Welche Art Sub bin ich eigentlich?

Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Kennst du diese Frage? Sie trifft übrigens gerade im Bereich BDSM den Nerv. Wer bist du? Wie viele Rollen spielst du?

Oh, ich höre schon den Aufschrei: Ich spiele keine Rolle! Niemals! Ich lebe das! Immer!

Ich weiß *hier tiefen Seufzer denken*. Glückwunsch, wenn es so ist, wenn du dein passendes Gegenstück gefunden hast. Aber wie bist du dahin gekommen? Hast du mit den Fingern geschnipst und warst am richtigen Platz? Vermutlich nicht.

Dies ist ein Tipp für Anfänger im Bereich BDSM. Für Subs, die suchen. Sich suchen, ihren Kink suchen, vielleicht einen Herrn suchen. Die anderen, die alles schon wissen, brauchen das nicht zu lesen.

Zurück zum Thema, liebe BDSM-Einsteigerin-Sub-Kink-Sucherin.

Du hast Bücher mit BDSM-Szenen gelesen? Meine und andere? Du hast Filme angeschaut? So was wie Secretary, also einen, in dem mehr passiert als in 50SoG, oder Emma Marx? Du bist auf Youtube unterwegs und auf den Schattenzeilen und bei Fetisch.de und was weiß ich wo noch und schaust Filme und Fotos an?

In all diesen Medien gab es Szenen, die dich angesprochen haben. Manche mehr, andere weniger. Von manchen warst du abgestoßen, andere haben dich geil gemacht. Und manche beides.

Was davon willst du? Was erwartest du von einem Partner?

Wenn du jetzt antwortest: Ihm gehorchen, weil er ja weiß, was er tut – dann bist du genau diejenige, die diesen Beitrag bis zum Ende lesen sollte.

Denn: nein, das ist nicht der richtige Weg. Der Dom (übrigens sind alle Gender hier austauschbar, ich schreibe wie immer M/f als Beispiel) hat seine eigenen Vorstellungen, seine eigenen Wünsche. Ob die auch deine sind? Kann man herausfinden, ja. Aber niemals sollten seine Wünsche auch deine sein, nur weil es seine sind. Weißt du, was ich meine?

In Hunters Liste – Bezwungen spiele ich auf die Teegesellschaft aus Alice im Wunderland an (das Buch, nicht der Film). Dort sagt der Märzhase: „Du könntest auch behaupten, ‚ich mag, was ich kriege‘ sei dasselbe wie ‚ich kriege, was ich mag!‘“

Nein, ist es nicht. Du sollst nicht mögen, was dir jemand zuteilt, nur weil er es zuteilt. Du KANNST es mögen, klar. Aber du MUSST es nicht mögen. Du sollst das kriegen, was DU magst. Du willst doch erst einmal DEINE Wünsche erfüllen, oder?

Wie das mit den Wünschen des Doms ist, darauf komme ich später. Denn gerade am Anfang geht es nur um diesen Punkt: Was magst DU? Was willst DU?

Um das herauszufinden, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Du liest und schreibst gerne? Dann hol dir eine Kladde oder eine Notizapp auf deinem Handy, und immer, wenn dir eine BDSM-Szene in einem Buch oder einer Story besonders gut gefällt, sie dich richtig anspricht, du atemlos und erregt zurückbleibst, schreib sie in diese Kladde oder in die App. Alle, ohne weitere Wertung. Keine Moral, kein Darf-man-das, kein Sollte-ich-nicht-mögen.

Bist du der visuelle Typ? Dann mach das Gleiche mit BDSM-Szenen in Filmen oder Fotos. Mach ruhig einen Screenshot, merke dir die Stelle im Film, die dir gut gefallen hat. Diese eine Stelle, an der du dir wünschst, in der Rolle der Sub zu sein. Du kannst Fotos ausdrucken oder sie einfach in einem privaten digitalen Album speichern, auf Pinterest oder einer App oder wo immer sie sicher sind.

Wenn du das für ein paar Wochen gemacht hast, nimmst du dir das Album/Heft und schaust nach, was dich da angemacht hat. Geht es in eine bestimmte Richtung? Ich wette! Vielleicht in mehrere? Auch gut, es gibt mehr als einen Weg.

