Dinner for One – Oder: Miss Sophies 32. Geburtstag – Teil 2

Teil 1 gibt es hier. Den dritten Teil erhalten nur Newsletter-Abonnenten. Wer also bis Sonntag Abend nicht für den Newsletter registriert ist, muss sich leider mit seiner Fantasie begnügen.


„Miss Sophie …“ Alle schauten ihn an, warteten auf die Fortsetzung, die er angedeutet hatte. James blieb nur, das Glas anzusetzen. Es war voll, viel zu voll, aber das war sicher gut so. Jetzt war es gleichgültig. Seine Flöte würde heute Abend nirgendwo erklingen, nicht einmal in seinen eigenen Händen. Er würde verzichten, stattdessen lieber jede Szene memorieren, die er zu sehen bekäme. Da konnte er auch die Gunst der Stunde nutzen und den Champagner bis zum Grund lehren.
„Miss Sophie, you are certainly the most beautiful creature ever beheld …“
Dieser Schleimer von Winterbottom! Natürlich war sie die Schönste überhaupt, aber wieso sollte dieser Idiot das sagen dürfen? Und dann schmatzte er auch noch, was das Zeug hielt, leckte immer wieder mit der Zunge über die Lippen und gab eine Reihe von unanständigen Geräuschen von sich, die einem halb verhungerten Hund angestanden hätten.
Hund. Zunge. Oh Mann. Letztes Jahr war es Mr. Winterbottom gewesen, der mit seiner Zunge das zarte Löchlein kosten durfte. Nicht nur kosten, oh nein. Er hatte es durchstoßen, immer wieder, dabei schmatzte er genauso wie jetzt. Auf einmal verstand James, was hier passierte. Vorspiel, Anheizen, Warmlaufen! Das taten sie, und zwar alle. Auch Miss Sophie. Wie sie sich das weiße Fleisch der Brust zwischen die Lippen schob, war Verführung pur, ein Versprechen auf spätere Freuden.
Der Leutnant hatte ihr vor einem Jahr den Schwanz in den Mund gestoßen und mit militärischer Präzision gepumpt, vor, zurück, gleichmäßig wie ein Kolben, nein, wie die Soldaten beim Drill. Und nicht gerade zurückhaltend oder gar vorsichtig wie es sich für eine zarte Frau mit einem so lieblichen Mund gehörte. Nein, bis zum Anschlag hatte er sich hineingerammt, mit jedem Stoß tiefer, bis ihre Lippen sein Gewölle berührten und ihre Nase sich in die harten kleinen Eier bohrte. Immerhin hatte er ihren Mund nicht mit seinem Samen beschmutzt, zumindest da noch nicht. Schließlich wollte er sich den Stand erhalten, bis er alle Öffnungen genossen hatte, wie die anderen auch.
James war hart wie der Servierlöffel, den er noch in der Hand hielt. Es hätte nicht viel gefehlt, dann wären seine Fäuste am Griff auf und ab geglitten. Er spürte den Tropfen Fett auf der Handfläche, der daran heruntergelaufen war.
Der würde sie gut schmieren. Aber auch das schien Miss Sophie nicht nötig zu haben. Die Geräusche, oh, die Geräusche! Nicht ihr Stöhnen, das ihm wie Musik in den Ohren klang, sondern die anderen! Die feuchten, nassen Schmatzer, die jedes Mal ertönten, wenn wieder einmal einer sich in ihre Fotze bohrte!
Er zuckte zusammen. Hatte er wirklich dieses Wort in Zusammenhang mit seiner Miss Sophie gedacht? Wie konnte er? Dieses überirdische Wesen besaß keine Fotze, nur einen zarten Spalt, eine Liebesgrotte, ein … Loch. Genau. Ein Loch. Was nicht stimmte. Es waren zwei. Zwei Löcher. Genau genommen sogar drei. Sir Toby hatte das Dritte entdeckt, wie er wilde Tiere oder neue Landschaften entdeckte. Wo er das herhatte? Bestimmt von den Hottentotten gelernt.
Was neue Bilder brachte, von Sir Toby mit einem hübschen, dunkelhäutigen, zartgliedrigen Wesen, dessen Figur an Miss Sophie erinnerte, wie er sie von hinten stieß und stieß.
„James!“
„Ja, Miss Sophie!“ Diesmal sprach er nicht mit heller Stimme, sondern ganz tief, ganz rau, als wäre er selbst mittendrin in der Szene, wäre er derjenige, der dieser Frau, die gar nicht mehr dunkelhäutig war, seinen Stab in das Loch bohrte, das verbotene, hintere …
„James, Sie können abräumen. Gentlemen, wie wäre es mit Früchten zum Dessert?“
„Bieten Sie uns Ihre göttergleichen Äpfel an, Miss Sophie?“
„Dürfen wir jetzt Ihre Früchte kosten, Miss Sophie?“
„Darf ich den Saft auflecken, Miss Sophie?“
Beinahe hätte James sich angeschlossen. Darf ich sie aufessen, Miss Sophie? Sie abschlecken, anknabbern, lutschen, beißen? Zur Not wäre er damit zufrieden, von ihr zu trinken, wenn sonst nichts für ihn abfiel.
Zum Glück musste er nur die Obstschale servieren, nachdem die Teller abgeräumt waren. Jedem Einzelnen ein ausgesuchtes Obststück aufzulegen, hätte seine Kräfte überschritten. Obwohl, für Miss Sophie hätte er zu gerne jedes Obst vorbereitet, vorzugsweise die harte Gurke aus seiner Hose geschält und sie ihr zu kosten gegeben. Er hörte das Schmatzen schon, mit dem sie ihn ableckte, ihre Lippen darum schloss und saugte.
„James, ich bitte um den Port. Einverstanden, Gentlemen?“
Natürlich waren sie einverstanden! Jeder Gang, jedes Getränk brachte sie näher an die ersehnte Stunde. Der Port läutete die letzte Zeremonie ein, nach der sie alle Förmlichkeit fallen lassen konnten. Nichts mehr mit Miss und Gnädigste und Mylady. Dann hieß es nur noch Schlampe, Bitch, Fotze.
Niemals wäre er in der Lage, sie so anzusprechen. Immer würde sie für ihn die Lady bleiben, egal in welcher Situation. Ein Preis, den er gerne zu zahlen bereit war. Wie die Männer bereit waren, auf den letzten Preis zu verzichten. Niemand durfte seine Sahne in ihr hinterlassen, stattdessen standen dann, wenn die Kräfte sich zu erschöpfen drohten, alle um das Bett, auf dem sie wie ein Opfer dahingestreckt lag. Miss Sophie, erschöpft von den Spielen und den zitternden, zuckenden Ergüssen, die ihren Saft auf den Laken verteilten, opferte ihre Haut für das Letzte, den Segen für das neue Jahr, den Höhepunkt der ganzen Nacht. Vier Männer ließen ihren heißen Samen auf sie spritzen, jeder bemüht, möglichst zielgenau Mund oder Brüste zu treffen, sie mit einer Unmenge ihres Saftes zu markieren, den sie genussvoll in ihre weiße, weiße Haut verrieb.
Ein letztes Mal schenkte er ein.
Sir Toby stand leicht schwankend mit gut gefülltem Glas da. „Miss Sophie, my gal! Ich singe dir ein Lied!
There was a Jolly tinker
He came from Dungaree
With a Yard and a half of foreskin
hanging down below his knee … “ *
Der Rest des alten irischen Volkslieds ging unter in trunkenem Gelächter.

