Bitte, bitte, Daddy!

Ich bin (noch) erkältet und hatte mal wieder Zeit, mich einfach treiben zu lassen. Schreiben geht in diesem Zustand nicht. Hören gerade noch, aber das intensive Hören, das die Kontrolle meines Hörbuches erfordert, geht auch nur begrenzt. Also habe ich vor dem PC gehockt und bin in die Tiefen des Internets abgetaucht.
Beim Surfen bin ich wieder einmal auf eine Menge Zeug gestoßen, in dem das Wort „Daddy“ vorkommt. Nicht von Kindern gesagt, sondern von Erwachsenen, wie ihr euch vielleicht schon gedacht habt.
Deshalb muss ich jetzt einfach mal was rauslassen:
Ich habe eine extreme Abneigung gegen das Wort und auch gegen die Geisteshaltung, die dahinter steckt.
Ich bin kein Kind. Schon lange nicht mehr. Ich hatte einen Vater, den ich sehr geliebt habe. Ich habe ihn Papa genannt, aber genauso werde ich jede Art von Kosenamen für Vater auch auf ihn beziehen: Paps, Pops, Dad, Daddy, weil ich in Englisch genauso unterwegs bin wie in der deutschen Sprache.
Mein Mann ist niemals mein Daddy. Mein Mann ist mein Dom, mein Herzallerliebster, und noch eine Menge anderer Namen, die ich für ihn habe. Ich sehe in ihm niemals einen Vater.
Ich brauche keinen Vaterersatz, nur weil ich submissiv bin, sondern immer noch einen Partner. Ich brauche niemanden, der sich um mich kümmert, als wäre ich sein „Baby“, sondern jemand, der mich wie eine erwachsene Frau behandelt. Natürlich genieße ich es, umsorgt zu werden, aber ich möchte genauso gerne umsorgen. Auch in dieser Richtung: Nicht so, wie ich es bei einem Kind tun würde. Niemals.
Und da liegt auch mein Problem. Was tut ein Daddy mit seinem Baby? Welcher Erwachsene kann sich so titulieren lassen, ohne dass in ihm Bilder entstehen von einem Kind, das er benutzt, das sich nicht wehrt, das er „liebt“, nur eben anders, intensiver – unnatürlicher?
Ich habe schon Bücher in hohem Bogen in den Müll geworfen, weil darin von Baby und Daddy die Rede war. Nein, ich mag diese Wörter nicht.
Ja, ich höre einige sagen, dass man das in den USA nicht so genau nimmt. Dort werden Mädels gerne mal Baby genannt, dort spricht man von Sugar-Daddy, wenn der Macker dem Mädel jeden Wunsch von den Augen abliest (und ihn dann mit seinen Mitteln erfüllt).
Trotzdem: mich erinnern diese Bezeichnungen an eine äußerst ungesunde Beziehung und ich mag sie absolut nicht, sondern stehe ihnen sogar voller Misstrauen gegenüber.

Wie steht ihr dazu? Ich bin gespannt, ob ihr gleicher Ansicht seid.

Foto: Quelle: Pinterest (ohne das rote Kreuz!)
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Was auf die Ohren – ein Ausschnitt als Hörprobe

Hallo ihr Lieben,

was macht eine Autorin am Feiertag? Dinge, für die sie sonst keine Zeit hat!

Zeit (und Lust) hatte ich heute für eine kurze Lesung, ein Stück aus dem 2. Teil von Lustvolle Beute. Wie immer: Authentisch, unperfekt, aber dafür echt Margaux Navara!

Viel Spaß all denen, die sich nicht an meiner Aussprache stören (ich schwöre euch, meine Stimme hört sich in echt ganz anders an! Es liegt nur an der Aufnahme ;))

Eure

Margaux

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Guter Schmerz, schlechter Schmerz

Schmerz? Ja, schon, aber auch guter Schmerz?