Nun musst du noch ein wenig sortieren. Sind da Fetische oder Kinks oder Handlungen dabei, die du zwar heiß findest, aber moralisch verwerflich? Szenen, die im normalen Tageslicht echt abartig erscheinen, dir aber trotzdem die Fingerspitzen kribbeln lassen (oder andere Stellen deines Körpers)? Diese stellst du erstmal hintenan. Ich schätze, jeder von uns hat Fantasien, die besser Fantasien bleiben. Man muss nicht alles im Leben ausprobieren. Und damit meine ich nicht nur gesetzlich verbotene Fantasien, die du hoffentlich nie ausleben wirst, wie z.B. Sex mit Kindern oder Tieren oder Kannibalismus. Es gibt noch eine Menge anderer Kinks in dem riesigen Feld des BDSM, die eine gewisse Faszination ausüben, die aber nicht unbedingt nachgeahmt werden sollten, weil sie dein Leben, dein soziales Umfeld, deinen Job nachhaltig und negativ beeinflussen würden. Die sperren wir also erstmal schön in einen Käfig und verwahren sie dort. Wer weiß, ob du sie eines Tages rauslässt? Aber sicher nicht gleich am Anfang, oder?

Die anderen, die jetzt noch übrig geblieben sind, das sind deine Kinks.

Was nicht heißen soll, dass du nicht irgendwann weiter gehen, andere Dinge ausprobieren willst, dich von jemandem überreden lassen kannst oder beim Ausprobieren feststellst, dass es sich in der Realität ganz anders anfühlt (ja, Schläge tun weh!). Aber wir reden ja nicht von irgendwann, sondern von jetzt.

Wenn du nun mit einem Dom ins Gespräch kommst, vielleicht eine Liste vorgelegt bekommst oder auf einer Fetisch-Dating-Seite deine Vorlieben angeben sollst, kannst du sie einschränken auf diese Punkte.

Dann hat der Dom eine Möglichkeit, deine Kinks mit seinen abzugleichen. Denn auch er hat bestimmte Vorlieben, bestimmte Kinks, Wünsche und Vorstellungen. Diese sollten mit deinen kompatibel sein. Das müssen nicht immer alle sein. Aber es sollte eine Übereinstimmung da sein.

Deshalb ist es auch als Sub, die sich einem Dom vorstellt, wichtig, diesen nach seinen Wünschen zu fragen. Und damit kommen wir wieder zur Teegesellschaft und dem Märzhasen zurück. Falsch wäre nämlich, wenn du einen Mann siehst, den du „toll“ findest, diesen nach seinen Wünschen zu fragen und dann zu behaupten, das seien auch deine. Glaub mir, damit wird keiner von euch glücklich.

Genausowenig wie mit der Aussage: Du kannst alles mit mir machen. Bitte nicht! Niemals! Wenn du das bei einem Dom tust und er nickt nur und nimmt dich sofort als Sub an, renn weg, so schnell es geht. Dann ist er entweder noch unerfahrener als du oder er sucht keine Sub, sondern eine Dumme, die er nach Strich und Faden ausnutzen und missbrauchen kann.

Ich betone noch einmal: Hier geht es um Anfänger. Um all diejenigen, die Bücher lesen (wie meine) und nun denken: Das will ich auch.

Jeder Mensch hat ein Recht auf das Ausleben seiner Sexualtität oder die Gestaltung seiner Beziehung, aber wie das Wort „Beziehung“ ja schon sagt: in einer Beziehung geht es nicht um einen Menschen alleine, sondern um eine Verbindung zwischen (mindestens zwei) Menschen. Deshalb sollten nicht nur die Wünsche eines davon im Vordergrund stehen und die des anderen gänzlich unberücksichtigt bleiben.

Es gibt Paare, die nach vielen Jahren des Zusammenlebens alle Vereinbarungen fallen lassen, aber das liegt nicht daran, dass Sub sich aufgibt und nie wieder Wünsche äußert, sondern nur, weil beide festgestellt haben, dass sie aufeinander eingespielt sind und ihre Wünsche eben so gut zusammenpassen, dass sie nicht mehr mittels Listen oder Vorgesprächen abgeklärt werden müssen. Bis es soweit ist, muss aber eine sehr feste, innige Beziehung entstanden sein.

