Ohne Höschen

„Komm ohne Höschen“, schreibt er.

Och nö. Nicht schon wieder derselbe Spruch, denke ich. Warum glauben Männer, es sei so toll, wenn eine Frau ohne Höschen neben ihnen sitzt? Noch dazu im Theater? Okay, er hat Loge gebucht, aber wir werden nicht alleine sein, mindesten drei oder vier Leute sitzen neben uns. Außerdem gibt es da ein Problem, das die meisten Männer nicht bedenken: eine Frau, die sexuell erregt ist, sondert Feuchtigkeit ab. Ja, genau, dort, wo das Höschen sitzen sollte und sie auffangen kann. Wenn es denn da ist. Und wenn nicht? Schon mal mit einem feuchten Fleck auf dem Kleid inmitten von dreihundert Menschen gestanden? Nein? Genau. Die Vorstellung sollte genügen.

Also muss ich mir etwas überlegen.

Wir treffen uns vor dem Theater. Gut sieht er aus mit dem Anzug, dem weißen Hemd, der Krawatte, besser noch als auf den Fotos. Sein Dreitagebart kratzt genau richtig über meine Wange. Ich reibe mit Absicht gegen den Strich, weil ich das Kratzen spüren will. Er soll wissen, dass ich es rau mag, aber das sollte er aus meinen Mails herausgelesen haben.

Er lacht leise und beim Küsschen auf die andere Backe beißt er mir ins Ohrläppchen. Uh, Gänsehaut! Das fängt ja gut an.

„Hast du meine Anweisung befolgt?“, raunt er mir ins Ohr.

Ich lächle geheimnisvoll und schweige. Wenn er es nur glaubt, ist sein Spaß garantiert.

„Folge mir.“ Er fasst mich zur Sicherheit am Ellbogen. Nicht zu aufdringlich, aber bestimmt, geleitet er mich durch die Menge, dann den Flur mit den Toiletten entlang zu einer in die Wandverkleidung eingelassenen Tür. Er betätigt die Klinke und sie wird aufgezogen. Ein Mann steht dort, der ihn prüfend anschaut. Mein Begleiter drückt ihm diskret etwas in die Hand und schon lässt er uns durch.

Wir sind im Untergrund, dort wo Kulissen stehen und Accessoires. Es riecht staubig und ein bisschen muffig. Mir wird mulmig. Wenn wir uns länger hier herumtreiben, wird mein Kleid leiden, da bin ich sicher. Auch sein Anzug wird mit Staub überzogen, und sollten wir jemals wieder auftauchen, wird sofort ersichtlich sein, was wir getan haben. Denn dass wir nicht hier unten sind, um die Bühnenbilder zu diskutieren, ist mir klargeworden.

Doch er scheint vorgeplant zu haben, wie immer das auch zugegangen sein mag. Ich stelle mir vor, wie er mit dem Bühnenarbeiter oder gar dem Regisseur vereinbart, dass dieser Raum uns für ein Schäferstündchen zur Verfügung stehen soll. Inklusive Aufpasser, damit uns niemand stört. Und einem roten Tuch, das über einer Chaiselongue hängt und das er jetzt auseinanderfaltet.

Auf einmal ist er nicht mehr so zuvorkommend, sondern stößt mich von sich, dass ich rücklings auf das Sofa falle. Mir bleibt fast das Herz stehen. „Heh!“

„Zieh das Höschen aus. Entweder du folgst meinen Anweisungen oder wir können das Ganze gleich beenden.“

Erwischt. Dabei hatte er noch nicht einmal eine Hand auf meinem Hintern. Und man sieht durch dieses Kleid garantiert keinen Abdruck. Ich habe es extra ausgewählt, weil der Stoff so dick ist, dass keine Flecken sichtbar werden. Zumindest keine Feuchtigkeit, die von innen nach außen dringt.

Ich möchte auf keinen Fall, dass das Spiel schon hier endet. Gerade seine Anweisung macht mich heiß. Aber noch möchte ich das Zepter nicht aus der Hand legen. Ein neuer Mann muss getestet werden, das ist wohl klar. In einem Chat kann ich unmöglich erkennen, ob er der Richtige ist.