Nur ein masochistisch veranlagter Mensch kann vermutlich verstehen, was ich mit gutem Schmerz meine. Und es geht hier nicht um den Vergleich von einem angestoßenen Ellbogen-Schmerz zu Lustschmerz.
Nein, nur um Schmerz im Spiel, in der Szene, dort, wo er hingehört. Wo ich ihn haben will.
Und schon sind wir beim Kern des Problems.
Es gibt solche Tage … warum sie anders sind, kann ich gar nicht so genau sagen. Aber sie sind definitiv anders. Wenn dann das Kommando kommt „Beug dich vor! Arsch raus!“ falle ich nicht automatisch in den Sub-Status, bei dem mein Hirn blank wird, meine Muschi nass und alles gut ist. Ehrlich gesagt, passiert das eher selten bei diesen Kommandos. Ich brauche nämlich immer eine Weile, bis mein Hirn umschaltet. Mein Körper ist da erheblich schneller. Schmerz? Dann wird Lust folgen! Also: Produziere Feuchtigkeit, erhöhe die Temperatur, die Atmung, den Herzschlag. Mit einiger Verzögerung folgt dann das Hirn und übernimmt. Oder schaltet sich aus? Keine Ahnung. Wahrscheinlich Letzteres.

Dann sind da diese Tage, an denen der Kopf einfach nicht ruhig sein will. An denen ich mich noch so sehr anstrengen kann, es funktioniert nicht. Jeder Schlag, egal ob mit der Hand oder mit einem Instrument, tut weh. Das erstaunt mich immer wieder, dass ein und dieselbe Handlung doch so unterschiedliche Auswirkungen haben kann.
Wieso? Was macht mein Hirn mit mir, wenn ich umschalte? Sicher gibt es da Chemiker oder Ärzte oder einfach SM-Forscher, die mir das jetzt genau erklären könnten. Aber ich will gar nicht wissen, welches Hormon was bewirkt, weil ich diese Hormone, oder was auch immer das auslöst, ja nicht steuern kann.
An diesen Tagen würde ich am liebsten Nein schreien, möchte mich den Schlägen entziehen, möchte fluchen und protestieren. Aber tatsächlich tue ich es nicht, verwende weder mein Safeword noch breche ich die Szene ab.
Warum? Schwierig. Weil ich hoffe, dass es doch noch kommt? Weil ich es aus Erfahrung weiß? Weil ich meinen Mann nicht enttäuschen will? Oder ist es einfach Dummheit oder Sturheit?

Vor kurzem war es so.

Ich empfand den Schmerz nur als unangenehm. Ich habe nicht abgebrochen. Mein Mann hat es selbst gemerkt, er hat dann aufgehört. Aber auch er hat die Szene nicht endgültig abgebrochen. Nur anders weitergeführt.
Sicher ist das dieser Zauber, den man nur als Paar haben kann, das sich schon lange kennt und sehr gut aufeinander eingespielt ist. Wofür ich extrem dankbar bin.
Was wir dann gemacht haben? Gekuschelt. Ja, genau. Extrem anti-BDSM-mäßig einfach gekuschelt. Und wisst ihr was? Irgendwann war es gut. Irgendwann war ich bereit für Schmerz. Auch das hat er gemerkt.
Ein paar Schläge mit der Gerte zwischen meine gespreizten Beine, ja, genau, auf den empfindlichsten Punkt überhaupt, und ich war kurz vorm Kommen. Ich durfte da noch nicht, aber ich schwöre, noch ein Schlag mehr, und ich wäre im 7. Himmel gewesen. Na ja. So ist er halt. Ich war dann später noch im Himmel, sogar mehrfach. Weil ich wieder in der richtigen Spur war. Zumindest in der Spur, in der unsere Spiele einfach nur gut sind, in der sie mich auf das Körperliche reduzieren und ich meinen Alltag, alle Problemchen, alles Nachdenken einfach sein lasse.

Merke: Er kann das. Nur ich kann es manchmal nicht. Zumindest nicht gleich. Aber später.

Sorry, ich schätze, das ist alles nicht sehr eloquent. Aber es musste raus …

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Lustvolle Beute – Teil 2

 

Ich habe Teil 2 meiner Piratengeschichte fertiggestellt und bei Amazon hochgeladen. Sie ist etwa doppelt so lange geworden wie der erste Teil … und doppelt so heiß, würde ich sagen.

