Hassliebe

Dieses eine Teil, das er aus „der“ Schublade zieht, macht mich wahnsinnig. Wir besitzen es seit ungefähr einem halben Jahr und ich kann mich nicht entscheiden, ob ich es liebe oder hasse.

 Es handelt sich um einen Massagestab, auch Body Wand oder Magic Wand genannt.

 Was das ist? Ein Vibrator, aber mit ganz viel Power und extrem schnellen Schwingungen. Schwierig zu beschreiben. Ein Griff, ein runder Kopf, zehn Stufen, von denen wir nur zwei ausprobiert haben. Nicht eines der billigen Teile, aber auch nicht das Teuerste, nicht in Deutschland gekauft, deshalb auch nicht in den deutschen Shops erhältlich.

 So, genug über die Technik.

 Was es noch ist, ergibt sich aus der Übersetzung des Wortes „wand“ – ein Zauberstab. Und was für einer. Direkt aus der Welt der Märchen zu uns gekommen, denn das, was er bewirkt, ist nicht real. Es ist magisch. Fantastisch. Spielzeug der Elfen, der Grund, warum sie allezeit fröhlich durch den Wald flattern können, ohne jemals den Boden berühren zu müssen.

 Warum also eine Hassliebe?

 Ich mag Vibratoren. Sie sind eine nette Ergänzung und bringen Spaß – vor allem für mich, zugegeben. Wobei auch mein Partner Spaß daran findet, mich an manchen Tagen mehr als einmal zu befriedigen. Mit einem solchen Helfer kann er mir dabei entspannt zusehen.

 Seitdem er weiß, dass er mich in Sekundenschnelle von Null auf Hundert befördern kann und das mehrmals, kenne ich sein süffisantes Grinsen schon und habe es zu fürchten gelernt.

 Ich hasse das Teil. Es macht mich wahnsinnig, weil ich mich nicht dagegen wehren kann. Kein bisschen. Ich bin ihm gänzlich ausgeliefert, kann nur empfangen, zucken, kommen, nochmal kommen und nochmal kommen, bis ich weich und fertig bin und daliege wie eine zwanzig Minuten lang gekochte Spaghetti und wer bissfeste Spaghetti mag, sie aber mal auf dem Herd vergessen hat, weiß, was ich meine.

 Ich liebe das Teil. Weil es das Denken ausschaltet und mich kommen lässt, ohne dass ich mich wehren kann. Danach lässt es mich nochmal kommen und nochmal und ich kann überhaupt nicht mehr unterscheiden, ob ich einen Orgasmus hatte oder zehn und wer ich bin und wie ich heiße weiß ich sowieso nicht mehr.

 Wer sich jetzt fragt: Ja, was denn nun?, der ist genau auf meiner Wellenlänge.

 Packt mein Partner das Ding aus, packt mich das kalte Grausen, denn ich weiß, dass ich mich gleich in ein Ding verwandle, das ferngesteuert wird.

  Hält er es an die Labien, ist es erst einmal nur angenehm. Für eine viertel Sekunde, denn ich weiß ja, was kommt. Ich winde mich, stöhne, fluche wahrscheinlich auch und benötige alle Kraft, nicht zu flüchten, weshalb er mich in der Regel schon vorher fixiert (seit er weiß, wie ich reagiere!). Zugleich neigt, windet, verdreht und kippt sich mein Unterleib, immer in der Hoffnung, dass dieses Teil endlich meine Klit berührt.

 Ist es soweit, das heißt: ist mein Dom gnädig genug, mich damit an meiner Klitoris zu berühren, bin ich innerhalb von wenigen Sekunden auf dem Weg in die siebte oder achtzehnte Dimension, vielleicht auch Himmel oder Hölle, wer weiß das schon? Ich nicht.

 

 Denn mich gibt es nicht mehr. Es gibt nur noch Summen und Vibrieren und Fühlen und Abheben und Kommen und Kommen und Schreien und Kommen, bis er ein Einsehen hat und das äußerliche Summen aufhört. In mir summt es noch eine ganze Weile weiter, es ist, als würden meinen Beckenknochen noch vibrieren, als würde meine Haut noch flimmern. Meine Klit fügt sich erst langsam wieder in meinen Körper ein, ein Fremdkörper, der ein Eigenleben entwickelt hat.

 Zum Glück weiß er das und hält mich, drückt mich, umfasst mich und fügt so alle Einzelteile wieder zu einem Ganzen zusammen.

 Ein unglaubliches Erlebnis. Völlig irre.

 Was soll ich sagen?

 Hass. Liebe. Hassliebe.

 

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
Dieser Beitrag wurde unter BDSM, Dominanz abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Hassliebe

  1. lilasumpf schreibt:

    Aber so verdammt effektiv… Und ist es nicht Ziel am Ende wie eine weichgekochte Spaghetti dazu liegen? Und das noch durch die verlängerte Hand eines 2.? 🙂 Ich finde schon 🙂
    Funktioniert nämlich nicht alleine… Dieses doofe Grenzenüberschreitung und den kleinen Extraschritt gehen *g*

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  2. katskatssite schreibt:

    Ich kann das mit der Hassliebe nachvollziehen. Wir haben auch so ein schönes Spielzeug. Problem dabei ist: seit wir es nutzen und es mich so schnell kommen lässt, komme ich kaum noch beim normalen Sex, Zungenspielen oder ähnliches.
    Das will ich aber auch.
    Und auch wenn mein Mann sagt er habe mit dem ‚Ding ja dann weniger Arbeit‘, weiß ich, dass er es dennoch blöd findet, dass ich bei andren Dingen nicht mehr so schnell und gut oder überhaupt komme…

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  3. alleinsein1974 schreibt:

    oh ich liebe ihn damit sind sogar 410 Rohrstockhiebe auszuhalten:)

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