Meine Finger streifen das Kleid im Zeitlupentempo nach oben, bis der Saum etwa eine Handbreit unter meiner Muschi ist. Mehr wird er nicht zu sehen bekommen. Nicht jetzt.

Ich hatte mich für alle Eventualitäten vorbereitet. Auch für ein einfaches Entkleiden. Meine Finger kriechen langsam, so langsam unter den Saum, während ich ihn nicht aus den Augen lasse. Das Licht hier unten ist gedämpft, aber ausreichend, seinen Ausdruck zu erkennen. Er schaut mich von oben herab an, ein wenig überheblich zieht er eine Augenbraue nach oben. Mal sehen, wie lange er diese Haltung beibehält.

Das Band lässt sich gut greifen, es gleitet über meine Hüfte. Noch ist nichts zu sehen. Die Hand ziehe ich wieder unter dem Kleid hervor. Leer.

Jetzt kneift er die Augen zusammen.

Meine andere Hand wandert noch langsamer nach oben, ohne mehr von meinen seidig bestrumpften Beinen zu zeigen als zuvor. Lieber verrenke ich mich, als dass ich zu freizügig vorgehe. Sein Blick wandert zu meinen Augen, doch er bleibt am Oberkörper hängen.

Mist, Ich habe doch nicht an alles gedacht. Er kann mir tief in den Ausschnitt schauen, kann mehr als den Ansatz meiner Brüste sehen, denn sie werden nicht von einem Büstenhalter bedeckt. Dieses Wissen wirft mich ein wenig aus der Bahn. Nur ein wenig. Na gut, eigentlich sehr viel mehr. Es lässt mir die Röte in die Wangen steigen, vermutlich auch ins Dekolleté.

Da wollte ich wesentliche Dinge vor ihm verbergen und entblöße mich dabei.

Wäre ich nicht für die Oper gekleidet, könnte ich mit einem kurzen Zucken meine Haare über den Ausschnitt fallen lassen, aber um des Gesamteindrucks willen habe ich sie hochgesteckt.

Er räuspert sich, ein deutliches Zeichen der Ungeduld. Ich bin versucht, mit ihm zu argumentieren, aber sein jetzt finsterer Blick und der grimmig zusammengepresste Mund sprechen dafür, es zu lassen. Er will mich ohne Höschen. Und zwar flott.

Es kostet Nerven, dieses Schneckentempo beizubehalten, aber ich schaffe es. Ganz langsam nur senkt sich der Stoff, wandert über meine Oberschenkel, gleitet über die Knie, die Waden, die Knöchel.

Ich bin nass und beglückwünsche mich zu meinem Kleid. Es mag einen Hauch zu warm werden, aber auf keinen Fall werde ich meinen Status verraten. Selbst die harten Nippel werden nicht zu erkennen sein. Unnötig, alle Welt wissen zu lassen, dass wir uns aufheizen für die Zeit nach Vorstellungsende.Depositphotos_32784101_l-2015 vladvitek

Er streckt die Hand aus und endlich lege ich das winzige Stück Stoff hinein.

Hoffentlich hat die Vorstellung noch nicht angefangen. Ich freue mich auf die Oper, noch dazu auf den Platz in der Loge. Und auf das Danach.

Mit starker Hand zieht er mich hoch, bis ich dicht vor ihm stehe, sehr dicht. So dicht, dass meine Brüste seine Brust berühren. Ich muss schlucken, sein Geruch füllt meine Nase und seine Wärme strahlt auf mich aus.

„Du hast meine Anweisung nicht befolgt. Dafür wirst du bestraft.“

Ich schaue mit großen Unschuldsaugen zu ihm auf. Wie will er mich hier bestrafen? Wir werden es auf später verschieben müssen. Noch etwas, auf das ich mich freuen kann.

Er schüttelt den Kopf, einmal, zweimal. Langsam und mit süffisantem Grinsen. Dann flüstert er: „Jetzt sofort.“

Kann er meine Gedanken lesen?

Wieder übt er Druck aus, diesmal muss ich mich umdrehen, auf das Sofa knien, wenn ich nicht fallen will und mich an das Polster lehnen.