Hier gibt es einen kleinen Ausschnitt:

Darwinias Augenbrauenschossen in die Höhe, ansonsten zeigte sie keinen Widerspruch und stieg in die Wanne, wo sie sich ihm gegenüber niederließ. Die Berührung ihrer Haut löste selbst im warmen Wasser Hitze aus, die sich in ihm ausbreitete. Seine Hand wanderte von alleine dorthin, wo sich all sein Blut zu sammeln schien. Er ließ seine Faust einmal über den Schaft nach oben gleiten, über die Eichel und wieder zurück. Darwinia folgte seiner Bewegung mit gierigem Blick und leckte sich über die Lippen. Genau das wollte er von ihr, ihre Lippen spüren.

„Wäret Ihr so freundlich, Madame?“ Jones wies mit einer Geste auf den harten Ständer, der im klaren Wasser gut zu sehen war.

Sie brauchte einen Moment, bis sie verstand, was er forderte. Er konnte sehen, wie sie den ersten Gedanken verwarf, andere Lösungen durchspielte und wieder zu dem ersten zurückkehrte. Ihre Lippen formten ein O. Jones grinste. Ein guter Anfang. Würde sie den Dienst verweigern?

Nein, nicht diese Frau. Sie zog die Beine unter sich, kniete sich zwischen seine weit gespreizten Schenkel, holte tief Luft und tauchte ab.


Das E-Book ist zur Zeit nur für Kindle erhältlich. Sobald alle drei Teile fertig sind, werde ich daraus auch ein Taschenbuch erstellen (für alle, die lieber etwas Handfestes wollen 😉

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SM-Blogparade „Erniedrigung“

Erniedrigung/Demütigung ist für jeden Menschen anders definiert. Eine sub, die freiwillig alles für ihren Herrn tut, empfindet keine Erniedrigung, wenn sie eine Hausarbeit ausführen muss. Eine Frau, die fest im Leben steht und sich nur ab und an einem Dom/einer Domme unterwirft, wird es als höchste Demütigung ansehen, wenn sie ein Getränk auf Knien rutschend servieren muss. Eine Art der Demütigung, die ihr Schauder über den Rücken laufen lässt und ihr Höschen nässt (sofern sie noch eines trägt), weil sie die Handlung zwar aus der Sicht der Feministin als erniedrigend beurteilt, aber diese sie letztlich genau in die Geisteshaltung versetzt, die sie sich wünscht. Hingabe, Demut (die Ähnlichkeit kommt ja nicht von ungefähr), Devotion, Unterwerfung. Nicht das Gleiche, aber das, was sie will.

Für mich war es früher extrem erniedrigend, mich als sub öffentlich zu zeigen. Schon die Idee, mich als Frau zu outen, die es genießt, unterworfen zu werden, fand ich schrecklich. Zum Glück hat sich das geändert. Na ja, sagen wir mal: Das Ganze ist noch in Bewegung. Ist ja nicht so, als würde ich heute fröhlich im Dorf herumhüpfen und allen meine sexuelle Neigung zurufen.

Soll ich euch also einen Abriss über meine Entwicklung geben? Nein, ich bin immerhin Autorin. Also habe ich für euch eine Geschichte geschrieben. Das, was ich hier in eine Geschichte verpackt habe, wäre also auch meine Erniedrigung, trotzdem ist die Geschichte fiktiv. Nie so passiert. Ich schwöre!


„Komm, wir gehen einkaufen.“

„Ich habe doch schon alles besorgt für das Wochenende. Was brauchst du denn noch?“

Mike packte Teresas Haare, zog ihren Kopf in den Nacken und beugte sich so nah zu ihr, dass sie seine Augen übereinander sah statt nebeneinander. „Respekt, Kleines. Nicht in diesem Ton.“

„Sorry!“

„Ich schätze, das genügt nicht. Du bist in letzter Zeit oft so schnell mit deinem Mundwerk. Mir scheint eine Lektion in Demut angebracht.“

Teresas Augen wurden groß. „Entschuldige bitte, Herr. Ich habe es nicht so gemeint. Kann ich den Einkauf für dich erledigen? Wenn du mir aufschreibst …“

„Nein. Ich denke, wir können den Einkauf mit deiner Erziehung verknüpfen.“

Teresa schluckte, obwohl ihr Mund trocken war. Was plante Mike nur? Sollte sie mit dem Halsband einkaufen gehen? Das wäre nicht das erste Mal. Sie hatte es überstanden, auch wenn ihr schlecht geworden war und sie die ganze Zeit nicht aufgeschaut hatte. Nein, Mike wirkte nicht, als würde er sich damit zufriedengeben.