Alles, was davor kommt, muss besprochen, geklärt, erarbeitet werden. Vieles wird sich mit der Zeit ändern, das ist auch klar. Niemand wird Zeit seines Lebens in den Grenzen der ersten Absprache bleiben. Sei es, dass man die Steigerung sucht, den Kick, oder einfach, weil man erst durch Ausprobieren feststellt, dass ein anderer Kink doch kickt.

Oder man sich soweit verändert hat, dass in dieser Lebenssituation etwas anderes passt. Bist du niedergeschlagen und unsicher, weil du gerade Job/Mutter/Freund verloren hast, wirst du dich vielleicht als Kätzchen sehr wohl fühlen, das umsorgt wird. Sobald du wieder Boden unter den Füßen hast und Sicherheit in dieser Beziehung gewonnen hast, erscheint dir gerade das Dasein als Kätzchen eher langweilig und nicht mehr ausfüllend. Zeit zum Wechsel. Nicht unbedingt des Partners, aber auf jeden Fall der Wünsche.

Habe ich schon erwähnt, dass Kommunikation das A und O ist? Nein? Na sowas. Vielleicht weil ich davon ausgehe, dass du das sowieso schon weißt.

So, jetzt spitz den Bleistift oder lade das Handy auf, damit es losgehen kann. Viel Spaß bei deiner Entdeckungstour, bleib offen für Neues und urteile nicht zu schnell, nicht über dich und nicht über andere!

Deine

PS: Kommentare und Ergänzungen sind erwünscht, sowohl von den angesprochenen Anfängern als auch von erfahrenen Doms und Subs.

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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4 Responses to Welche Art Sub bin ich eigentlich?

  1. G H sagt:

    Vielen Dank für diesen ‚Leitfaden‘ der eigenen Wünsche. Ich konnte Sie bisher nicht in Worte fassen. Die Idee sich die Worte erstmal auszuleihen um Sie in eigene zu verwandeln ist echt toll. Das werde ich machen und mich selbst damit hoffentlich selbst besser verstehen. Und somit mich auch für andere Verständlich machen können.
    Lg

  2. Nika sagt:

    Erstmals vielen lieben Dank, für diesen tollen Beitrag. Ich bin zwar bei Weitem kein „Anfänger“ (klingt doch eigentlich bescheuert, oder) mehr, trotzdem habe ich den Beitrag aufgesaugt und genossen.
    Er deckt sich mit meiner Einstellung. Finde ihn großartig.

    So. Wie bin ich dazu gekommen? Wie wurde ich Sub?
    Jetzt, im Nachhinein weiß ich, dass ich es schon immer war, bloß nie zugelassen habe.
    Tief in mir habe ich die Finsternis in mir (ja, ich nenne es so, weil ich es so fühle und es für mich 100% positiv ist) schon immer gespürt. Ich wusste, da ist eine Tür. Jedes Mal, wenn sie sich geöffnet hat, weil mein Mann beim Sex meine Nippel bis an die Schmerzgrenze malträtiert hat und ich immer mehr wollte, mein unbewusstes ICH, habe ich die Tür fest zugedrückt und fest verschlossen.
    Immer, wenn sich das Licht der Finsternis bemerkbar machte, hab ich es zurückgedrängt.

    Ein Ereignis vor vielen Jahren hat mir dann die Augen geöffnet. Ich riss den Riegel ab, zertrümmerte die Tür. Seither bin ich die Finsternis. Ich lebe die Finsternis.
    Ich bin Sub durch und durch. Mal nur beim Sex, mal auch 24/7. Ich hab auch Vanillasex, keine Frage. Es kommt immer auf die Stimmung an, auf so vieles kommt es an. Das kann ich hier gar nicht alles anführen.
    Dem Ereignis sei Dank, dass ich mich endlich gefunden habe, dass ich MICH zugelassen und akzeptiert habe.

    • margauxnavara sagt:

      Liebe Nika, danke für deinen ausführlichen Kommentar, der hoffentlich auch anderen Mut macht, die dunkle Seite freizulassen.
      Auch bei mir hat es lange gedauert, bis ich sie als Teil von mir akzeptiert habe. Seitdem fühle ich mich vollständig.

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