Mr. Winterbottom mischte sich ein, indem er auf den Stuhl sprang und mit großen Gesten und einem vollen Bariton lateinische Verse zum besten gab:
„Oh! Oh!
totus floreo,
iam amore virginali
totus ardeo,
novus, novus amor
est, quo pereo.“ **

Das wollte von Schneider nicht auf sich sitzen lassen, weshalb er der Vorführung mit einem erneuten Hackenknallen ein Ende setzte. Er selbst hob an, ein deutsches Reiterlied zu singen:
„Schöne Jungfrau, wollt ihr mit mir gahn
Ich will euch lehren, was ich kann
Ein Lied von dreierlei Stimmen
das drüben im Wald tät klingen” ***

„Genug, Gentlemen! Ich werde mich zurückziehen.“
Sir Toby stand schon hinter ihrem Stuhl, um diesen aus dem Weg zu räumen. Mr. Winterbottom packte ihren Arm, als wollte er sie am Weglaufen hindern und drehte sie schwungvoll in Richtung Treppenhaus.
„Ich gehe voraus!“ Von Schneider sprang leichten Fußes jeweils über drei Stufen auf einmal.
Jedes Auftreffen der Absätze erschütterte die Treppe, so dass die Vibrationen bis in James Beine zu spüren waren. Oder war es ein Zittern, das ihn durchlief? Ein scharfer Schmerz krallte sich in seine Eingeweide.
Nun war es so weit. Ihm blieb nur das Schlüsselloch. Zumindest würde er in diesem Jahr genug der Servietten einstecken, damit er nicht vorzeitig abbrechen musste wie im letzten. Sein Schwur von eben, sich nur auf das Zuschauen zu konzentrieren, war vergessen.
Aber oh, seine Sophie …
Würden sie ihr wieder die Arme an den Pfosten anbinden und die Beine so weit spreizen, dass sich die Falten ihres Geschlechtes weit öffneten und jeder Tropfen ihres Lustsaftes das Licht der Kerzenleuchter widerspiegelte? Ein erneutes Pochen erinnerte ihn an die inzwischen schmerzhafte Kerze, die seine Hose nun unübersehbar ausbeulte. Er verschränkte die Hände davor, doch letztlich war es ihm gleichgültig. Seine Herrin kehrte ihm den Rücken zu.
Auf der dritten Stufe drehte Miss Sophie sich um. „James?“
„Ja, Mylady?“ Seine Stimme klang nicht mehr wie Mr. Pommeroy. Im Gegenteil, eher wie die des Pfarrers beim Begräbnis.
„Wo bleiben Sie? Ihre Rolle ist noch nicht zu Ende!“
James stolperte über die Schnauze des Tigers, fing sich wieder und verschwendete keinen Gedanken mehr an das tote Tier.


Genug? Oder nicht? Das ist jetzt die Frage …

Willst du mehr von dieser Geschichte, trage Dich für den Newsletter ein. Am Sonntag Abend erscheint Teil 3.


* aus: Ed Cray, The Erotic Muse: American Bawdy Songs, 2. Aufl., 1999
** Auszug aus Carmina Burana, Übersetzung:
Oh! Oh!
Ich kriege eine Erektion
Ich platze bald vor Geilheit,
Diese neue Liebe
Ist, wofür ich sterbe würde.
*** Es ritt ein Reiter wohl durch das Ried, altes Volks- oder Soldatenlied


Foto: By Daderot (Own work) [Public domain or CC0], via Wikimedia Commons

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Dinner for One – Oder: Miss Sophies 32. Geburtstag

Ein Chat mit einem Freund (Danke, C.!) hat mich auf eine Idee gebracht. Wie kam es eigentlich zu dem Dinner? Und was geschieht, wenn James Miss Sophie auf ihr Zimmer begleitet, und ihr verspricht: „I´ll do my very best!“? Das Ganze muss viele Jahre früher seinen Anfang genommen haben …

Da die Geschichte recht lang geworden ist, werde ich sie aufteilen. Teil 2 wird am Freitag, den 05.01.2017, erscheinen.

Es gibt auch noch einen dritten Teil. Diesen erhalten exklusiv alle Newsletter-Abonnenten. Wer also wissen will, was passiert, sobald Miss Sophie sich in ihr Schlafgemach zurückzieht, sollte sich schnell registrieren …

Und jetzt: Viel Spaß mit Miss Sophie, James, Mr. Pommeroy (sel.), Mr. Winterbottom, Sir Toby und dem zukünftigen Admiral von Schneider!


„Sie hat mir aufgetragen, den Tisch wie jedes Jahr zu decken, Marie. Kannst du dir vorstellen, wofür das gut sein soll?“
Die Köchin zuckte mit den Schultern, was ihre speckigen Arme vibrieren ließ. „Keine Ahnung. Sie sind doch der Einzige, der weiß, was an Silvester in diesem Haus vor sich geht.“
James hörte ihrem Tonfall an, dass sie ihm sein Schweigen in Bezug auf dieses Ereignis nicht verzieh. Egal, er war nach fünf Jahren daran gewöhnt. Dass das leichte Schmunzeln, das er nicht verbergen konnte oder wollte, sie noch weiter auf die Palme brachte, war ihm bewusst.
Miss Sophies Silvesterabende durften nie dem Geschwätz gewöhnlicher Dienstboten preisgegeben werden, das hatte sie ihm vor seinem ersten Einsatz eingeschärft. Sie vertraute ihm. Musste sie auch. Sollte nur eine Idee dessen, was in der Nacht zum neuen Jahr passierte, jemals an die Öffentlichkeit gelangen, ginge Miss Sophie nicht nur ihres Rufes verlustig, sondern er mitsamt dem Rest der Angestellten auch der Arbeitsstelle.
James machte sich Gedanken um seine Dienstherrin. Sie hatte den Tod von Mr. Pommeroy im September nur schwer verkraftet. Wollte sie so tun, als wäre nichts geschehen, oder warum sollte er wie zuvor fünf Gedecke richten? Dabei schätzte er sie als eine Frau, die der Realität ins Auge sah und sich vom Leben nahm, was sie konnte. Dazu gehörte auch dieser Abend. Und die Nacht. Oh, die Nacht.
Natürlich hatte er als einzig anwesender Dienstbote im Haus gelauscht. Und ja, zugegeben, auch durchs Schlüsselloch gespickt. Dass er seine Beobachtungen nicht weitererzählen durfte, bedeutete ja nicht, dass seine Neugier gedämpft wurde auf das, was sich hinter der Tür abspielte. Zu Recht. Was er dort gesehen hatte, bot ihm Fantasiefutter für den Rest des Jahres.
„James, Sie müssen beginnen, sonst schaffen Sie das nie, bis die Gäste eintreffen! Denken Sie an die heißen Steine und vor allem an die Tücher zum Unterlegen!“
James vermutete, dass ein Teil des Unmuts der Köchin aus dem Wissen herrührte, dass ihr Essen, das sie im Voraus – wie immer mit höchster Präzision und ausgefeiltem Geschmack – produzierte, langsam aber sicher kalt werden würde. Der Fisch! Wie sollte sie den Fisch auf den Punkt garen, wenn er eine Stunde zum Warmhalten auf dem heißen Stein stehen würde? Eine jährliche Klage, bei der sich Maries Augen mit Tränen füllten und die Backen dank des nach unten verzogenen Mundes jegliche Spannkraft verloren.
„Marie, ich entscheide, wann ich den Tisch decke!“ Obwohl er wusste, dass er sich sputen musste, wollte er seiner Stellung gerecht werden. Ein Butler ließ sich nicht von der Köchin anweisen.

