Knife Play vs Blood Play

Knife Play und Blood Play gehören meiner Ansicht nach zu den Spielen für Fortgeschrittene.

Warum? Weil sie ein hohes Maß an Vertrauen voraussetzen, sonst schlägt das „Spiel“ einer Session sehr schnell um in Ernst mit allem, was dazu gehört. Echter Angst, vielleicht Panik, mögliche körperliche Verletzung, vor allem aber: Seelische Verletzung, Absturzgefahr.

Manche setzen beide Spielarten gleich. Aber das stimmt so nicht. Knife Play ist das Spiel mit Messern, aber ohne Blut zu fordern. Bei Blood Play ist das gewollt, dabei nimmt man das nicht zufällig in Kauf, sondern es ist so gewollt.

Dazu ein paar Ausführungen.

Ich beginne mit Knife Play, das ist die etwas harmlosere Variante. Sie kickt extrem, besonders wenn sich der Dom (wie immer mitgemeint sind auch die Dommes!) geschickt anstellt.

Ein bisschen Vorplanung ist also am Anfang nicht schlecht. Zum Beispiel sollte eine Augenmaske bereitliegen. Und das Messer. Und vielleicht auch noch ein anderes, das erkläre ich weiter unten.

Knife Play ist das Spiel mit der Angst. Die kann mächtig kicken, weil dabei eine Menge Hormone ausgeschüttet werden. Dieser Hormoncocktail ruft in Sub eine Mischung aus Angst, Fluchtinstinkt, Nervenkitzel, Ungewissheit und hoffentlich auch Lust hervor, wobei die hier ausnahmsweise nicht im Mittelpunkt steht. Knife Play ist für mich nicht das Gleiche wie Spanking oder Impact Play, das für mein Gefühl klarer auf diese Schmerz-Lust-Mischung aus ist, sondern es sorgt für eine andere Art von Erregung, fast schon ein High wie bei Drogen oder einem Endorphinrausch.

Genau damit kann man spielen. Tatsächlich spielen, indem man nämlich das Kopfkino die Arbeit tun lässt, viel mehr als das tatsächliche Gerät. Deshalb empfehle ich zum Beispiel, das Messer vorzuzeigen, ehe die Maske aufgesetzt wird. Ob es sich dabei um ein solches Jagdmesser handelt wie auf dem Foto (Achtung: diese Messer dürfen in Deutschland zwar in deinem Besitz sein, aber nicht getragen werden!) oder ob du ein Taschenmesser benutzt, kannst du als Dom entscheiden je nach sadistischer Neigung.

Nachdem Sub nun weiß, was auf sie zukommt, wird die Maske aufgesetzt. Jetzt kommt der Punkt, der für Anfänger wichtig ist: Verwende nicht das brutale Riesenmesser mit zwei Schneiden! Auf keinen Fall! Hier kommt die Sache mit der Vorbereitung ins Spiel. Idealerweise hast du nämlich ein normales Messer aus deinem Besteckkasten bereitliegen. Von diesem verwendest du nur die (nichtschneidende) Rückseite. Oder du machst es noch harmloser und verwendest die Kante einer Kreditkarte, möglicherweise sogar vorgekühlt.

Wie gesagt: Es geht hier weitaus mehr um das Kopfkino! Sub kann nicht wissen, was du verwendest. Kühl und scharf ist alles für sie. Zieh die Kante über die Haut, mit oder gegen den Strich, schabe mit der Kante längs oder quer, spiel damit. Hier ist auch ein bisschen deine Schauspielkunst gefragt. Vielleicht kündigst du mit Worten an, was du gleich tun wirst. „Jetzt sind deine Brüste dran. Die roten Streifen werden sie zieren, was meinst du? Und das Blut erst …“ So was in der Art.

Diese Methode hat einen riesigen Vorteil: Es kann nicht wirklich was passieren. Und das wollen wir bei Knife Play so! Es soll keine Schnitte geben, es soll kein Blut fließen. Aber Sub soll das Gefühl haben, dass es so ist. Das genügt

Glaub mir, es genügt 😉

Kommen wir nun zum Blood Play.

Du denkst jetzt vermutlich, dass es das Gleiche ist wie Knife Play, nur mit einem echten Messer? Nein. Einfach nein.

Natürlich verwendest du dafür bitte ein richtiges Messer. Und zwar kein Jagdmesser, sondern eines, das eine feine und vorzugsweise extrem gut geschliffene Klinge hat. Wer sich schon mal mit einem rostigen oder schartigen Messer geschnitten hat, weiß, dass es einen riesigen Unterschied macht. Ein schartiger Schnitt oder einer mit einem unscharfen Messer ist viel unsauberer, er reißt die Haut auf, anstatt sie zu schneiden. Das ist nicht schön und schon gar nicht sexy. Das ist einfach nur scheiße. Deshalb verwendet man dafür vorzugsweise Chirurgenstahl, desinfiziert natürlich und vor allem: SCHARF! Richtig scharf!

