Sex auf der Terrasse

Egal, was für eine Art Sex wir auf der Terrasse haben, eines steht fest: Wir müssen leise sein. Oder besser: Ich muss leise sein. ER hat damit kein Problem. Ich schon.

Wir haben Nachbarn. Auf beiden Seiten. Nachbarn, die ebenfalls bei schönem Wetter draußen sind. Zum Glück nicht mit nur einem halben Meter Abstand, wie wir es früher mal hatten. Heute weiß ich, dass ich mich damals nicht nur bei den Geräuschen zurückgehalten habe, weil ich Angst hatte, dass man mich hört. Was letztlich echt scheiße ist. Seine Lust ständig ausbremsen. Immer diese Überlegung im Hinterkopf, ob das schon zu laut war oder noch ging. Das bremst Lust aus. Denn wenn man sich endlich mal gehenlässt, taucht doch irgendwann der Gedanke wieder auf und dann – Vollbremsung von Ms Libido. So richtig. Quietschende Reifen und qualmender Asphalt inklusive.

Und das ist Mist.

Ja, wir sind inzwischen so ‚privilegiert‘, dass wir mehr Abstand haben und ich weiß, dass das tatsächlich ein Privileg ist, das so viele nicht genießen können. Ich weiß es zu schätzen, wobei ich mir trotzdem wünsche, es wäre noch mehr Abstand, wir hätten einen Kilometer bis zum nächsten Nachbarn. Nicht dann, wenn wir keinen Sex haben, dann dürfen sie ruhig näher sein. Ein Dilemma, das nicht zu lösen ist.

Also genießen wir, so gut es geht. Auch mal draußen. Und sind möglichst leise (nie ganz. Kein Wunder …). Bei unseren Spielen sind häufig Schlagwerkzeuge im Einsatz, die draußen eben nur begrenzt einsatzfähig sind. Ein Flogger geht, eine Klatsche, Spanking mit der Hand oder Lederriemen gehen nicht. Das heißt, natürlich gingen sie, aber dann kann ich gleich abbrechen, weil ich garantiert nicht lockerlassen kann, sondern die ganze Zeit überlege, wer was hört.

Also muss er auf andere Dinge zurückgreifen. Klemmen und Klammern zum Beispiel. Festes Zupacken oder Tease & Denial mit Schrei-Verbot. Überhaupt kein Schreien. Stöhnen und Keuchen nur begrenzt.

Inzwischen haben wir raus, wie weit es gehen darf und ich vor allem weiß, dass das zum Spiel dazugehört. Nimmt man es nämlich als besondere Qual, ist das Verbot zu schreien auf einmal nicht mehr ‚lästig‘, sondern eben Teil des Spiels. Zuwiderhandlungen werden bestraft. Nicht mit einem Spaßspanking, sondern so, dass es wehtut. Und ich nicht schreien darf dabei. Oder es tue, weil es nicht anders geht und ich dafür … du weißt, was ich meine.

ER hat es inzwischen auch raus. Zum Beispiel zu sagen, dass ich mir draußen keine Gedanken um die Feuchtigkeit machen muss. Da liegt ja kein Teppich oder Parkett. Also macht die ‚Schweinerei‘ nichts aus. Was dafür spricht, dass ich mich ganz gehen lassen kann. Wenn da nicht die Nachbarn und das Schrei-Verbot wären. Gerade dieser Widerspruch sorgt letztlich für den besonderen Reiz.

Ach ja, mein Mann hat übrigens den Garten gestaltet. Mit vielen Nischen. Uneinseh-baren Nischen. Er weiß, warum. Ich auch. Jetzt brauchen wir nur noch warme Nächte, aber die kommen garantiert.

Wenn ihr also mal komische Geräusche aus dem Nachbargarten hört, nehmt es locker. Anstatt zu maulen, könnt ihr die Idee vielleicht aufgreifen und dagegenhalten. Wir wollen ja auch in diesen Zeiten Spaß haben. Ohne Partys und ohne Clubs. Zuhause. Zu zweit. Oder mehr? Dann vielleicht doch irgendwo mit viel Abstand. Es soll Ferienwohnungen geben, die ganz einsam liegen.

Habt Spaß. In den euch gesetzten Grenzen, und manchmal (ein bisschen) drüber raus.

Eure

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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