„Zieh dir ein Kleid an. Eines, das man schnell ausziehen kann. Sonst nichts.“

Oh shit. Sich mit einem Halsband zu präsentieren war eine Sache, aber sich so verfügbar zu machen, eine andere. Teresa folgte der Anweisung mit bangem Herzen. Sie hasste es, unter Fremden zu sein, hasste es, angestarrt zu werden, glaubte bei jedem Spaziergang, jeder Entgegenkommende würde über ihren Kink oder ihre Lust an der Unterwerfung urteilen. Sie verurteilen.

Sie versuchte nicht, ihn während der Fahrt auszufragen. Sie war schlau genug, nicht noch mehr Grund für eine Strafe zu liefern. Mike hatte recht. Sie war häufig zu schnodderig. Nicht weil sie ihn ärgern wollte, sondern eher aus Gedankenlosigkeit. Schon häufiger hatte das Anlass für Strafe gegeben, aber in der Regel begnügte Mike sich mit Dingen wie Orgasmusverweigerung oder dem Verwehren von Dingen, die sie sich wünschte. Heute wirkte er anders. Entschlossener. Dann fiel ihr ein, dass er ja schon mit ihr einkaufen gehen wollte, ehe sie so respektlos geantwortet hatte. Was wollte er kaufen?

Vor dem riesigen Sexshop neben der Autobahn stieg sie mit zitternden Knien aus. Auch diese Angst musste sie jedes Mal aufs Neue überwinden. Würde sie jemanden treffen, der sie kannte? Der sie komisch anstarrte? Der sah, was Mike einkaufte?

Mike packte ihre Hand. „Du schämst dich für mich, nicht wahr?“

„Nein!“ Sie schrie es beinahe. Nein, niemals, doch nicht für ihn! „Mike, ich … ich …“

„Was ist es dann?“ Seine Stimme klang hart, aber sie spürte, dass er sie wirklich nicht verstand.

„Nicht für dich, Mike. Für mich. Ich schäme mich, weil ich Angst habe vor dem, was die anderen über mich denken.“ Wieder sah sie zu Boden. Um was ging es ihm denn heute? Was wollte er von ihr?

„Wenn du dich für das schämst, was wir tun, dann schämst du dich auch für mich. Eine Scham, die nicht angebracht ist, denn wir tun es gemeinsam, wir leben unser Leben gemeinsam.“

„Sicher, Mike. Aber ich kann nicht einfach über meinen Schatten springen.“

„Aber ich kann dir zeigen, wie es ist und wie es sein kann. Komm mit. Ich erwarte Gehorsam, Teresa.“

Der Laden war nicht wirklich so schäbig, wie sie ihn in Erinnerung hatte. Klar, dort gab es die Kabinen, hinter denen sich für sie unvorstellbare Dinge abspielten, aber der Rest sah eigentlich ganz normal aus. Um diese Zeit hielten sich nur wenige Menschen hier auf. Vorwiegend Männer. Teresa ließ automatisch die Haare ins Gesicht fallen. Sie konnte nicht anders.

„Bleib hier stehen. Ich muss etwas klären.“ Mike ließ sie in der hintersten Ecke vor dem Regal mit riesigen Dildos alleine. Teresa wäre am liebsten im Boden versunken. Wenn jemand sie hier sah, würde er denken … sie schämte sich zutiefst.

Es dauerte eine Weile, bis Mike kam. Er fand sie hinter einem Vorhang aus Haaren, wie sie das Muster des Fliesenbodens studierte, als müsse sie es später aus tausend Vorlagen wiedererkennen. Er nahm ihre Hand und führte sie in eine andere Ecke. „Ich möchte neues Spielzeug haben. Ich bin noch nicht sicher, welches. Wir werden verschiedenes ausprobieren müssen.“

Ausprobieren? Seit wann konnte man in einem Sexshop etwas ausprobieren?