Eine Stunde später waren alle um den Tisch versammelt. Alle, bis auf einen.
James schenkte den Sherry aus, der die Suppe begleiten sollte. Mulligatawny Soup und trockener Sherry, wie jedes Jahr.
Miss Sophie dankte ihm mit einem Nicken, wie immer. Und wie immer faszinierten ihn die zarten Härchen im Nacken, die sich nicht in den Knoten einfügen wollten und stattdessen den schlanken Hals und helle Haut betonten. Ihr Duft stieg ihm in die Nase. Sie war keine Freundin starker Parfums. Ein Hauch Zitrone, der eher dem Haar zu entsteigen schien, unterstrich den so vertrauten Geruch, der ihn bis in seine Träume verfolgte.
Sir Toby vertrug weitaus mehr als die anderen Herren, also schenkte er diesem großzügig ein. Von Schneider, seit März Leutnant und zum ersten Mal in schmucker Uniform erschienen, entpuppte sich als noch zurückhaltender als sonst. Also war der Wunsch nach wenig Alkohol doch nicht nur seinem germanischen Ursprung zu verdanken.
An dem freien Platz wollte James vorbeigehen, doch Miss Sophie hob die Hand. „James, wir werden das Andenken an Mr. Pommeroy ehren, indem wir ihn weiterhin in unsere Gesellschaft einschließen. Bitte fülle sein Glas.“
James hatte von der Tradition gehört, Tote symbolisch zum Mahl einzuladen. Warum nicht? Die Runde bestand seit zwölf Jahren. Sie hatte begonnen, als Miss Sophie ihren zwanzigsten Geburtstag feierte. Im Sommer zuvor war sie durch einen Unglücksfall zur Waisen geworden. An diesem Tag, zugleich der letzte Tag des Jahres, lud sie die drei Verehrer ein, um ihre Entscheidung bekanntzugeben. Tatsächlich verkündete sie nicht wie erwartet, welchen von ihnen sie mit ihrer Hand beehren würde, sondern, entschied sich zum Erstaunen aller für die Unabhängig- und Ehelosigkeit.
Oh ja, unabhängig war sie, die Miss Sophie. Weitaus mehr, als sich Außenstehende vorstellen konnten. Die Tradition der Silvesternacht musste in diesem Jahr gegründet worden sein, aber das vermutete James nur. Sein Vorgänger im Amt des Butlers war unter eine Kutsche geraten und konnte keine Informationen mehr weitergeben. Mehr als Miss Sophies Verweigerung, zu heiraten, gab es von den Dienstboten über das Event nicht zu erfahren. Sie alle verließen das Haus, ehe die Gäste eintrafen. Alle, bis auf den Butler.
Die Herren erhoben sich zum Anstoßen auf das Wohl der Gastgeberin. Wieder gebot sie mit einer kleinen Geste Einhalt. „James!“
An der Anrichte beschäftigt, drehte James sich um. Was brauchte sie?
„James, Sie werden heute den Platz des armen und von uns sehr geschätzten Mr. Pommeroy einnehmen. Die Runde muss vollständig sein! Stoßen Sie mit uns an, vertreten Sie ihn würdig!“
Für einen Moment konnte er sich nicht bewegen. Dann verbeugte er sich tief. Was für eine Ehre! Mit leicht zitternden Fingern erhob er mit den andren das Glas.
„Sir Toby!“
„Cherio, Miss Sophie!“ Sir Tobys Stimme hörte sich an, als sei sie von dem üppigen Genuss alkoholischer Getränke in Mitleidenschaft gezogen, rau und tief.
„Lieutenant von Schneider!“
Der Leutnant ließ die Hacken zusammenknallen. Der zarte Mr. Pommeroy hatte jedes Mal etwas Wein verschüttet, weil er keine lauten Geräusche mochte. Vielleicht auch nicht die militärische Präzision, die von Schneider verkörperte.
Alle Augen richteten sich auf James.
„Mr. Pommeroy!“
Er war versucht, sich umzudrehen, weil er das Gefühl nicht loswurde, Mr. Pommeroy schaue ihm über die Schulter, doch er hielt sich im Griff. Das Glas erhoben, antwortete er: „Miss Sophie!“
Wie peinlich! Er hatte ohne nachzudenken die piepsige Stimme des Verstorbenen imitiert. Würde Miss Sophie ihn deswegen tadeln?
Ihr angedeutetes Lächeln und ein minimales Nicken zeigte ihm, dass er mit seiner Rolle richtig lag. Zusätzlich ließ das Lächeln Wärme in ihm aufsteigen. Er wusste, woher diese Wärme rührte. Zuneigung zu Miss Sophie. Oder mehr? Letztlich war es gleichgültig. Niemals durfte sie von seinen Gefühlen erfahren. Den Trinkspruch des Mr. Winterbottom, immer genauso übertrieben lang wie schmeichlerisch, hörte er nicht wegen des Rauschens in seinen Ohren.
Der Alkohol tat gut. Natürlich stand ihm als Butler ein abendliches Glas Wein zu, doch Sherry gab es nur zu besonderen Gelegenheiten. Der zarte Duft nach Eichenholz erinnerte ihn an die Einrichtung von Miss Sophies Schlafzimmer, das er wöchentlich inspizierte. Das eichene Vierpfostenbett von riesigen Ausmaßen dominierte den Raum.
Ohne Kontrolle wurden die Mägde schlampig und vergaßen, die Vorhänge in regelmäßigen Abständen zu waschen oder das Holz der Pfosten zu polieren und zu ölen. Der Duft von Eichenholz füllte dann das ganze Zimmer, überlagert von dem Geruch nach Bienenwachs. Doch immer konnte er unter all dem ihren Duft wahrnehmen.
Während er an der Anrichte wartete, bis die Runde die Suppe ausgelöffelt hatte, kam ihm eine Idee. Sein Herz überschlug sich beinahe. Schlimmer war, dass sich sein Organ regte, sich ausdehnte, pochte und sich bemühte, die wollenen Unterhosen unziemlich anzuheben. Möglichst unauffällig drehte er der Gesellschaft den Rücken zu und gab vor, den Zustand des Fischs und der Beilagen zu prüfen.
Wie dumm er war! Dass er anstelle von Mr. Pommeroy mit anstieß, bedeutete nicht zugleich, dass er diesen auch bei den anschließenden Vergnügungen vertreten durfte. Natürlich nicht! Seine Herrin würde ihn niemals auf einen Rang heben mit solch angesehenen Herren wie von Schneider oder Mr. Winterbottom.
Er benötigte länger als gewöhnlich, bis er registrierte, dass das Klimpern der silbernen Löffel auf Porzellan verstummt war und sich die Gentlemen mit Miss Sophie unterhielten. Zeit, die Teller abzuräumen.
„Als Nächstes bitte ich um den Fisch.“
„Ein Filet vom Kabeljau mit Wintergemüse und Pommes Duchesse, Mylady.“
„Danke, James, dazu bitte einen Weißwein.“
„Selbstverständlich, Miss Sophie, wie Mylady wünschen.“
Diesmal genügte ein kurzer Blick. Er schenkte Wein in das Glas am Platz des seligen Mr. Pommeroy.
Strahlte Miss Sophie heute Abend mehr als sonst? Oder lag es an dem Schein der Flammen, der tausendfach durch das Kristall der Gläser gebrochen wurde? Wie schön sie war!
„Miss Sophie!“ Das Piepsen war ihm gar nicht mehr peinlich, als es mit einem Lächeln belohnt wurde, das das Leuchten der Kerzen noch übertraf.
Es musste am Wein liegen, dass er heute sein Gemächt nicht im Griff hatte.
Zum nächsten Gang, dem Huhn, würde sie nach Champagner verlangen. Weiß Gott, was der mit ihm anstellen würde. Am besten nur einen Schluck davon für ihn, wie sonst sollte er bis zum Ende des Mahls durchhalten?
Da es ihm verboten war, die Gesellschaft durch das Wegtragen des Geschirrs zu stören, nutzte er die Anrichte für die Teller. Beim Auftragen des Huhns blieb er mit einem Fuß an dem Tigerfell mitsamt Kopf hängen, einem Geschenk Sir Tobys aus dem vergangenen Jahr, das nun den bevorzugten Platz im Salon einnahm. Verdammt, beinahe wäre der Hühnerschenkel auf dem Schoß des Leutnants gelandet. Dabei war er längst nicht mehr heiß genug, diesem die Eier zu verbrennen.
Erschrocken hielt James sich die Hand vor den Mund. Oh Himmel, hoffentlich hatte niemand diesen Gedanken erraten! Nein, unmöglich. Die Herren wurden viel zu sehr von Miss Sophies Liebreiz abgelenkt, ihnen war egal, was der Butler tat. James durfte denken, was er wollte. Er stellte sich bei jedem der Männer vor, wie er ihm brühend heiße Sauce in den Schoß kippte, bis keiner mehr in der Lage war, sich mit Sophie zu vergnügen. Seiner hübschen Herrin, die ihn vergnügt anlächelte, als er ihr den Teller mit dem zartesten Stückchen Hühnerbrust servierte, das er hatte finden können.
Hühnerbrust. Brüste. Miss Sophies Brüste. Klein, aber, oh! So schön! Genau richtig für seinen Geschmack.
Und garantiert auch nach dem Geschmack der anderen drei, deren Blicke mit jedem Gang tiefer nach unten gewandert waren. Von den Augen zum Mund und nun zu den Titten. Nein, Miss Sophie besaß keine Titten, schalt er sich. Brüste. Zarte Brüste. Mit harten Nippeln. Oder was drückte sich da durch das Kleid?
Bei der Verteilung des Champagners konzentrierte er sich ganz darauf, schenkte Sir Tobys Glas bis zum Überlaufen ein und vergoss einige Tropfen neben von Schneiders Flöte.
Hihi, Flöte. Jeder der Männer würde nur zu gerne seine Flöte hervorholen und damit spielen. Seine Stirn runzelte sich wider Willen. Genau das würden sie tun. Miss Sophie mit ihren Flöten beglücken, während er …
„Mr. Pommeroy!“