Ein Spanking? Das wäre zu laut. Was dann?

Mit einer Bewegung schlägt er den Stoff meines Kleides nach oben, bis ich bis zur Hüfte nackt bin. Schade, ich wollte diesen Moment doch hinauszögern.

Nicht schade. Oh nein. Er beugt sich über mich, bis ich sein Gewicht auf mir spüre. Was jetzt? Ein Fick? Hier?

„Ich weiß, dass Frauen nicht gerne ohne Slip unterwegs sind. Sie machen sonst Flecke auf ihr Kleid. Nicht wahr?“

Ein Connaisseur. Wer hätte das gedacht? Ich antworte nicht, denn ich ahne jetzt, dass er mehr vorgeplant hat als ein Stück rotes Tuch.

Ein kühles, hartes Ding, phallusgroß, schiebt sich in meine nasse Muschi, dann legt sich etwas über meinen Schritt. Schließlich bindet er rechts und links Schleifen.

Schon stehe ich wieder vor ihm. Bekleidet wie zuvor. Keine Spuren auf mir, nicht einmal ein Stäubchen.

„So. Jetzt genießen wir die Oper. Ich zumindest.“

Bis wir auf unseren Plätzen sitzen, habe ich mich an die Größe gewöhnt, nicht aber an das unregelmäßige Summen und Vibrieren in mir. Es treibt mich zum Wahnsinn. Gerade ehe ich kommen kann, hört es auf. Genau einen Millimeter davor. Dann wartet er ab, bis ich meine Augen wieder auf das Geschehen auf der Bühne fixieren kann und sie nicht mehr völlig verdreht sind, bis meine Zehen sich wieder aufgerollt haben und meine Fingernägel sich nicht mehr in die Lehne bohren.

Spaß hat er. Ideen hat er auch. Und er lässt sich nicht toppen.

Könnte sein, dass er der Richtige ist.

 

 

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Kopf und Hände – und wie schreibst du?

Da schaut man ganz unbedarft in den Reader und schon purzeln die erotischen Storys nur so herein, von Annas Welt der Männer und von Ben Wilders Lusttagebuch. So kann ein Tag beginnen. Das bringt mich in die richtige Stimmung.
Da fragte mich kürzlich jemand, wie ich es mache. Das Arbeiten, genauer das Schreiben, meinte er. Ich antwortete: „Natürlich am PC. Alleine. Das meiste davon im Kopf. Aber nicht alles …“
Nun, zunächst ist der Kopf dran. Ich habe Bilder im Kopf, ganze Sequenzen, kleine Filme, die ablaufen. Mal in Highspeed, mal in SlowMo. Manchmal so schnell, dass ich kaum nachkomme, und sie immer wieder abspulen muss, heranzoomen muss, auch mal auf die Stopptaste drücke und sie einfrieren lasse.
Dann kommen die Finger an die Reihe. Sie beginnen langsam, dann werden sie immer schneller, ein flüssiger Bewegungsablauf, der ohne Nachdenken funktioniert. Das halte ich eine Weile so durch, bis die Bewegung so schnell wird, dass sie stolpern, sich verhaken. Erratische Zuckungen und wildes Gefummel.
Zeit für eine Pause.
Vom Schreiben.
Was dachtet ihr denn?

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Spreader-Bar-Test

Durch diesen Artikel auf Erosa.de über den Test einer Spreader-Bar, auf deutsch: Spreizstange, stellt sich mir die Frage: Warum dürfen wir die nicht testen? Die Antwort lautet sicherlich: Weil du keinen Erotikblog betreibst, auf dem auch Werbung erscheint. Diese Antwort ist natürlich zu 100 % richtig. Deshalb verlinke ich den Artikel auch nicht, um Werbung für einen Shop zu machen, sondern nur, um auf den Einsatz einer solchen Stange hinzuweisen.

Wer auch nur einigermaßen BDSM „lebt“ (oder sollte ich sagen „spielt“?) braucht sowieso kein solches Paket mit Kunstlederfesseln, denn Mann oder Frau besitzt dann schon längst echte Lederfesseln (deren Geruch und Gefühl immer auch zum Spiel beiträgt …). Womöglich liegt dann auch schon eine selbstgebaute Stange dabei (aus einem Besenstiel mit Ösen).