„Was hältst du von diesen Fesseln?“

`Diese´ Fesseln bestanden aus einem querliegenden Stab, der von ledernen Cuffs umgeben war und von einem stabilen Haken gekrönt wurde. Nichts, was sie schon mal verwendet hatten. Zuhause hatte Mike verschiedene Haken an Wand und Decke angebracht, an die er sie gerne mit Juteseil fesselte. Das hier wirkte so viel stabiler, härter.

Mike legte ihr die Halterungen an. Es fühlte sich gut an, wie das Leder ihre Handgelenke umschmeichelte. Sie schloss die Faust um die Stangen, ließ das Gefühl für eine Sekunde auf sich wirken und streckte ihm dann die Hände wieder entgegen. „Nein, die sind zu schwer, Mike.“

Sie sah eine Bewegung hinter ihm. Automatisch trat sie in Mikes Schatten in der Hoffnung, sich vor dem Blick des Fremden verstecken zu können. Besonders die gefesselten Hände presste sie jetzt an seine Brust. „Machst du die bitte ab?“

„Nein.“

Der Mann kam näher, ging im Gang an ihnen vorbei, nicht ohne eine Blick auf Teresas Hände zu werfen. Sie drehte ihm den Rücken zu. Sie fühlte sich so unwohl. Hoffentlich würde Mike sich schnell entscheiden können.

„Mal sehen, was wir noch brauchen können. Wie wäre es hiermit?“ Diesmal wählte Mike einen steifen Halskragen.

Nein, so lang war ihr Hals nicht, sie würde sich nicht mehr rühren können. „Mike?“

„Ruhe.“

Sie erinnerte sich an seine Drohung und an die Anweisung, zu gehorchen. Auch wenn es schwerfiel, schluckte sie also ihre Widerworte und Bitten und erst recht das Maulen herunter. Mike legte ihr den Kragen an, ohne die Handfesseln zu entfernen. Tatsächlich konnte sie den Kopf nicht mehr beugen, sondern hielt ihn gezwungenermaßen stolz erhoben. Dabei fühlte sie sich kein bisschen stolz, sondern ängstlich. Ihr Herz schlug heftig, sie spürte kalten Schweiß im Rücken.

Der Weg zu der nächsten Stelle war Folter. Mike zerrte sie erst ein paar Schritte, dann blieb er stehen, drehte sich um und setzte seinen Blick auf. „Folge mir, Sub.“

Oh, diese Stimme. Sie schluckte krampfhaft. Sie würde sich dieser Stimme nicht widersetzen. Leider schaffte die Stimme es nicht, sie in die richtige Stimmung zu versetzen. Jedenfalls nicht die Demut gepaart mit freudiger Erregung, die sich normalerweise einstellte, wenn sie spielten.

Sie hörte Schritte hinter sich. Oh Gott. Wer war das? Was dachte er? Als Mike sie vor einem Stück Wand, an dem keine Regale oder Haken angebracht waren, umdrehen ließ, erkannte sie eine Frau, die ihr zulächelte. Teresa schloss für einen Moment die Augen. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Es wurde noch schlimmer.

Mike packte eine Hand, hob sie an und schon war sie fixiert. Natürlich wehrte sie sich nicht dagegen, als er auch die zweite Hand in ihrer schweren Fessel irgendwie an der Wand hinter ihr befestigte, aber sie wollte auch die Augen nicht mehr öffnen.

„Schau mich an!“ Mikes Stimme erklang dicht an ihrem Ohr.

Sie öffnete die Augen, ihr Blickfeld ausgefüllt von seinem Gesicht. Gottseidank. So sollte es bleiben.

„Lass die Augen offen. Schau dir an, wer dich anschaut. Schau dir an, was sie von dir denken, was sie von dir halten. Schau dir an, was ich mit dir mache und was das mit anderen macht.“

Mike trat einen Schritt zurück und sie erhaschte einen Blick auf mehrere Gestalten hinter ihm. Ihr Herz rutschte endgültig in die Hose.