Foto: commons.wikimedia.org/wiki/File%3ALady_Sybil_Mary_St_Clair-Erskine_(pre-1892).jpg
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Lieber nur als Kopfkino

Es klingelt. Oh mein Gott, er ist da! Ich schaue meinen Herrn an.
Er atmet tief durch, dann steht er auf und geht zur Tür.
Normalerweise wäre das mein Job, aber nicht heute. Stattdessen soll ich mitten im Raum knien, die Beine gespreizt, Hände hinter dem Kopf. Bereit für alles, was kommt, offen für alles, was mich berührt oder in mich eindringen will.
So aufgeregt war ich noch nie, ganz bestimmt nicht. Ich musste mir dreimal das Mascara auftragen und korrigieren, weil mir die Bürste ausgerutscht ist und ich mir einen dicken schwarzen Strich irgendwohin geschmiert habe. Dass es nicht ins Auge ging, war auch alles.
Eine fremde Stimme. Mein Herr hat alle Verhandlungen geführt, mehrfach mit ihm telefoniert, Anweisungen erteilt und Bedingungen ausgehandelt. Ich hatte nichts weiter damit zu tun, nachdem ich meine Zustimmung gegeben hatte. Zweimal, um genau zu sein. Einmal zu der Sache überhaupt, und einmal zu dem Profil, das er mir zeigte. Das Bild hat mir gefallen, dunkle, weiche Augen, die denen meines Herrn irgendwie ähneln, dazu ein schöner Body. Etwas kleiner als ich, aber das macht nichts. Claudio ist solo, hetero, gebildet und willig, sich unseren, nein, den Bedingungen meines Herrn anzupassen. Danach war mein Part erledigt.
Fast muss ich kichern. Natürlich kommt mein Part erst. Und zwar jetzt. Die Tür geht auf.
Er wirkt anders als auf dem Bild. Männlicher, größer. Vielleicht liegt es an meiner Perspektive.
Mein Herr geht an ihm vorbei und stellt sich neben mich. Seine Hand greift in meine Haare und zieht den Kopf nach hinten, ganz in den Nacken. Als wollte er meine Kehle offenlegen. Es macht meine Unterwerfung spürbar, eine Geste der Kapitulation wie die eines Hündchens vor seinem Alphatier. Erzwungen zwar, aber deshalb nicht weniger wirksam.
Ich bin gespannt, wie das Ganze ablaufen wird. Mein Herr ist jedenfalls ganz bestimmt kein Cuckold, der zuschaut, wie ein anderer seine Frau durchfickt. Nein, kommt gar nicht in Frage. Er versprach mir einen zweiten Dom. Weder tritt er zurück noch will er einen weiteren Spielgefährten. Doppelte Domination, möglicherweise doppelte Penetration.
Mir hätte das Letztere genügt.
Stimmt nicht. Stimmt überhaupt nicht. Es geht nicht ums Ficken. Das ist eine Nebensache, hoffentlich eine angenehme Nebensache, aber eindeutig nicht die Hauptsache.
Aber geht es hier überhaupt um meine Wünsche? Oder um die meines Herrn? Oder die von Claudio?
Der hat sich in einen Sessel vor mir fallen lassen und schaut nur. Unter seinem Blick werde ich unruhig. Ich muss meinen Blick nicht senken, nicht bei meinem Herrn. Er möchte, dass ich ihn anschaue, er möchte, dass ich seine Wünsche so früh wie möglich wahrnehme. Vorzugsweise, ehe er sie ausspricht. Dafür muss ich hinschauen können, mich von seinen Blicken leiten lassen.
„Komm her!“
Ich finde diesen Befehl zu vage. Soll ich gehen oder krabbeln? Mich hinstellen, vor ihn knien, mich auf seinen Schoß setzen? Wo genau, wie nahe?
Sein Finger weist auf eine Stelle direkt zwischen seinen Beinen. „Stell dich hierher. Hände hinter den Kopf. Zeig dich. Präsentier dich.“
Ah, das ist das, was ich hören wollte. Jetzt springe ich eifrig auf und tue, was er sagt. Wird er mir die Verzögerung übelnehmen?
„Beim nächsten Mal geht es schneller, Kätzchen, oder du erhältst 10 Schläge auf die Fußsohlen“, mischt sich mein Herr ein. Shit, er weiß genau, dass ich das hasse! Eindeutig fällt das unter die Kategorie Strafe und hat nichts mit Lustgewinn zu tun.
„Kätzchen? Macht ihr Petplay?“ Claudio betrachtet meine Brüste ausgiebig und lässt dann langsam seinen Blick nach oben und unten schweifen. Keine Berührung, trotzdem fühlt es sich an, als würde er mich mit den Augen streicheln.
„Manchmal. Nicht heute.“ Ich spüre die Gänsehaut auf meinem Rücken. Ich bin so froh, dass er das nicht vor diesem Fremden tun will. Dieses Spiel demütigt weitaus mehr als alle anderen. Ich würde es nicht ertragen, mich Claudio so zu zeigen, auf keinen Fall. Eindeutig ein Fall für das Safeword.
„Okay.“ Claudio schaut zu meinem Herrn. „Es bleibt bei unserer Vereinbarung?“
„Klar. Wenn du Wünsche darüber hinaus hast, darfst du sie äußern, aber sie müssen dann neu ausgehandelt werden.“
„Ich bin zufrieden mit dem, was wir besprochen haben. Ich freue mich darauf, sie zusammen mit dir benutzen zu dürfen. Sie ist hübsch.“
Hübsch? Ist das alles?
Mein Herr räuspert sich. Oh je, ich weiß, was er mir damit sagen will. Er kennt mich zu gut. Hör auf, dich als gleichwertige Frau zu betrachten, sagt es. Konzentriere dich auf deinen alleinigen Zweck in einer solchen Szene: deinem Mann zu dienen. Diesmal zwei Männern. Es ist nicht so einfach wie sonst, mich in diesen Zustand zu versetzen. Demut. Unterwerfung. Dienen. Aber ich will es versuchen.
„Dreh dich um.“
Es macht mich zappelig, dass ich so lange nur dastehen muss, nichts tun kann. Bei meinem Herrn bin ich es gewöhnt, mich um seine Bedürfnisse zu kümmern. Ich bringe ihm Sachen oder verwöhne ihn mit meinem Mund oder lasse mich quälen. Alles ist mir lieber, als nur dazustehen.
„Zeig mir deinen Arsch.“
Na endlich kann ich etwas tun. Mich vorbeugen, die Backen auseinanderziehen, das Loch präsentieren.
„Willst du sie vorbereiten? Plug oder Gel?“
„Nein, ich mag keinen Plug, mir ist lieber, wenn sie so eng wie möglich ist. Das Gleitgel nehmen wir später. Sie soll so bleiben und es sich mit dem Finger machen.“
„Kätzchen, tu, was Claudio sagt.“
Ich bin nass. Mein Finger flutscht locker in mein Loch, dann umkreise ich damit meine Klit. Bei jeder Bewegung, jeder Berührung bin ich mir der Blicke bewusst. Zwei Männer schauen mir zu. Schauen, wie ich masturbiere. Das ist unglaublich erregend. Es dauert nicht lange, bis ich bei dieser Vorstellung und unter meinem Rubbeln kurz vor dem Kommen stehe.
„Halt!“
Verdammt! Ich grunze unwillig und beiße mir gleich darauf auf die Lippen. Zu spät, der Laut ist draußen.
Ein scharfer Schmerz und ein lautes Knallen folgen sofort. Mein Herr kommt zu mir und greift sich eine Brust. Schmerzhaft. Er krallt seine Finger hinein, ein Fingernagel ist auf dem Nippel gelandet. Er muss nichts sagen, ich weiß auch so, was ich falsch gemacht habe.
„Fester!“ Was meint er damit? Ach ja, es wird klar, als Claudio mich weitere Mal auf den Hintern schlägt, diesmal mit mehr Wucht. Jedes Zucken ruft Schmerzen in meiner Brust hervor, die mein Herr nicht losgelassen hat.