Für alle, die das noch nicht kennen, ist eine Stange wie die vorgestellte vermutlich die richtige Entscheidung. Dass sie sich in der Länge verstellen lässt, ist praktisch, so kann das Spiel variiert werden. Egal, ob man mit Seilen oder Ketten arbeitet, es bieten sich viele Möglichkeiten der Fixierung an.

Wie weit man danach geht, ob Schlaginstrumente zum Einsatz kommen, die Hand oder letztlich nur die Zunge des Partners, ob Federn oder Wachs oder ein Nervenrad, bleibt der Fantasie des Ungefesselten überlassen.

Aber wem erzähle ich das … 😉

 

Viel Spaß beim Ausprobieren allen, die ihrem Spieltrieb nachgeben und sich gerne neuen Ideen öffnen 😉

 

Eure Margaux

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Unterweisung im Herrenhaus und Love Me

Liebe Leser,

eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst:

Wer auf der Suche nach der Taschenbuchausgabe von Unterweisung im Herrenhaus oder Love Me – The Hard Way ist, muss sich ein paar Tage gedulden.

Ich wechsle die Vertriebsart, deshalb muss ich es bei Amazon aus dem Verkauf nehmen.

Und nun die gute Nachricht:

Danach werden diese beiden Romane, wie bereits Hot and Dirty, in JEDEM Buchladen erhältlich sein.

Okay, natürlich stehen sie nicht in den Regalen. Da die Erotikabteilungen eh immer kleiner werden, ist kein Platz mehr neben den von den Verlagen gesponserten Bestsellern. Aber erhältlich sind sie trotzdem, nämlich als Bestellung. Man braucht nur die ISBN (bei einem guten Händler genügt der Titel …). Diese findet ihr auf der Seite Bücher und Kurzgeschichten.

So, genug Eigenwerbung.

Als Trost für alle, die es bis hierher ausgehalten haben, gibt es einen winzig kleinen Ausschnitt aus dem Roman, an dem ich zur Zeit arbeite. Nur zum Warmwerden. Nicht als ob wir das nötig hätten bei der Hitze, deshalb ist es keine Szene, bei der euch warm wird, sondern eher was zum Lachen.

Darleen wünschte sich feste, entschlossene Treffer. Keine, die Blut fließen ließen oder sie verunstalteten, aber eindeutig mehr, als der Mann zu geben bereit war. Wie hieß er noch gleich? Sir Dragon oder Sir Dominus oder so. Egal. Er war einfach nicht der Richtige für sie. „Rot!“
„Oh mein Gott, es tut mir leid!“
Darleen löste ihre Hände von dem Leder des Strafbocks, über den sie sich gelehnt hatte. Dann atmete sie tief ein. Wie sollte sie es schaffen, ihn ihre Enttäuschung nicht sehen zu lassen? Der Mann war so wenig dominant wie sie. Wieder einmal war sie auf ein Profil hereingefallen, das so vielversprechend klang.
Sir Zögerlich legte die Gerte auf das mit schwarzem Stoff umhüllte Regal. „Hör mal, wir können doch noch in den Darkroom gehen. Was hältst du davon? Ein bisschen Spaß haben?“
Selbst mit seiner vermeintlichen Fürsorge, die er eben noch so übertrieben hatte, schien es nicht weit her zu sein. Sollte er jetzt nicht Nachsorge betreiben? Sie ein wenig knuddeln, warm einpacken, mit ihr reden, die Szene rekapitulieren?
„Nein danke. Ich habe genug für heute.“
Sie war nicht auf Ficken aus. Überhaupt nicht. Sollte es sich so ergeben, hatte sie nichts dagegen einzuwenden, aber dann nur mit einem Mann, der sich wenigstens bemühte. Dieser hier hatte das Programm abgespult, das sie im Chat vereinbart hatten, war viel zu vorsichtig vorgegangen, hatte nichts von dem Dom an sich, den sie sich erträumte. Warum noch Zeit in ihn investieren? Oder versprach er sich eine Belohnung für die viele Arbeit? „Geh nur, hab Spaß. Du wirst schon jemanden finden.“
„Oh klar, im Darkroom finde ich immer jemanden. Willst du es nicht mal ausprobieren? Man weiß nie, ob man einen Mann oder eine Frau berührt. Einmal hätte mich beinahe einer von hinten genommen. Der hatte nicht bemerkt, dass ich keine Frau bin!“ Der etwas rundliche Mann mit den Hängebrüsten kicherte wie ein Schulmädchen.
„Na, vielleicht solltest du das mal ausprobieren. Du scheinst ja noch in der Testphase zu sein.“
Nicht einmal diese Bemerkung störte ihn. „Okay, ich geh dann mal. Mach´s gut. Wir chatten morgen.“ Dann fiel ihm doch noch seine dominante Seite ein. „Aber du musst dich nackt vor den PC setzen. Mit einem Vibrator in deiner Mumu.“
Darleen starrte ihm fassungslos hinterher. Hatte er gerade Mumu gesagt? Wo war sie hier gelandet? In einem Kindergarten? So langsam keimte der Verdacht auf, dass er seine Nachrichten mittels Copy und Paste von anderen geklaut hatte. Chatten? Nie mehr mit diesem Idioten, Sir Unfähig. 