„Was macht es mit dir, Teresa? Sag es mir.“

Nein. Nein, sie konnte diesem Befehl nicht folgen. Brachte kein Wort über die Lippen. Alles krampfte sich in ihr zusammen, sie wünschte sich, sie würde schrumpfen, sich auflösen, mit der Wand verschmelzen, unsichtbar werden. Wo waren diese blöden Unsichtbarkeits-Capes, wenn man eines brauchte?

Sie schaute in die Gesichter. Die Frau lächelte immer noch, nicht abfällig, sondern mit vor Begeisterung strahlenden Augen. Sie sah aus, als wünschte sie sich an Teresas Stelle zu sein. Wie konnte sie nur? Ein Mann stand seitlich der Frau. Sein Blick lief abschätzend an Teresas Körper herab. Was dachte er? Was sah er? Verurteilte er ihr Verhalten oder ihr Aussehen? Bestimmt tat er das. Bestimmt fand er sie zu fett oder dachte abfällig über sie. Ein junger Mann, der nur zufällig einen Blick in ihre Richtung geworfen hatte, pfiff durch die Zähne und änderte sofort seinen Kurs. Er stellte sich näher als die anderen, auf kaum Armeslänge entfernt. Sein Blick wirkte anerkennend, aber auch lüstern.

Nein, Teresa wollte alle diese Blicke nicht mehr sehen. Sie versuchte, ihr Haar über ihr Gesicht fallen zu lassen, aber es war einfach unmöglich mit der Halskrause. Mike hatte sie in Ruhe gelassen. Oder wollte er einfach beobachten, wie sie reagierte? Sie kannte das von ihm. Er schaute genau hin, beachtete ihre Regungen. Warum konnte er dann nicht sehen, dass sie sich extrem unwohl fühlte? Dass ihr schlecht war, sie Bauchweh hatte?

Mike beharrte zum Glück nicht auf einer Antwort auf seine Frage. Stattdessen fragte er in die Runde: „Was glaubt ihr, was ihr gut stehen würde?“

„Striemen.“ „Nippelklemmen.“ „Ein Schwanz vorne, einer hinten und einer ins Maul.“ Die letzte Bemerkung kam von einem schäbig bekleideten Kerl, der eben erst dazugestoßen war.

„Striemen?“ Mike schaute den jungen Mann an, von dem die Bemerkung gekommen war. „Und was soll die Striemen machen?“

„Ein Rohrstock. Der macht sehr schöne Striemen, die du in einem Muster setzen kannst.“

„Kannst du das auch?“

Jetzt blitzen nacheinander Erstaunen, dann Vorfreude und zuletzt diebisches Vergnügen in den Augen des Mannes auf. „Klar. Nur her damit.“

Eine Frau mit einem Namensschild, also augenscheinlich die Verkäuferin, ging weg und kam nach einem Augenblick mit einem Stock wieder. „Die Rohrstöcke müssten erst gewässert erden. Dieser hier ist aus Kunststoff und erfüllt den gleichen Zweck. Außerdem ist er hygienisch, weil abwaschbar.“

Teresa hätte sich fast in die Hose gemacht. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Mike würde dem doch sicher gleich ein Ende machen, oder? Tatsächlich stellte Mike sich dicht vor Teresa, so dass er wieder ihr Blickfeld ausfüllte. „Wie fühlst du dich?“

„Mike, ich … ich habe Angst. Bitte, Mike, mach mich los. Ich möchte das nicht.“

Sie spürte Bewegung an ihrem Kleid. Mike hob den Saum an, packte den Stoff mit beiden Händen und steckte ihn in ihren Ausschnitt. Sie spürte, wie dieser nach unten gezogen wurde. Sicher gab er einen Teil ihrer Brust frei. Aber auch um ihre Beine und um ihre Muschi ging ein Luftzug. Oh Gott, er hatte sie vor aller Augen entblößt. Sie schämte sich so!