Irgendwann hören sie auf und lassen mich los. Zumindest stehe ich jetzt nicht mehr direkt vor dem Höhepunkt. Aber ich fürchte, ich hinterlasse einen schlechten Eindruck bei unserem Besucher. Das geht gar nicht. Alles, was ich tue, und vor allem, was ich falsch tue, fällt auf meinen Herrn zurück. Tief einatmen, langsam ausatmen. Konzentrier dich!
„Hast du einen Pranger?“
„Nein, aber wir können sie auf andere Art fixieren.“
„Ich mag Pranger. Von beiden Seiten zugänglich, ein gewisses Maß an Unbehagen und du hast die Hände frei.“
„Ich sehe die Vorteile. Vielleicht schaffe ich mir einen an.“
Die beiden diskutieren die Vor- und Nachteile verschiedener Modelle, während ich vorgebeugt dastehe und Claudio meinen Hintern hinstrecke. Ich hasse es, ignoriert zu werden. Das weiß mein Herr auch. Vermutlich weiß das jeder Herr. Ich weiß auch, wie wichtig es ist, genau jetzt weder zu zucken noch sonst auf mich aufmerksam zu machen, denn das würde als ein Versuch des Toppens aufgefasst. Bloß nicht, ich habe eben schon ein schlechtes Licht auf meine Erziehung und den Erzieher fallen lassen.
Wie nebenbei drückt ein Finger auf meinen Anus. Ohne Gleitgel.
Ich bleibe bewegungslos und bin sehr stolz auf mich. Der Finger verschwindet wieder, dafür werden meine Schamlippen gepackt, daran gezogen und wieder losgelassen. Nicht ganz losgelassen. Etwas hängt daran. Ein weiteres Teil wird hinzugefügt. Ich muss nicht hinschauen, ich weiß auch so, dass es Klammern sind, die da befestigt werden. Noch fühle ich so gut wie nichts, der Druck wird erst mit der Zeit unangenehm werden.
Für eine oder zwei Minuten habe ich das Gespräch ausgeblendet. Haben sie etwas für mich wichtiges abgesprochen? Vermutlich ja, denn mein Herr kommt nach vorne, drückt meinen Kopf tiefer und klemmt ihn sich zwischen seine Schenkel.
Das hat er noch nie gemacht, ich bin verwirrt. Durch die Beine, die auch meine Ohren verschließen, kann ich nicht mehr verfolgen, was passiert, sehen kann ich nur den Boden unter mir, riechen nur den Duft meines Herrn, der mich dafür ganz umfängt. Er greift sich meine Arme und legt sie über dem Rücken zusammen. Ein Seil windet sich darum, verbindet die Unterarme. Für einen Moment überfällt mich Panik. Was, wenn er mich nun loslässt? Falle ich dann mit dem Kopf voran auf den Boden?
Ruhig, er wird mich halten, da bin ich sicher.
Ein scharfer Schmerz auf meinem Hintern. Oh scheiße! Ein Rohrstock oder etwas ähnlich schmales, jedenfalls harte Treffer, die vermutlich ausgezeichnete Spuren hinterlassen werden. Schreien darf ich, das haben wir so vereinbart. Hören kann mich hier niemand.
Aber jetzt doch. Claudio. Der Versuch, den nächsten Schrei zurückzuhalten, quittiert der Schläger mit einem besonders festen Schlag. Verdammt! Das tut unglaublich weh. Ich kann nicht einmal sagen, wer schlägt. Abwechselnd? Möglich. Nach kurzer Zeit bin ich weit über den Punkt hinaus, an dem ich noch einzelnen Treffern nachspüren kann, dafür legt sich der wohlbekannte Schleier über mich. Alle Eindrücke verwischen, ich bin nur noch Schmerz und Hingabe und dann bin ich nur noch Lust.
Ich komme wieder zu mir, als eine Hand mich zwingt, mich aufzurichten. „Augen auf“, kommandiert mein Herr. Er liebt es, mich zu betrachten, egal, wie verrotzt, verheult, verschmiert ich bin. „Das sind Zeichen deiner Unterwerfung, die mich anmachen“, hat er mir erklärt. Zugleich erhöht es meine Demütigung, unterstreicht unsere Beziehung. Ich liebe ihn über alles in diesen Momenten, bin vollkommen sein, existiere nur für ihn.
Er zieht mich ein Stück nach vorne, bis er sich auf einem Sessel niederlassen kann, zieht mich weiter, bis mein Gesicht ganz dicht vor seinem ist. „Lass die Augen offen!“
Was wird das? Will er mich nur anschauen? Dass da noch jemand dabei ist, fällt mir erst wieder ein, als etwas Kühles sich an meinen Anus drückt. Claudio! Ich hatte ihn einfach vergessen, war so auf meinen Herrn konzentriert, dass ich ihn weder hörte noch sah. Jetzt drängt sich seine Anwesenheit in den Vordergrund. Und wie. Er packt meine Hüften, damit ich nicht ausweichen kann und zwingt mein Loch, sich für ihn, für seinen Schwanz zu weiten. Oh Gott!
Ein warnendes Knurren von vorne erinnert mich an die Anweisung. Die Augen weit aufgerissen vor Angst, ich könnte sie ungewollt schließen, lasse ich diesen Fremden in meinen Körper.
„So eng! Sehr schön! Du hast sie gut abgerichtet. Ein zahmes Kätzchen, wahrhaftig!“ Claudio hat es geschafft, den Ring zu durchbrechen und stößt mit einem scharfen Zischen vor. Als er ganz tief drin ist, wechselt er den Griff, hält mich mit einer Hand an den gefesselten Armen und packt mit der anderen meinen schmerzenden Arsch.
Ich bin in einer anderen Welt. Anders kann ich es nicht beschreiben. Vor mir die Augen meines Herrn, der jede Regung beobachtet, in mir ein Schwanz, in meinem Kopf das Wissen, dass es ein fremder Schwanz ist, ein fremder Mann. Dass mein Herr mich teilt, mich diesem Mann zur Verfügung stellt, zu dessen und seinem Vergnügen.
Ist es auch mein Vergnügen? Noch zweifle ich daran. Alles ist zu neu, zu viel, zu fremd.
„Du machst das sehr gut, Kätzchen! Es macht mich unglaublich geil, dich so zu sehen. Wie du einem Fremden deinen Arsch hinhältst, wie du unsere Schläge hingenommen hast, wie du Lust empfindest, wenn du in zwei Löcher gefickt wirst.“
Zwei? Ah! Er drückt mich nach unten, stülpt meinen Mund über seinen Schwanz, größer und dicker als ich ihn jemals gefühlt habe. Seine Hände heben und senken meinen Kopf, drücken ihn besonders tief nach unten, wenn ihm danach ist oder heben mich an, damit ich wieder atmen kann. Er hat die Macht, benutzt meinen Mund nach seinen Vorstellungen.
Schon macht es Klick. Wie so oft beziehe ich meine Lust aus seiner Lust. Meine Erregung steigert sich um ein Vielfaches, oder bin ich jetzt erst bereit, sie zuzulassen? Erst mit der Zustimmung meines Herrn?
Was auch immer dazu beiträgt, es ist alles vervielfacht heute. Der Schmerz der Klammern, als sie eine nach der anderen abgezupft werden. Das Aufflammen meines Hinterns, als neue Schläge auf die inzwischen dick geschwollenen Striemen treffen. Der heiße Draht der aktiviert wird, als harte Finger meine Nippel drehen und brutal in die Länge ziehen. Der dumpfe Schmerz in meinen Arsch, wo ein viel zu großer Schwanz meinen Muskelring weitet. Die Atemnot, wenn wieder mal ein wenig zu lange mein Rachen voll ist mit hartem Fleisch.
Ich komme, sobald er mich dazu auffordert, explodiere in tausend Teile, krampfe mich um den Schwanz in meinem Arsch und melke ihn, sauge den Saft aus dem Schwanz in meinem Mund und gebe mich meinen beiden Doms ganz hin, tiefer als je zuvor, demütiger als je zuvor.