So, das reicht jetzt. Ich muss arbeiten …

Eure

Margaux

 

 

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Von Katern und Katzen und sinnvollem Leben an sich

Catalina Cudd, Autorenkollegin mit Romanen voller Sex, Crime & Rock’n Roll, fragte mich, ob ich denn auch ein Haustier habe. Nein, eigentlich fragte sie, ob ich auch mit so einem Viech zusammenleben würde, das mir in die Tastatur sabbert oder mich am Schreiben hindert.
Viech? Nein, natürlich nicht. Mistvieh? Äh, nein?
Einen lieben Kater. Schwarz wie die Nacht, grüne Augen, ein herrischer Blick, abfällig nach unten zeigendes Maul … Nicht zu vergessen der steil nach oben stehende Schwanz, das alleroberste Zipfelchen wie eine gnädig winkende Königin bei jedem Schritt wippend.
Das mit dem Dosenöffner, den Bediensteten oder Dienern einer Katze ist natürlich überhaupt nicht … gelogen. Nein, überhaupt nicht. Wir sind Diener unseres Katers. Wir öffnen ihm die Türen zu (beinahe) jeder Tages- und Nachtzeit. Wir öffnen Dosen und füllen Trockenfutter nach. Wir waschen ihm die dreckigen Füße, wenn er mal wieder völlig durchnässt über unser Parkett spaziert. Wir entzecken ihn, entwurmen ihn, enthaaren ihn, bieten ihm im Sommer ein kühles Plätzchen an und im Winter ein warmes, kraulen nur auf beharrliche Nachfrage, knuddeln nur die genau vorgegebene, aber nie vorhergesagte Zeit, pflücken alle Krallen einzeln aus unseren Hemden, Hosen, Blusen, Shirts und vor allem der darunterliegenden Haut (nur um nach der sechsten wieder mit der ersten Kralle anzufangen), reichen nur die Häppchen, die Kater auch verträgt, vermeiden alles, was zu Kotzattacken führen könnte (ohne diese damit vermeiden zu können), schleppen ihn unter Protest (zehnminütiges Dauergeschrei, bei Wartezeit auch mal dreißigminütig) zum Tierarzt, verarzten selbst Bisswunden, entzündete Augen, Milbenbefall und ähnliche leckere Dinge.
Was der Dank dafür ist?
Äh. Hm. Na ja.
Ach so. Er ist da.
Unser Kater ist Teil unserer Familie.
Er lässt sich knuddeln. Wenn ich gerade einen Arm voller Wäsche habe und mit einem Bein auf der ersten Treppenstufe nach unten stehe.
Er lässt sich auf den Arm nehmen. Wenn ich gerade drei Töpfe auf dem Herd habe und der Timer verlangt, endlich den längst überfälligen Braten aus dem Ofen zu holen.
Er sucht meine Nähe. Vorzugsweise auf meinem Schreibtisch, entweder auf der Tastatur, über die ich gerade dummerweise meine Finger fliegen lasse oder vor dem Bildschirm, wo der steil nach oben stehende Schwanz mit der gnädig winkenden Spitze (siehe oben) zusammen mit dem nicht minder beeindruckenden Katzenbuckel mir die Bild versperrt.
Er liebt es, mit meinem Mann im Garten zu sein. Nicht irgendwo, sondern genau da, wo der Spaten im Bruchteil einer Sekunde einzudringen gedachte. Oder da, wo die Schere nach langem Gefummel endlich das untere Ende dieses einen speziellen wild gewachsenen Astes gefunden hat.
Ich räche mich.
Indem ich ihn und seinesgleichen in einen Roman einbaue. Bei Love Me – The Hard Way sind es genau vier Katzen geworden, die einfach so mitspielen. Sogar eine entscheidende Rolle bekommen, aber trotzdem immer ausgesperrt werden, wenn die Protas endlich Sex haben (aber erst nachdem eine von ihnen sich beinahe an dem verführerisch zuckenden Ding des gefesselten Luke vergreift, hihi!).
Und dann gibt es noch unsere Rache, die von Seiten unseres Katers alles rechtfertigt, was er mit uns macht.