Was zum Teufel? Mikes Finger – waren es überhaupt Mikes Finger? – berührten ihren Venushügel, glitten dann zwischen ihre Beine, drangen in sie ein. „Wenn du dich so schämst, warum bist du dann so nass?“

Sie keuchte auf, als er seine Finger krümmte. Verdammt, das fühlte sich so gut an! Eine Fülle, die ihr gefehlt hatte, wie sie erst jetzt erkannte. Eine Fülle, die sie herbeigesehnt hatte, ohne es zu wissen. „Ich … ich …“

„Teresa, sag einen ganzen Satz. Und ich warne dich: Wenn es keine klare Ablehnung ist, dann gilt es nicht als solche.“

Sie presste die Lippen zusammen, ließ ihn nicht aus ihrem Blick. Was sollte sie tun? Sie brauchte ihm nur deutlich zu sagen, dass er aufhören sollte. Warum tat sie es dann nicht? Warum wollten die Worte nicht über ihre Lippen? Die Antwort erschreckte sie so sehr, dass sie sich die Erkenntnis, die damit verbunden war, nicht eingestehen wollte. Also schwieg sie, schluckte schwer, aber öffnete ihre Lippen nicht einen Millimeter.

Mike küsste sie auf Lippen, Augen und Nasenspitze, dann drehte er sich um und sprach leise mit dem jungen Mann. Ihr war das Aufblitzen in seinen Augen nicht entgangen. Wieder einmal hatte er sie richtig eingeschätzt. Warum wehrte sie sich nicht, sagte die Worte nicht? Sie hatte Zeit, darüber nachzudenken. Weil sie ihm gehorchen wollte, eine gehorsame sub sein wollte, ihn nicht bloßstellen wollte. Ja, auch. Und mehr, irgendwo in ihr drin, das sie sich immer noch nicht eingestehen wollte.

Der junge Mann trat vor. „Erlaubst du?“

Teresa nickte unmerklich, da der Kragen kaum Bewegung zuließ. Er rührte sich nicht, schaute sie weiter an.

Also atmete sie tief durch, dann sagte sie leise: „Ja.“ Mehr ging nicht, ehrlich nicht.

Ein Schlag traf ihren Oberschenkel. Leicht. Zu leicht. Der nächste wurde mutiger ausgeführt und schmerzte. Der danach tat richtig weh und trieb Teresa Tränen in die Augen. Nur fünf Schläge, dann hörte es auf. Teresa atmete schwer, keuchte mit offenem Mund.

„Du hast eben Nippelklemmen erwähnt?“ Mike wandte sich an die junge Frau.

„Es gibt hier so Ketten, an denen zwei Klammern für die Nippel sind und eine für die Klit.“

Teresa schaute nicht hin. Sie wollte einfach nicht. Viel lieber registrierte sie die Reaktion ihres Körpers. Das Kribbeln der Haut. Die Nippel, die sich aufstellten bei der Vorstellung, gleich Schmerz ertragen zu müssen. Ihre Pussy, die feucht war und pulsierte und ihre Klit, die erwartungsvoll anschwoll. Alles Empfindungen, die sie kannte und die doch heute zehnfach verstärkt waren, weil sie hier stand. Vor aller Augen. Weil sie sich zutiefst schämte für das, was die Menschen sahen und mehr noch für das, was sie dabei fühlte.

Jedes Mal, wenn die Verkäuferin das genannte Teil heraussuchte, aus der Verpackung nahm und es wie bei einer Tupperparty anpries, kam Mike zu ihr, steckte seine Finger in ihre Muschi, pumpte ein paar Mal und inspizierte ihr Befinden. Nein, sie brauchte die Berührung nicht, um ihre Erregung am Simmern zu halten. Die blieb von ganz alleine auf einem hohen Level. Was sie brauchte, war die Versicherung, dass er sich um sie kümmerte, sie nicht allein ließ, sie letztlich bei ihm geborgen war. Das Brennen ihrer Wangen konnte sie nicht ablegen, die Scham über die Bemerkungen der Zuschauer auch nicht.

Auf dem Nachhauseweg ließ Mike seine Hände über die Striemen auf ihren Schenkeln gleiten. „Hübsch. Wenn auch nicht so regelmäßig, wie ich es mir gewünscht hätte. Der mit dem blauen Hemd hatte zu wenig Kontrolle über sich.“

Teresa schauderte noch bei der Erinnerung an den Mann, der mit der Gerte ihren Venushügel treffen wollte, aber sie auch auf den Bauch geschlagen hatte. Nur einmal, dann hatte Mike ihm die Gerte entrungen. Dafür war die kleine, rundliche Frau sehr treffsicher mit dem schmalen Paddel gewesen und hatte dafür gesorgt, dass ihre Schamlippen nun auf das Doppelte angeschwollen waren.