Ein Wunschtraum. Einer, der nie in Erfüllung gehen soll.
Warum nicht? Es ist doch heute kein Problem mehr, einen Partner zu finden. Na gut, es wäre nicht so einfach. Die Auswahl ist groß, aber die Gruppe derer, die tatsächlich infrage kommen, sehr klein. Aber es besteht eine reelle Chance, dass wir jemand finden würden.
Auch die Frage, ob ich zwei Herren dienen könnte, stellt sich nicht. Für einen Abend? Klar. Doppelte Penetration? Haben wir mit Spielzeugen schon nachgespielt, ist alles machbar.
Stellen wir uns also einmal vor, wir hätten den perfekten Mann gefunden, der all unseren Bedingungen zugestimmt hätte.
Was die ganze Sache in den Orbit schießt, wäre die Eifersucht. Die meines Mannes. Er würde sich fragen, ob mir nicht doch die Berührungen des Anderen, die Art der Penetration, seine Schwanzgröße oder was auch immer besser gefallen hätten als seine. Wie sollte ich ihm das sagen? Wie oft müsste ich es sagen? Würde er mir glauben?
Um keine falschen Ideen aufkommen zu lassen: Umgekehrt wäre es genauso. Ich würde von Eifersucht zerfressen, wenn ich zusehen müsste, wie er eine andere Frau streichelt, küsst, leckt, quält, fesselt, dominiert, penetriert. Dabei bin ich im Alltag keine eifersüchtige Frau. Mein Mann hat oft mit Geschäftspartnerinnen Termine, ist oft unterwegs und ich vertraue ihm blind. So wie er mir.
Aber eine solche Situation wäre tödlich für unsere Beziehung.
Zusehen, wie ein Mann mich berührt? Niemals. Wie oft hat er mich schon an seine Seite gezogen, sich unauffällig vor mich oder nur neben mich gestellt. Besitzansprüche angemeldet, ohne sie auszusprechen. Ein harter Kuss vor anderen, meine Haare um seine Faust gewickelt. Eine Hand auf meinem Hintern, auf dem Oberschenkel, so weit oben, dass klar ist, dass es keine harmlose, unbedachte Geste ist, sondern eine klare Aussage: „Mein! Finger weg!“
Ich will nicht, dass meine Beziehung unter meinen Wünschen leidet. Nicht wegen einer so vagen Fantasie. Nicht wegen einer einmaligen Sache, von der ich nicht einmal weiß, ob sie sich wirklich so abspielen wird, wie ich mir sie vorstelle.
Deshalb wird diese Fantasie immer Fantasie bleiben. (Also bitte keine Angebote in den Kommentaren, auch nicht per PN oder was auch immer.)
Diese Fantasie wird in meinem Kopf bleiben. Ich werde sie manchmal auspacken, wenn ich masturbiere. Sie wird mich anheizen, mich erregen, mich aufgeilen, wenn ich eine Anregung brauche, um schnell zu kommen. Mehr nicht.
Und wisst ihr was? Ich vermisse nichts. Ich bedaure es nicht. Weil es eine klare Abwägung gibt. So wie ich mich nicht von einem Felsen ins Meer stürze, unter dem weitere Felsen lauern können, nur um des Thrills wegen, werde ich mich nicht in ein Abenteuer stürzen, das meinem jetzigen Leben ein jähes Ende setzen könnte.

Ich bin sehr gespannt, was ihr zu dem Thema zu sagen habt. Habt ihr auch eine Fantasie, die ihr niemals wahrmachen werdet? Schreibt sie in die Kommentare, es interessiert mich brennend.

Tomasz hat einige Autoren von SM-Blogs dazu eingeladen, an einer Blogparade teilzunehmen (#nurimKopf), was ich gerne tue. Ich bin unglaublich gespannt, was die anderen zu dem Thema zu sagen haben.

Von was meine Bloggerkollegen so fantasieren, könnt ihr hier nachlesen.
Tomasz Bordemé hat begonnen mit Nur im Kopf

Ben Wilder, Blogger aus und mit Leidenschaft, erzählt euch eine Geschichte, die auf jeden Fall nur im Kopf bleiben sollte!

Subbilein Kari hat eine sehr spezielle Fantasie, der sie lieber nur in ihrem Kopf nachgeht auf ihrem Blog gepostet.

