormon was bewirkt, weil ich diese Hormone, oder was auch immer das auslöst, ja nicht steuern kann.
An diesen Tagen würde ich am liebsten Nein schreien, möchte mich den Schlägen entziehen, möchte fluchen und protestieren. Aber tatsächlich tue ich es nicht, verwende weder mein Safeword noch breche ich die Szene ab.
Warum? Schwierig. Weil ich hoffe, dass es doch noch kommt? Weil ich es aus Erfahrung weiß? Weil ich meinen Mann nicht enttäuschen will? Oder ist es einfach Dummheit oder Sturheit?

Vor kurzem war es so.

Ich empfand den Schmerz nur als unangenehm. Ich habe nicht abgebrochen. Mein Mann hat es selbst gemerkt, er hat dann aufgehört. Aber auch er hat die Szene nicht endgültig abgebrochen. Nur anders weitergeführt.
Sicher ist das dieser Zauber, den man nur als Paar haben kann, das sich schon lange kennt und sehr gut aufeinander eingespielt ist. Wofür ich extrem dankbar bin.
Was wir dann gemacht haben? Gekuschelt. Ja, genau. Extrem anti-BDSM-mäßig einfach gekuschelt. Und wisst ihr was? Irgendwann war es gut. Irgendwann war ich bereit für Schmerz. Auch das hat er gemerkt.
Ein paar Schläge mit der Gerte zwischen meine gespreizten Beine, ja, genau, auf den empfindlichsten Punkt überhaupt, und ich war kurz vorm Kommen. Ich durfte da noch nicht, aber ich schwöre, noch ein Schlag mehr, und ich wäre im 7. Himmel gewesen. Na ja. So ist er halt. Ich war dann später noch im Himmel, sogar mehrfach. Weil ich wieder in der richtigen Spur war. Zumindest in der Spur, in der unsere Spiele einfach nur gut sind, in der sie mich auf das Körperliche reduzieren und ich meinen Alltag, alle Problemchen, alles Nachdenken einfach sein lasse.

Merke: Er kann das. Nur ich kann es manchmal nicht. Zumindest nicht gleich. Aber später.

Sorry, ich schätze, das ist alles nicht sehr eloquent. Aber es musste raus …

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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2 Kommentare zu Guter Schmerz, schlechter Schmerz

  1. Jäger zu Pferde sagt:

    Der letzte Satz liest sich so, als hättest Du Dich quälen müssen, das zu schreiben.
    Ich erachte es aber als sehr wichtig, einmal aufzuzeigen, auch in einer BDSM Beziehung gibt es hin und wieder Haken und Ösen, die bewerkstelligt sein wollen.
    Wenn dann die Auflösung so schnell, nebenbei im siebten Himmel endet, ist das eine schöne Belohnung.
    Ich fasse den Text als Mutmacher für die Leser auf, dranzubleiben, wenn es mal nicht so läuft. Den Partner zu erspüren, was sicher nicht immer eine leichte Aufgabe ist.
    Daher ein Dank für Deine Offenheit und der möglicherweise erlittenen Qualen beim Schreiben. Wenn dem so sein sollte, sei gewiß, es hat sich gelohnt.

    • margauxnavara sagt:

      Ich weiß nicht, ob quälen das richtige Wort ist … Ich hatte eher das Gefühl, dass ich meine Leser da mit etwas belaste, was vielleicht nur mein persönliches Problem ist. Wollen sie das von mir lesen? Inzwischen habe ich einige Rückmeldungen erhalten, dass es nicht nur mir so geht und dass es oft nicht einfach ist, abzuschalten. Genauso aber auch für den Dom, zu erspüren, ob etwas und was dann falsch ist. Nicht einfach, wenn Sub nicht mithilft. Ja, dranbleiben, kommunizieren, einfühlen, ist sicher der richtige Weg.
      Es fällt mir nicht leicht, so offen zu sein, auch wenn es manchmal anders erscheint, deshalb freut mich um so mehr, dass es positiv aufgenommen wird.

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