Ein Nachlass

Passend zum Totensonntag eine ruhigere Geschichte:


Granny hat mich auserkoren, ihre Sachen durchzugehen. Wir haben uns immer gut verstanden, trotzdem kam das überraschend. Meine Mutter zeigte mir den dazugehörigen Brief nach der Beerdigung.

Nach Großvaters Tod schwand meine Granny dahin wie eine Blume, die verwelkt. Nicht schnell, ein paar Jahre hat es gedauert, aber sie verging einfach, als sehnte sie sich danach, an seiner Seite zu sein. Sie starb vor zwei Wochen ganz undramatisch, von jetzt auf nachher war sie weg.

Nun soll ich also das Haus ausräumen und bestimmen, wer was bekommen soll. Eine seltsame Bitte, aber niemand erhebt Einspruch. Sie besaß keine Wertgegenstände, also gibt es nichts, was ich mir unter den Nagel reißen könnte. Weiterlesen

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Das erste Türchen

„Anja?“

„Aa?“

Er hielt etwas Schwarzes in die Höhe. „Was zum Teufel machen deine Strümpfe in meinem Schreibtisch?“

„Nn-nn.“ Anja riss die Augen auf, bemüht, ihm wenigstens auf diesem Weg etwas mitzuteilen.

„Ich verstehe dich so schlecht, Liebes.“ Sein süffisantes Grinsen machte das Ganze auch nicht besser. Er packte das schwarze Knäuel mit beiden Händen und zog es in die Länge.

Anja seufzte. Einer ihrer Strümpfe. Der, den sie letzte Woche dort versteckt hatte. Ihr wurde warm bei der Erinnerung an die Szene. Zum einen, weil sie an das dachte, was sie auf diesem Schreibtisch getan hatten. Weiterlesen

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Ein Wochenende in einem BDSM-Haus

Dieser Beitrag erschien bereits in einem Newsletter, aber ich möchte ihn allen Besuchern meiner Webseite zugänglich machen.

In diesem Sommer war ich in Thüringen in einem BDSM-Haus, zusammen mit meinem Mann und einer Gruppe von schreibenden BDSM-Anhängern. Oder BDSM-praktizierenden Autoren? Einige davon schreiben ab und an mal eine Kurzgeschichte, andere, wie Jona Mondlicht, sind Autoren, die schon mehrere Bücher veröffentlicht haben. Ihr könnt ja mal nach seinen Büchern schauen. Sie sind anders als meine, keine Frage, weniger auf Erotik abzielend, eher subtil-literarisch, auf jeden Fall lesenswert.
So, genug Werbung für einen Kollegen. Na gut, noch ein bisschen Werbung für die von ihm initiierte Seite, die Schattenzeilen. Dort hatte ich meine Anfänge, habe Geschichten eingestellt und mich ausprobiert, habe wunderbare Menschen (auch in echt) kennengelernt, die BDSM in unterschiedlichen Abstufungen ausüben und entweder selbst schreiben oder einfach gerne lesen. Also Kinkster mit Niveau – genau meine Wellenlänge. Jeder kann sich dort übrigens kostenlos anmelden und mitlesen, gerne auch selbst Geschichten veröffentlichen und sich einbringen im Forum oder eine Bewertung schreiben, das ist sogar erwünscht.

Zurück zu meinem/unserem Wochenende.
Ich war schon in BDSM-Ferienwohnungen. Das ist für uns als Paar, das nicht öffentlich spielt, genau das Richtige. Man kann neue Geräte ausprobieren, ohne in einen Club gehen zu müssen, bekommt Anregungen und kann sich so richtig austoben. Weiterlesen

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Der Blick aus dem Fenster

Ich öffne nur langsam meine Augen. Mein Blick wird angezogen von dem hellen Rechteck des Fensters. Bilderbuchhimmel, weiße Schäfchenwolken vor hellblauem Hintergrund. Ein Ast eines Baumes ragt in den Ausschnitt, den ich sehen kann. Eine Linde? Nein, die Blätter sind größer. Blaue Blüten erscheinen vor meinem inneren Auge. Ein Blauglockenbaum könnte es sein, der im Frühjahr so spektakulär blüht.

Ich müsste mal im Frühjahr vorbeikommen …

Aber war ich da nicht schon hier?

Vielleicht liegt es daran, dass ich für gewöhnlich einen anderen Ausschnitt sehe. Mehr Himmel, weniger auf Augenhöhe. Und dann sind meistens die Rollläden unten. Aber nicht heute. Heute ist es hell im Zimmer, wenngleich meine Augen sich erst an die Helligkeit gewöhnen mussten, nachdem er mir die Maske eben erst abgezogen hat.

Ich würde gerne nachsehen, wie er schaut. Ist er zufrieden? Mit sich, mit mir? Doch dazu müsste ich mich weit vorbeugen. Nein, lieber nicht. Seine Hände liegen entspannt auf meinen Schenkeln. Wer weiß, ob er mich auffangen würde, wenn ich das Gleichgewicht verlieren würde. Weiterlesen

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BDSM für Anfänger – Vom Wünschen und Wollen

Achtung: Enthält nach Einschätzung meines Mannes den erhobenen Zeigefinger. Immerhin keinen Stinkefinger …

Stell dir folgende Situation vor:

Du spürst eine Neigung in dir, die du als BDSM bezeichnen lernst, nachdem du etwas dazu gelesen/gesehen/gehört hast.

Diese Neigung äußert sich in in intensiven Träumen/Tagträumen von Unterwerfung, von Schmerz, von Lust. Dabei werden die Szenarien ziemlich wild. Du willst gezwungen werden, Dinge zu tun, die andere Menschen als pervers oder abartig bezeichnen könnten. Du willst entführt und gegen deinen Willen genommen werden. Du willst geschlagen werden, wobei du eine unglaubliche Lust verspürst und dann genommen werden. Du willst gefesselt werden, bis du völlig wehrlos bist und so einem Menschen ausgeliefert bist, der mit dir tun kann, was er will. Du willst dich dem Willen eines anderen unterwerfen, ohne selbst entscheiden zu dürfen. Du willst überhaupt ‚genommen‘ werden, also keinesfalls mit Zärtlichkeit und langem Vorspiel mit einem liebenden Partner zu einvernehmlichen Sex gelangen, der dich sanft zu einem Höhepunkt schaukelt, von dem du ebenso sanft wieder herabsegelst.

So oder so ähnlich sind die Vorstellungen vieler Subs, die sich irgendwie in ihrem Hirn formen.

So weit, so gut.

Und nun?

Hier geht es nicht um die Frage: Wie findest du einen Dom? Hier geht es um die Frage:

Willst du das wirklich? Weiterlesen

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