Stella, die Devote Romantikerin, hat ihren Beitrag in zwei Teile aufgeteilt. Wer weiß, vielleicht folgen auch noch mehr?

Die Fantasie meiner Autorenkollegin Tanja Russ (Brombeerfesseln) könnt ihr hier lesen.

Remi, die Seitenspringerin, setzt sich mit dem Thema auf andere Art auseinander. Sie fragt sich, warum eine Frau wohl eine Vergewaltigungsfantasie hat. Ganz unten erzählt sie dann doch noch von der Fantasie die bei ihr #nurimkopf bleiben soll.

Foto: © fenix_live – fotolia.com
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Eine Treppe

Die Treppe sieht aus dieser Perspektive so viel steiler aus als sonst, als hätte sich die Höhe der Stufen verdreifacht. Das Ende kann ich nicht sehen, sie windet sich um die Ecke.

Ich kenne jede Stufe. Hundert Mal, nein, eher tausend Mal bin ich sie schon gegangen, gesprungen, gehastet, geschlichen.

Wie nennt man das, was ich jetzt tun muss? Kriechen? Kraxeln? Beides trifft es nicht wirklich, weil ich die Stufen nicht freiwillig überwinde, sondern hochgezerrt werde. Der Zug an meinen Haaren zwingt mich dazu. Mein Herr, der sich die langen Strähnen fest um die Faust gewickelt hat und meinen Kopf damit in die Höhe seines Oberschenkels bringt, zwingt mich dazu.

Ein Schauder schüttelt mich. Das Bewusstsein, dass ich dabei bin, diese Treppe, die gleiche, die ich jeden Tag x-mal hinauf- und hinuntergehe, nun auf allen Vieren zu erklettern, macht das mit mir. Die Hand in meinen Haaren macht das mit mir. Wie sie es immer tut, wenn ich sie spüre, wenn sie mich packt, mehr als nur meinen Körper überwindet, sondern auch noch mein ganzes Sein dazu.

Nur zögernd lege ich meine Hand auf die erste Stufe, lasse die andere folgen. Ein Stück vorwärts. Noch eines, mein Knie stößt an den kalten Stein. Das Knien ist unbequem, aber das soll es wohl auch sein. Wäre ihm an meiner Bequemlichkeit gelegen, hätte er mir einfach, wie sonst auch, befohlen, nach oben zu gehen. Heute hat er sich anders entschieden.

Ich weiß, was er damit bezweckt. Mein Kopf kann das genau erklären, verstehen, analysieren. Aber es bleibt nicht nur Bauchgefühl. Ein Teil meines Gehirns schaltet um, wenn er das tut, mich so anfasst, so ansieht, so anspricht. Ich reagiere darauf, und wie. Herzklopfen, kürzere Atemzüge, manchmal sogar unscharfer oder Tunnelblick, oder ein Rauschen in meinen Ohren. Intensiv sowas, vielleicht das, was ein Skifahrer vor einer besonders schnellen Abfahrt spürt oder ein Fallschirmspringer vor dem Absprung. Zugleich eine Art Gelöstheit, innere Ruhe, Fokussiertheit.

Nicht zu vergessen die Geilheit. Nein, keine sanfte Erregung, wie nach einem Kuss oder bei dem Anblick seiner nackten Brust. Viel mehr, anders. Eben Geilheit. Verlangen, Sucht, Gier.sensual woman

Ich bin schon drei Stufen gekrabbelt, langsam immer noch, aber stetig.

Etwas lässt mich zögern. Mist, ich weiß, was es ist. Ein letztes Aufbäumen der anderen Hälfte meines Verstandes. Die, die mich zur Rede stellen will, die mich an Emanzipation, Gleichberechtigung, Würde erinnert. Für einen Moment überlasse ich mich diesem Anfall des Wahns, dann bin ich wieder in der Spur. In der, die mir sagt, dass dies meine Art der Freiheit ist, meine Wahl, mein Wunsch, mein Wille.

Ein inneres Aufrichten ist die Folge, eine andere Haltung. Auch wenn ich hier auf den Knien liege, stehe ich innerlich mit geradem Rücken, erhobenem Kopf, stolzem Blick.

Hat mich die Hand gestreichelt, die mich führt? Möglich ist es. Er ist sehr einfühlsam.

Mit dieser Erkenntnis kommt eine andere. Er hat es nicht eilig. Er übt zwar Zug aus, aber er zerrt nicht, schleift mich nicht nach oben. Stattdessen lässt er mir Zeit, meine Zeit. Der Zug ist mehr Ermunterung, Stärkung. Wie eine Hand, die dich am Rücken an einer schwierigen Stelle am Klettersteig nach oben weist. Ein „du kannst das“ mehr als ein „du musst das“.

Eine Welle von Liebe überflutet mich. Ich verdrehe meinen Kopf, bis ich ihn anschauen kann. Er zieht eine Augenbraue nach oben. Eine wortlose Frage nach meinem Befinden. Meinem Wohlbefinden.

Ich nicke beinahe unmerklich.

Die restlichen Stufen geht es schnell voran. Weil ich es so will.

Sein Zug wird stärker, die Hand greift fester.

Ein Beben, Kribbeln im Unterleib, Feuchtigkeit zwischen meinen Schamlippen, schwere Brüste, harte Nippel, trockener Mund. Keuchen. Stöhnen. Oh Gott, ja, genau so.

 

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Beitrag von Master Dan

Liebe Frauen,
für alle, die auf der Suche nach einem dominanten Mann sind, empfehle ich diesen Bericht von Master Dan als Warnung.
Das heißt nicht, dass es unmöglich ist, jemanden zu finden, sondern nur, dass ihr euch auf eine Menge Mist gefasst machen müsst. Habt also Geduld und schießt die Idioten in den Orbit …

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Schaut mal bei Ben Wilder vorbei

Ben Wilder, seines Zeichens Blogger von erotischen Geschichten, ist mit seinem Lusttagebuch umgezogen. Dazu veranstaltet er gleich noch ein Gewinnspiel. Schaut doch mal bei ihm vorbei, er schreibt tolle Storys!

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Bondage – wieso Bondage?