Das Problem, das damit einhergeht, wird dir sicher schnell klar: Ein solches Messer durchtrennt alles. Nicht nur die Haut.

Es kann tiefer gehen als gewollt. Es kann Adern durchtrennen, die einen Menschen ausbluten lassen. Es kann Nerven durchtrennen, die nicht wieder zusammenwachsen. Deshalb gibt es für diese Art Spiel ganz klare Regeln, die unbedingt zu beachten sind. Alle Stellen, an denen Schlagadern oder Nerven nah unter der Oberfläche liegen, sind TABU!

Eine „Landkarte“ hierfür gibt es auf dieser Seite, die auf englisch geschrieben ist. Bitte schaut sie euch an, ehe ihr damit beginnt, mit dem Messer herumzufuchteln. Es geht hier um Gesundheit, sogar um das Leben. Deshalb warne ich so vor dem Blood Play, denn es ist kein Spiel, das man ‚mal eben‘ ausprobiert.

Du hast, wenn du schneidest, auch viele Möglichkeiten. Du kannst tatsächlich nur ritzen, also nur die alleroberste Hautschicht durchtrennen.  Dabei fließt kein Blut, sondern es bleibt ein roter Strich zurück, der nach einiger Zeit wieder verschwindet. Gehst du tiefer, schneidest also so tief, dass Blut fließt, denk daran, dass jeder Schnitt eine Narbe hinterlässt. Das mag dann zwar nur ein feiner Strich sein, aber sie bleibt sichtbar, bräunt zum Beispiel nicht genauso wie die umgebende gesunde Haut. Überlege also, wo du schneidest. Soll es tatsächlich sichtbar sein?

Genau das erfordert – wie immer – Absprache. Darfst du Sub zeichnen? Wenn nicht, beschränke dich auf Stellen, die nicht so leicht zu sehen sind oder zumindest überdeckt werden können. Schneide nicht deine Initialen in die Haut einer Sub, mit der du vielleicht in ein paar Monaten nicht mehr zusammen bist. Trage Verantwortung!

Noch ein wichtiger Punkt: Ist Sub bewegungslos? Oder zappelt sie?

Willst du sie halten? Oder ist sie gebunden? Hast du ihr befohlen, stillzuhalten?

Egal, was du davon machst, glaube nie, dass Sub sich nicht mehr bewegen könnte. Einen Menschen so zu fixieren, dass er nicht einmal zucken kann, ist so gut wie unmöglich. Wenn du also ein scharfes Messer für Blood Play verwendest, solltest du dir darüber im Klaren sein.

Auch das spricht aus meiner Sicht für Knife Play. Ich möchte nicht ‚aus Versehen‘ einen tiefen Schnitt abbekommen. Klar, jeder, der regelmäßig kocht, ist gewöhnt daran, sich auch mal zu schneiden. Aber wer schon mal einen tieferen Schnitt hatte mit der Aussicht, einen Finger zu verlieren oder ihn nicht mehr bewegen zu können, möchte diese Gefahr nicht auf sich nehmen.

Bezeichnet eine Sub Knife Play oder Blood Play also als Hard Limit, dann ist es eben tabu. Sie wird Gründe dafür haben.

Ach ja: Ein Dom, der kein Blut verträgt und schon beim ersten Tropfen umkippt, sollte vielleicht auch davon absehen 😉

Der wichtigste Punkt für jede Art von Spiel ist Vertrauen. Bei aller Angst, die das Spiel auslöst, sollte das Grundvertrauen vorhanden sein. Ohne das kann Sub sich nicht fallen lassen. Ohne Vertrauen hat sie nur Angst. Keine gute, sondern einfach Scheißangst. Das kann schnell zu einem Absturz führen. Sei darauf vorbereitet. Hör sofort auf, wenn du das Gefühl hast, dass eine Grenze überschritten wurde und natürlich auch, wenn Sub das Safeword sagt. Frag nach, bleib nicht oberflächlich, denn ein Absturz kann auch noch Stunden später folgen, weil etwas nicht verarbeitet wurde.

In dem neuen Band aus Hunters Liste, der im August erscheinen wird, kommt Knife Play vor. Deshalb ist mir das Thema auch untergekommen. Ich bin gespannt, wie das bei euch ankommt …

Passt auf euch auf, nicht nur beim Spielen, und vergesst den Spaß nicht,

Eure

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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2 Responses to Knife Play vs Blood Play

  1. Keks sagt:

    Das,Knife Play hört sich spannend an. Vom anderen möchte ich dann doch lieber abstand nehmen .

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