Das ist er. Katze.

Wir rufen ihn Katze. Einfach so. Nur: Katze.
Dass das ein wirklich perfider Witz ist, erkennt er natürlich nicht. Weil er nämlich gar kein ganzer Er mehr ist. Sex ist für ihn nur ein sinnloses Wort. Kann er nicht. Hatte er noch nie. Wird er nie ausprobieren können.
Und das allein ist Grund genug, warum wir ihn streicheln, wenn er gestreichelt werden will, ihn knuddeln, wenn er geknuddelt werden will und ihm zumindest ein leckeres Fressen geben und ihm alle Türen öffnen, die er nicht alleine öffnen kann.
Denn das ist  wohl das Traurigste, was einem Lebewesen passieren kann: Leben ohne Sex.

 

Möglich, aber – meiner Meinung nach – völlig sinnlos!

Was meine Kolleginnen Catalina Cudd und Lisa Skydla zum Thema Autoren und Viecher zu sagen haben, lest ihr hier und hier.

Auch Katharina v. Haderer hat Katzen. Wie sie es schafft, noch zu schreiben, ist mir allerdings rätselhaft. Lest mehr darüber hier.

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Schlafende Drachen …

„Schläfst du schon?“

„Mmh.“ Sein leises Brummen macht klar, dass er nicht geweckt werden will. Aber ich kann so nicht schlafen. Ich brauche Erlösung, und zwar dringend.

Okay. So wird das nichts. Ich muss zu anderen Mitteln greifen. Meine Hand gräbt sich durch die Decken, bis sie auf warme Haut trifft. Für einen Moment lasse ich mich ablenken. Wieso ist der Mann immer so warm, während meine Füße sich wie Eisklumpen anfühlen?

Meine Finger wandern über den Arm, den ich erwischt habe, streicheln ein bisschen auf und ab und ja, okay, ich gebe es zu, sie stupsen auch ein bisschen.

„Was soll das werden?“

Er klingt überhaupt nicht mehr schläfrig. Im Gegenteil. Ich höre da einen Unterton in seiner Stimme, der sich sogar in diesen wenigen Worten durchpaust. Oh. Oh.

„Ich wollte nur … Ich kann noch nicht schlafen. Nicht so.“

„Und du glaubst, du kannst mich umstimmen, wenn du mich aus dem Schlaf reißt?“

Wenn er es so formuliert, klingt das wirklich nicht nach einer guten Idee. „Tschuldigung“, nuschle ich in mein Kissen.

Eben war ich noch so forsch, jetzt würde ich mich am liebsten unter der Decke verstecken.

„Dafür ist es jetzt reichlich spät. Ich bin wieder wach. Und weißt du was?“

Leider kann ich ihn nicht sehen, was aber meine anderen Sinne schärft. Da steckt eine glasklare Drohung in dieser Frage. Ich kann sie fast spüren. Vielleicht auch, weil er mir so nah ist, dass sein Atem über meine Wange streicht.

