BDSM – Mode oder echtes Bedürfnis?

Beim Surfen im Netz bin ich auf den Satz einer Sex-Kolumnistin gestoßen: „BDSM und ich sind so etwas wie gute, alte Freunde. Eine Zeit lang fanden wir einander aufregend und verbrachten spannende Spiele-Abende zusammen. Dann ließ mein Interesse nach.“ (Link)

Hm. Geht das so? Ist das normal oder nicht? Ist das „echtes“ BDSM oder nicht?

Abgesehen davon, dass niemand weiß, was „echtes“ BDSM eigentlich ist, sind ‚wir‘ BDSM-Ausübende jedoch der Ansicht, dass es dabei nicht um eine Mode geht. Weder angeregt von SoG noch von andern Büchern (und dem anhaltenden Trend, jeden Helden dominant zu machen) sollte man beschließen, jetzt unbedingt dazugehören zu müssen.

Ich habe es selbst so erfahren und habe es von vielen gehört: BDSM ist ein Lockruf. Die Frage ist nur: Wer erhört ihn?

Ist es wie beim Lockruf des Goldes? Werden alle mitgerissen, auch die, denen es eigentlich vorher gutging, weil sie dem Versprechen auf schnelles Geld nicht widerstehen konnten? Ist also BDSM das Heilsversprechen, das unser Sexleben einfach besser macht, das Ehen neu belebt, das IN ist und das einfach jeder machen muss?

Ich dachte eigentlich nicht. Oder sollte ich sagen: Ich fühle eigentlich nicht? Ich fühle mich nicht zu BDSM hingezogen, weil mein Sex vorher schlecht war, weil ich meine Ehe aufpeppen musste. Ja, sie wurde aufgepeppt, ja, unser Sex wurde mit BDSM besser – aber das hätte nicht funktioniert, wenn wir nicht schon die Tendenz zu dem Spiel mit Dominanz und Unterwerfung, zu Bondage und Lustschmerz gehabt hätten.

Und vielleicht kommt ja hier doch der Unterschied zwischen „echtem“ Bedürfnis und Modeerscheinung zum Tragen.

Denn ich habe BDSM nach all den Jahren noch nicht über. Ich will nicht verzichten. Kann nicht verzichten. Wenn wir eine Weile keine Session hatten, was vorkommt – einfach weil der Stress zu groß ist, die Zeit fehlt, überhaupt auch mal die Lust geringer ist – dann wächst das Bedürfnis in mir, steigert sich, beschäftigt mich, macht mich unruhig. Ein bisschen wie eine Sucht, die befriedigt werden muss. Meine Sucht nach BDSM. Mir ist dann auch egal, was mein Mann sich einfallen lässt, das überlasse ich ganz ihm (immerhin ist er derjenige, der entscheidet), aber ich bin erst zufrieden und lasse mich zufriedenstellen, wenn der Anteil BDSM dabei ist. Sei es in Form von Schmerz oder purer Unterwerfung, sei es mit Demütigung oder Bondage, Hauptsache, meine Lust auf einen meiner Kinks wird gestillt.

Diese Zufriedenheit ist eine andere als die Befriedigung, die wir nach Sex erleben. Sie geht tiefer, weil sie andere Schichten in mir berührt. Weil sie meinen Kopf mitnimmt, nicht nur meinen Körper. Weil sie meine Psyche mitfickt, wenn ich es mal so sagen darf.

Meinem Mann geht es genauso, obwohl er derjenige ist, der den Anteil von BDSM am Sex oder überhaupt an unserem Umgang miteinander auch mal ausfallen lässt. Meist, weil ihm der Kopf nicht danach steht. Nicht, weil ihm das Bedürfnis fehlt, sondern weil er nicht abschalten kann. Das ist völlig legitim und ich würde ihm das nie zum Vorwurf machen, doch wir beide merken, wenn es Zeit wird. Wir beide werden hibbelig. (Na ja, zugegeben, ich kann auch ein bisschen bratty werden – aber das gestehe ich nur hier ein, quasi unter uns.😉)

Wer also Lust hat auf das ‚Spiel‘ BDSM, kann das natürlich spielen -ich werde niemanden daran hindern. Aber ich finde, es macht schon einen Unterschied, ob man nur damit spielt, oder ob es tief in mir drin ist und raus muss.