Wie bin ich zum Bondage gekommen?
Ich erinnere mich, dass mein Mann mir vor vielen Jahren beim Sex die Hände mit meinem BH zusammenband. Und an meine Gefühle dabei. Ein Hochgefühl. Ein mentales „Ja! Genauso! Mach weiter!“, das ich nicht aussprach, das aber sicher für ihn fühlbar war.
Warum? Weil ich mir schon seit der Zeit des sexuellen Erwachens (Wann war das? Mit 12, 14? Keine Ahnung, schon lange her!) wünschte, gefesselt, gefangen genommen, überwunden zu werden.
Ich erinnere mich an das Lesen von Marquis de Sade, ich glaube, es war Justine. Abstoßend und faszinierend zugleich. Viel mehr geprägt hat mich aber die Welt von Gor, der Gegenerde (eine SF-Reihe von John Norman). Frauen sind dort vorzugsweise Sklavinnen, sind trotzdem oft erstaunlich stark und kämpferisch, überlassen sich aber (mal freiwillig, mal gezwungen) auch den starken Kriegern.
Nachdem ich das gelesen hatte, träumte ich davon, selbst so eine Frau zu sein. Wünschte mir, auch von einem Raumschiff mitgenommen zu werden auf diese Welt, in der Männer kriegerisch sind und Frauen sinnlich, rein sexuelle Wesen. Und gefesselt werden.
Tja, dann kommt irgendwann die Realität. Ich hatte meinen Teil von Männern – ONS, längere Freundschaften, Affären, wie vermutlich jede junge Frau auch. Keiner von ihnen hat mich geschlagen oder gefesselt. Ich habe nie danach gefragt. So etwas tut frau nicht.
Ich bin schon sehr lange mit meinem Mann zusammen, wir begannen unsere Beziehung wie jedes „normale“ Paar. Damals wussten wir nichts von BDSM, von Spanking oder Bondage.
Bis zu dem Tag, an dem er den BH als Fessel verwendete. Ein kleines Zeichen, aber ein deutliches, denn es kam unerwartet, ohne Absprache, ohne dass ich meine Wünsche geäußert hätte (oder er seine).
Kurze Zeit später war Weihnachten. Ich suchte nach einem Geschenk. Einem ganz Besonderen, das meine Ideen ausdrückte, ohne zuviel zu fordern.
Ich schenkte ihm Stoff, mit dem er mich fesseln konnte. Einfache Streifen, weich, in verschiedenen Längen.
Oh, ihr hättet sehen sollen, wie seine Augen aufblitzten, als er erkannte, was das war.
Im Nachhinein weiß ich, dass unsere Beziehung schon immer von diesem Machtgefälle geprägt war, das eine D/s-Beziehung ausmacht. Ich habe mich ihm schon früher unterworfen, in vielen Dingen. War nach außen die taffe Frau, aber bei ihm das Weibchen, das seine Wünsche erfüllen wollte.
Was das mit Bondage zu tun hat?
Nun, eine Menge. Es gibt Menschen, die brauchen die Fesseln, um ruhig zu werden, um sich ganz in sich selbst zurückzuziehen. Sie verbinden damit nichts Sexuelles.
Andere, wie ich, brauchen die Fesseln, um sich zu unterwerfen. Ich tue es freiwillig, will aber auch gezwungen werden. Liebe das Gefühl, das mir die Seile vermitteln. Er sagt mir damit: „Ich kann dich beherrschen. Du gehörst mir, du wirst gezwungen, dich mir zu unterwerfen.“ Das triggert mich, meine Lust, meine Devotion.
Dass das so funktioniert, liegt aber hauptsächlich daran, dass ich ihm voll und ganz vertraue. Ich kann mich ihm anvertrauen, seinen Händen, die die Seile knüpfen, seinen starken Armen, mit denen er mich hält.
Ohne dieses Vertrauen wäre dieses Spiel für mich nicht spielbar. Wie sollte ich mich fallenlassen, wenn ich darüber nachdenken müsste, ob der Mann, der mich in der Hand hält, nicht zu weit geht?

Ich bin ein Kopfmensch, ich kann das Denken nicht abstellen. Jedenfalls nicht auf Kommando. Nicht, wenn es doch so viel gibt, an das, über das ich noch denken muss. Immer ist da irgendetwas, das noch erledigt werden will und muss. Das Fesseln löscht das Denken aus. Ob es nun ein antrainiertes Verhalten ist oder einfach ein Trigger, ist mir egal. Ich kann in den Fesseln aufhören, zu denken. Dann bin ich nur noch ich, bin ganz bei mir, in mir. Das wird verstärkt, wenn ich zusätzlich Schmerzen empfange, aber das ist ein anderes Thema.

Heute benutzen wir Baumwollseile, weil sie so weich sind. Oder Ketten, weil sie so hart sind.

Keiner von uns beiden braucht kunstvolle Knoten. Seine Knoten haben nur einen Zweck: mich zu binden. Dass man dabei bestimmte Regeln einhalten soll, dürfte klar sein. Wir wollen keinen Unfall, keine Verletzungen. Aber eben auch kein kunstvolles Geknüpfe (Makramee nannte man das früher und stellte damit fürchterliche „Kunstwerke“ her).
Auf der Buchmesse organisierte meine Kollegin Lisa Skydla, an deren Stand ich ausstellen durfte, ein Bondage-Event. Viele kamen. Manche blieben und versuchten es, andere wandten sich beinahe angewidert ab.
Dabei hatte das Shibari, das Harry knüpfte, Bondage-Award-Gewinner der BoFeWo 2017, nichts abstoßendes an sich. Es war asexuell, wenn man das so bezeichnen kann. Eine Demonstration, wie so etwas aussehen kann, dass es nicht verletzt, keine Schmerzen zufügt, eine Gelegenheit, es auszuprobieren. Streicheln mit Seilen, nannte er es. Eine wunderschöne Erklärung, die vielen einleuchtete.
Dabei wurde auch klar, wie unterschiedlich die Menschen auf das Fesseln reagieren. Eine Frau, die anscheinend nie Interesse daran verspürt hatte, war tief beeindruckt. Über die Kunst, die dazugehörte, über die Vorsicht, mit denen der Rigger seine Seile anbrachte, über die Spuren, die trotzdem auf den Armen der Gefesselten sichtbar wurden, aber auch wieder verschwanden. Sie wird sich trotzdem nie fesseln lassen, das machte sie klar. Muss sie auch nicht. Die Lust, gefesselt zu werden, ist nicht ansteckend.
Ich sah aber auch die Augen eines jungen Mannes, der sofort überlegte, wie er seine Begleitung loswerden könnte und dies augenscheinlich auch schaffte, denn er stand pünktlich da und trippelte von einem Fuß auf den anderen, bis er endlich an die Reihe kam. Er gehört sicher zu den „Erweckten“, zu den Angefixten, zu denen, die davon Träumen, die es brauchen, die sich danach sehnen.
Ob er es nun zum Ruhigwerden benutzt, oder es in sexuelle Spiele einbaut, werde ich nie erfahren.
Mir bereitet das Gefesseltwerden Lust. Genauso wie es meinem Mann Lust bereitet, mich zu fesseln oder mich gefesselt zu sehen. Das ist sein Trigger.
Ich bin äußerst dankbar dafür, dass ich den Richtigen gefunden habe, den Topf zu meinem Deckel, den Mann mit den Seilen, der mich fesselt.
Wenn ihr nun auch Lust bekommen habt auf Fesseln oder Gefesseltwerden, dann bitte ich euch um eines: Macht euch schlau, besucht einen Bondageworkshop. Viele werden angeboten, unterschiedlich lang, unterschiedlich tief gehend. Mal für kunstvolles Shibari, Hängebondage (ropemotion.com, bondageproject.com und viele mehr), mal Fesseln fürs Ficken (wie z.B. bei Baumwollseil.de in Karlsruhe). Die Kosten halten sich meist in Grenzen, das Wissen, das dort vermittelt wird ist immer sein Geld wert. Gerade die Kurse für Anfänger sind auch dazu geeignet, herauszufinden, ob ihr das überhaupt wollt, ob es was für euch ist oder eher nicht. Bitte nutzt diese Gelegenheiten, ehe ihr euren Partner überfallt oder euch verletzt.

 

Mein Kollege Tomasz Bordemé, bekennender BDSMler und Dom, erzählt euch auf seinem Blog, wie er zum Bondage gekommen ist. Schaut in der nächsten Zeit noch mal vorbei, auch andere wollen darüber berichten.

Kennt ihr schon Ben? Er erzählt auf seiner Seite Lusttagebuch auch viele schöne Geschichten zum Thema BDSM. Auch er berichtet, wie seine Liebe zu Bondage begonnen hat. Lest selbst.

Nun hat auch Kari sich der Blogparade angeschlossen. Ihren Beitrag findet ihr hier. Ich entdecke eine Menge Ähnlichkeiten zu meiner Einstellung …

 

Foto: ©wisky – depositphotos.com
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