Nacktkochen

Nacktkochen ist der neueste Trend.
Nicht Nacktputzen. Das ist alt, das kann jeder. Macht zwar keiner, habe ich mir sagen lassen, aber das ist mir schnurz, ich hab gehört, dass es das gibt, also gibt es das auch.
Aber Nacktkochen? Davon hab ich noch nie gehört. Kann natürlich sein, dass alle das schon längst machen, nur ich weiß nichts davon? Das wäre … Nein, ich beschließe: Das hat noch keiner getan.
Ich tue es. Ist ja auch gerade schön heiß, so dass das ohne Probleme geht.
Was koche ich denn überhaupt? Keine Ahnung, ist ja auch egal, Hauptsache nackt.
Ich schaue mal in den Kühlschrank. Ins Gemüsefach, ich will ja gesund kochen. Also gesund nackt kochen. Zucchini liegen da und Möhren und rote Spitzpaprika. Mal abgesehen von der Farbkombination, die ich echt gelungen finde, also das dunkle Grün so nah an der orangenen Möhre und dahinter, mit ein wenig Abstand das knallige Rot der Paprika, die gerade einen feuchten Film entwickelt, weil der Kühlschrank so lange offensteht, das hat was. Kein Modetrend, sondern Natur. In der Natur passt nämlich alles zusammen, sogar grün zu orange und rot.
Natur? Genau, ich bin nackt, das ist das Natürlichste der Welt. Auch die Zucchini ist nackt, die Möhre noch nicht ganz, der kann ich noch was ausziehen. Also schälen, meine ich. Damit fange ich jetzt mal an. Immer noch keinen Schimmer, was ich kochen will, aber es geht ja nichts ums Ziel, sondern um den Weg dahin. Mal ehrlich, wer nackt kocht, will doch nicht unbedingt ein Drei-Sterne-Menu essen, oder? Es geht doch mehr um die Performance dabei.
Die sicherlich eindrucksvoller ausfallen würde, wenn ich Zuschauer hätte. Habe ich aber nicht. Ich stehe ganz alleine in meiner Küche mit einer Möhre in der Hand. Der ich jetzt erstmal die Haut abziehe. Nein, so heißt das nicht, auch nicht ausziehen. Aber es hat den gleichen Effekt. Unter der etwas blässlichen Schale kommt nämlich ein noch stärkeres Orange hervor. Ein feuchtes, glänzendes Orange, das mich an ganz andere Dinge denken lässt. Obwohl, dieses andere Ding ist nicht orange. Eher rosa. Oder rot?
Ich wechsle zur Spitzpaprika. Alleine schon der Name! Spitz ist sie ja. Eindeutig. Und lang. Und immer noch feucht, bei der Hitze bilden sich schnell winzige Wassertröpfchen auf der Oberfläche. Kondensation. Ich lasse mir das Wort im Mund zergehen. Kon-den-sa-ti-on. Wenn ich die Lippen dabei etwas übertrieben bewege, fühlt es sich nicht an wie ein Wort, sondern wie ein Kuss. Oder nein, eher wie ein Blowjob. Muss ich beim nächsten Mal unbedingt ausprobieren. Kon-den-sa-ti-on. Die Bewegungen fühlen sich so sinnlich an, ganz anders als eine Spitzpaprika. Die ist eher statisch. Also, da bewegt sich nichts, sie flutscht mir nur aus den Fingern und fällt auf den Boden. Beim Bücken bewegen sich meine Brüste. Nackte Brüste. Die Paprika liegt vor meinen nackten Füßen. Hinterlässt einen feuchten Fleck, als ich sie aufhebe. Wohin meine Gedanken nur wandern …
Vielleicht sollte ich mir lieber die Zucchini vornehmen. Ich habe einigermaßen Kleine gekauft, weil die besser sind als die Großen. Letzte Woche hatte ein Nachbar mir eine aus seinem Garten vorbeigebracht. Die war gar nicht klein. Sie war sogar so groß, dass ich Suppe daraus kochen musste. Einfach zu groß, um was anderes damit anzufangen. Ich meine, wer will sich schon so eine große Zucchini … Upps.
Na ja, ich jedenfalls nicht. Aber diese kleine hier … Oder doch besser die Möhre? Die Spitzpaprika scheidet aus. Upps, das war jetzt aber ein Freudscher Versprecher. Dafür kann ich nix. Die spitze Paprika scheidet aus. Ich muss es einfach wiederholen, weil ich bei diesem Nacktkochen unverhofft Freude an oralen Übungen gefunden habe. Seltsam, wie sich das so entwickelt.

Symbolfoto ;)

Symbolfoto 😉

Sowohl Möhre als auch Zucchini fühlen sich ganz kühl an, beide sind jetzt glitschig, weil auch die Zucchini auf ihrer grünen Schale Kondensationströpfchen gebildet hat. Trotzdem lädt mich nur die Möhre ein, sie abzulecken. Mh, das schmeckt gut, ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses grüne Ding da mithalten kann. Und die Paprika auch nicht. Ich werde es nicht ausprobieren, ich muss nicht alles ablecken, was ich sehe. Nur die Möhre.
Ich lege das Messer wieder weg, das ich eben aus der Schublade genommen habe. Ich will diese unschuldige Möhre nicht aufschneiden, nicht zerteilen. Sie ist schön, wie sie ist. Und weil ich weiß, dass sie braun und unansehnlich wird, wenn ich sie liegenlasse, muss ich sie wohl oder übel verpacken. Da ich nackt bin – Du weißt schon, Nacktkochen war angesagt? – weiß ich auch, worein. Sie soll ja feucht bleiben.
Schön, so ein Nacktkochen. Mache ich jetzt öfter. Vielleicht das nächste Mal mit Freunden zusammen. Ich muss nur ausreichend Gemüse kaufen. Schon ist ein neuer Trend geboren und ich bin diejenige, die angefangen hat. Cool oder?
Mh. Cool. Und feucht. Mh.
Kocht euch doch selbst was, ich kann grade nicht …

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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2 Responses to Nacktkochen

  1. Sir Puma sagt:

    Meine Sklavinnen kochen immer fast nackt mit halterlosen schwarzen Nylons und Pumps mit 10 cm Absatz. Und da zuschauen wie das Essen entsteht, ist einfach toll

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