Sie schafften es kaum hinter die Haustür. Ohne eines der gekauften Spielzeuge zu verwenden, fiel Mike über sie her. Und sie über ihn.


Nachsatz:

Willst du das Spiel mit der Erniedrigung in dein Repertoire aufnehmen? Dann beachte bitte folgende Hinweise: Eine Erniedrigung darf nicht die körperliche Erscheinung betreffen oder die Stellung im Leben des/der Sub (also weder Arbeit noch Herkunft oder ähnliches). Dann ist es nämlich kein Spiel mehr. Ich bin der Ansicht, dass es da eine deutliche Grenze gibt, so wie es eine Grenze gibt zwischen hartem Sex und Missbrauch, zwischen D/s und einfach schlechter Behandlung einer Person, die sich nicht wehren kann oder will. Wie erkennt Dom diese Grenze? Liebst du die Person, der du das antust, fühlst du zumindest tief für sie, interessiert dich ihr Wohlergehen? Dann kannst du auch spüren, wenn die Erniedrigung sie zu tief trifft. Hör auf, ehe du der Beziehung einen bleibenden Schaden zugefügt hast. Für subs gilt ähnliches: Fühlst du dich trotz allem noch im Spiel? Wenn du merkst, dass dich die Handlungen des Doms zu tief treffen, wenn sie wirklich wehtun, anstatt dir den Reiz des über die Grenzen hinausgehenden Spiels zu bringen, dann ist es Zeit, dein Safeword zu benutzen oder Nein zu sagen oder einfach dein Unwohlsein auszudrücken.

Gerade bei diesem Spiel ist es sehr wichtig, dass die Grenze nicht überschritten wird. Einem Menschen, der mich so bloßstellt, dass es mir in der Seele wehtut, kann ich nicht vertrauen, dass er das nicht wieder und wieder tun wird. Das wäre für mich ein absolutes No-go und damit das Ende der Beziehung.

Trotzdem kann es sehr erregend sein. Willst du das Spiel leicht halten und suchst nur nach einer angemessenen Strafe, da sub sich über jeden Gebrauch eines Schlagwerkzeugs nur freut, dann frage dich bei jeder Idee, die du hast, ob die Aufgabe, die du sub stellst, diese wirklich beschämt oder ob sie die geheimen Wünsche des devoten Parts erfüllt.

Du siehst, das Spiel mit Erniedrigung ist nicht einfach. Vielleicht hast du es auch schon längst eingebaut, ohne es so zu benennen?

Vielleicht träumt aber sub nur von Erniedrigung und würde sofort davonlaufen, wenn sie Wirklichkeit werden sollte? Weißt du, was in diesem Fall hilft? Reden. Und danach reden und nochmal reden. Kommuniziert eure Wünsche, eure Vorstellungen. Es gibt kaum einen Dom, der geheime Wünsche erahnen kann. Das wäre dann ein subflüsterer, oder? 😉 Von denen soll es höchstens ein oder zwei geben, habe ich gehört. Und sub trägt, wie ich es immer wieder betone, die gleiche Verantwortung für ihr/sein Wohlergehen und das von Dom/Domme. Bitte gib den Verstand nicht gänzlich dort ab, wo auch immer du deine Kleidung ablegst.

In den nächsten Tagen, verteilt über den ganzen Oktober, wird die Blogparade weitergehen. Jeder Blogger wird seine Sicht über das Thema auf seine Weise darlegen. Ich werde die Blogs hier verlinken, sobald die Beiträge erscheinen. Schau also immer mal wieder rein oder abonniere die entsprechenden Blogs, damit du immer auf dem Laufenden bleibst.

Die nächsten Beiträge sind online:

Tanja Russ

Tomasz Bordeme

Remi – Seitenspringerin

Lady Keks

Taras Ropes

Marie Moreau – Herzinfucked

Falbalus – Training of O

Ophelia – Mein Leben im Pelz

Der DOMpteur

Foto: ©Chris tefme@depositphotos.com

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