Ich brauche es. Ich möchte nicht ohne BDSM leben, auch wenn vielleicht eines Tages der Anteil kleiner werden wird. Aber dafür gibt es ja zum Glück auch Abhilfe: BDSM geht auch im Alter noch. Ich werde vermutlich nicht mehr so lange gefesselt stehen können, brauche sicher ein Kissen unter den Knien und so manches Stöhnen wird eine andere Ursache haben – aber verzichten werden wir auf „unser“ BDSM nicht!

Wie siehst du das? Ist BDSM für dich ein Bedürfnis oder einfach eine Möglichkeit, mehr Spaß im Bett zu haben?

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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5 Antworten zu BDSM – Mode oder echtes Bedürfnis?

  1. Der Emil sagt:

    Nein, spielen kann ich das nicht …

  2. Nika sagt:

    Also, erstmal Gratulation zu diesem gelungenen Artikel.

    Ich musste bei dem Titel sofort schmunzeln, weil ich zur Zeit echt das Gefühl habe, alle wollen/müssen über BDSM reden, schreiben usw …
    Ja, ich finde, es ist im Moment ein Hype, eine Modeerscheinung. Alle wollen es, tun es, haben 0 Plan.

    BDSM ist mein Leben. Seit gut 22 Jahren. Ich würde sagen:“Mich hat der Ruf erreicht.“ 😂 (Zitat Sisteract)

    BDSM ist für mich wie ein Chamäleon. Bunt und mannigfaltig.
    Ja, wir haben auch mal „normalen“ Vanillasex. Einfach, weil uns danach ist, einfach weil es vielleicht grad passt, einfach so.
    Meistens jedoch hat unser Sex, unser Alltag immer BDSM mit im Boot. Auf alle erdenklichen Arten.
    Richtige, fordernde Sessions sind definitiv nicht Alltag, jedoch unverzichtbar, aber nicht, wie in vielen Büchern, eben mal so, und 3x am Tag usw…

    Ein Leben ohne BDSM? NEVER-EVER.

  3. Claus Lampert sagt:

    ich selber habe nicht das Bedürfnis mit BDSM zu spielen

  4. Jäger zu Pferde sagt:

    Vorweg: Bedürfnis und mehr Spaß widersprechen sich nicht.
    Ich glaube jedoch nicht, daß man es dauerhaft spielen kann, es sei denn, man macht Filme oder Fotos, da ist es unter Umständen möglich. Aber das ist Schauspielerei und hat nichts mit dem wirklichen Leben zu tun. Käufliche Dienste lasse ich daher hier bewußt ebenso außen vor.
    Ich bin daher der Überzeugung, man kann dieses Bedürfnis in einer Beziehung – welcher Art auch immer – nicht spielen.
    Ich gehe noch weiter, wer diese Neigung hat, kann es allenfalls eine gewisse Zeit unterdrücken, wenn der Partner eben nicht der dazu passende Pendant ist. Das führt allerdings über kurz oder lang zu Problemen in einer Partnerschaft. Wer es dauerhaft unterdrückt, nimmt Schaden und zerbricht daran.

    • margauxnavara sagt:

      Ich fürchte, du hast recht. Wobei ich inzwischen eine Reihe von Menschen kenne, die keine Möglichkeit haben/finden, das Bedürfnis auszuleben und sich damit abfinden, weil zum Beispiel die Liebe zum Partner zu groß ist, auch wenn er nicht Teil des Bedürfnisses werden kann oder ist. So ähnlich wie kinderlose Ehen, obwohl sich ein Partner unbedingt ein Kind wünscht. Man lernt einfach, damit zu leben.

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