Mein Kopfschütteln bringt mich in Kontakt mit seinen Bartstoppeln.

„Anscheinend wolltest du mich dazu bringen, deine Strafe abzukürzen. Damit das nicht wieder passiert, wirst du den Keuschheitsgürtel auch die nächsten drei Tage tragen, nicht nur eine Nacht.“

Warum nur musste ich den schlafenden Drachen wecken?

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BDSM und Sport – gezwungen oder freiwillig

Wer von euch treibt regelmäßig Sport?

Alle, die jetzt eifrig nicken, erhalten ein dickes Lob. Gut gemacht, weiter so!

Aber mal ehrlich: Hat Sport nicht so einiges mit BDSM gemein?

Zum einen gibt es Menschen, für die Sport in ihrem Leben eine extrem wichtige Rolle spielt, genauso wie es Menschen gibt, die BDSM 24/7 leben.

Die anderen tun „es“ nur ab und an, gerade so, wie die Zeit es erlaubt. Meist mit dem Gedanken im Hinterkopf, man müsste „es“ eigentlich öfter tun.

Außerdem ist Sport eine ziemliche Quälerei. Jedenfalls dann, wenn man nicht zu den 24/7-Typen gehört. Und BDSM ist für alle Masochisten auch eine ziemliche Quälerei.

Aber nein, natürlich ist es nicht das Gleiche.

Wer BDSM widerwillig praktiziert und nur, weil jemand gesagt hat, dass „man“ das eben tut, der macht etwas falsch (obwohl, das Gleiche gilt ja auch für Sport 😉 ).

Jede Session sollte freiwillig stattfinden, wenn auch nicht immer aus freiem Willen heraus. Eine Session sollte möglichst auch Lustgewinn bringen, oder eine innere Befriedigung, die den gleichen Wert hat. Nicht immer steht die Lust im Vordergrund, nicht immer sind Orgasmen das Ziel, so wie auch beim Sport nicht der Gewinn eines Wettkampfes das Ziel sein sollte, sondern nur die Freude am Tun.

Das hört sich ziemlich theoretisch an, nicht wahr?

Nun, Praxisbeispiele kann ich auch geben, aber letztlich könnt ihr die euch selbst vorstellen. Für alle, die nur ab und zu eine Session/ein Spiel machen, überwiegt sicherlich der Anteil an reiner Lust, möglichst für beide (oder überhaupt alle Teilnehmer). Für die Hardcore-BDSMler überwiegt der Teil, der im Kopf stattfindet. Das Sichunterwerfen/Dienen/Gehorchen auf der einen Seite, das Beherrschen auf der anderen Seite.

Jeder Einzelne, jedes Paar hat da eigene Vorstellungen. Mir ist aber der Punkt, den ich oben schon angesprochen habe, ganz wichtig: Tut nichts, nur weil „man“ das heutzutage so tut.

BDSM ist keine Modeerscheinung. Lust am Schmerz kann man nicht lernen. Und man sollte ihn nicht vorspielen, wenn er nicht da ist.

Denn das ist der Gegensatz zum Sport: Man kann sich zwingen, Sport zu treiben, auch wenn man es nicht wirklich gerne tut. Es ist immer noch gesund, man kann hoffen, sich daran zu gewöhnen, wird irgendwann sogar Spaß daran finden. Aber das gilt nicht für Schmerz, Unterwerfung, Demütigung, Dienen oder irgendeine der anderen Arten, BDSM auszuleben (und nicht für die „Gegenseite“: dominieren, Sadismus usw.). Entweder man will es und empfindet als das Richtige, als DIE Lebensweise oder zumindest Sexspielart, oder eben nicht.

Wenn ihr zu denen gehört, die es nur tun, weil der Partner es so will oder weil ihr meint, jeder würde doch heute so was tun, dann probiert es lieber mit Sport. Dabei kann man sich quälen, ohne dem anderen etwas vorzuspielen und zieht sogar noch einen Gewinn daraus, weil man etwas für den Körper tut.

In diesem Sinne: Habt Spaß. Aber nur den, den ihr auch wollt.

PS: Endlich mal wieder ein Grund, ein Bild für uns Mädels einzustellen 😉 Fein, oder?

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