Erziehung zum Dom

„Schlag mich!“

Seine Hand trifft ihren Hintern. Das laute Klatschen hallt durch den Raum.

Sie versucht, sich sinken zu lassen, versucht, es zu genießen.

Es funktioniert.

Die Umgebung verblasst, ihr Keuchen tritt in den Vordergrund. Der Geruch der frischen Bettwäsche wird intensiver, ein erster Hauch des Dufts von Sex mischt sich darunter. Die Haut beginnt zu kribbeln, zarte Wärme, mehr Erwartung als echtes Fühlen. Noch lange kein Schmerz, nur Reizung, Anheizen.

Pause.

Sie hält den Atem an. Was wird er jetzt tun?

Nichts, wie sich herausstellt.

Natürlich nicht `gar nichts´. Er tut das, was ein Liebhaber tut, er streichelt sie, knetet ihre Brüste, küsst sie, leckt sie. Dann dringt er in sie ein und sie fühlt – nun ja, etwas halt. Eigentlich gar nicht so schlecht, er tut das Richtige, reibt über den G-Punkt, stimuliert ihre Klit bei jedem Darübergleiten, wird sie vermutlich zum Orgasmus bringen. Aber das war es dann auch.

Und nicht jeder Orgasmus ist gut. Oder nicht gut genug zumindest.

„Fester!“, ruft sie ihm zu, ein wenig Verzweiflung in der Stimme.

Er will ihr zu Gefallen sein, will ihr geben, was sie will, also stößt er fester zu.

Aber nein, das ist es auch nicht. Ihr fehlt der Schmerz. Nein, nicht einmal der Schmerz. Eher das Gefühl, unterworfen zu werden. Auch das ist nicht die richtige Beschreibung. Was also?

Sie sehnt sich nach natürlicher Dominanz. Die er nicht hat.

 

 

Geht es euch auch so? Für jemanden, der BDSM lebt, genügt Vanilla einfach nicht mehr. Sicher, für einige Zeit ist es okay. Aber dann?

Man kann seinem Partner gewisse Dinge beibringen. Sowohl Frau als Mann sollten das auch, wenn sie einen neuen Partner haben. Wie sonst soll er wissen, was man am liebsten mag, worauf man abfährt, welche Berührung nicht erwünscht ist?

Was sub dem Partner nicht beibringen kann, ist Dominanz (vermutlich genauso wenig wie Unterwerfung, aber ich bleibe jetzt bei meiner Perspektive).

Ich kann es also versuchen und hoffen, dass ich bei meinem Lover die dominante Seite nur hervorkitzeln muss, die irgendwo in ihm versteckt liegt. Oder ich kann hoffen, dass er sich bisher nur nicht getraut hat, diese hervorzukehren, weil er schlechte Erfahrungen gemacht hat und die Signale nicht eindeutig waren.

 

Aber ich kann Vanilla nicht in Spice umwandeln.

Ein Mann, der keinen Hang zum Schlagen hat, keine Vorstellung davon, dass Schmerzen mit Lust verbunden sein können, wird nie von Herzen schlagen, nie aus dem Bedürfnis heraus schlagen, mit jedem Hieb die Lust zu vergrößern. Das Gleiche gilt für Fesseln oder Spiele mit Nadeln, Feuer, Wasser oder was immer euch dazu einfällt. Und erst recht für den von mir so geliebten Mindfuck. Das Ankündigen, ja, Androhen, das Spielen mit der Vorstellung, der Angst, dem Kitzel.

Ich kenne Frauen, die sich damit zufriedengeben. Mit Vortäuschen, vereinzeltem Spielen, das mit BDSM-„Spielen“ so wenig zu tun hat wie das Luftballon-Kicken eines Zweijährigen mit Bundesliga.

Sie tun mir leid.

Sicher, manchmal überwiegen die Gründe, es so zu belassen. Familie, Kinder, eine feste Bindung über ein Leben hinweg sollte erhalten werden, muss erhalten werden. Also geben sie sich zufrieden mit dem, was der Partner erlernen kann und will.

Für mich steht fest: So nicht.

Zugegeben, ich hatte Glück.

Oder doch mehr als Glück. Heute behaupte ich, dass wir das schon immer gespürt haben, auch wenn wir uns lange Zeit nicht trauten, es anzusprechen oder gar auszuleben.

Es war in meiner DNA, in meinem Blut. Ich strahlte es wahrscheinlich aus, seit ich Sexualität kennenlernte. Mein Mann hat vermutlich die Wellen aufgefangen, weil sie das Gegenstück zu seinen bildeten.

Ich wünsche allen, die in sich diese Sehnsucht verspüren, sei es nach Dominanz oder Unterwerfung, dass ihr den Partner findet, dem ihr nichts vorspielen müsst, von dem ihr nicht verlangen müsst, euch etwas vorzuspielen.

Echte Dominanz. Echte Unterwerfung. Keine anerzogene.

 

Margaux

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Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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10 Antworten auf Erziehung zum Dom

  1. philina sagt:

    Leider gibt es echte Dominanz leider nur sehr sehr selten und wird nur allzu oft mit Narzissmus von den Herrn der Schöpfung verwechselt…..

    • Oder gar Beherrschen mit
      Gewalt gleichgesetzt, was noch schlimmer ist. Aber sei guter Hoffnung: Es gibt sie – irgendwo da draußen. Vielleicht lesen sie ja mit, fie natürlich dominanten Männer (und Frauen)!

  2. karimausi sagt:

    Das „Problem“ kenne ich zum Glück nur von meinem Freund, den ich hatte, als ich das erste Mal meine Neigungen ausleben wollte – und das ist schon 13 Jahre her und hat auch nicht sehr lange gehalten. 😉

  3. lilasumpf sagt:

    Ich glaube, dass, wenn die Neigungen nicht zusammen passen, der Fokus auf einen anderen Teil des gemeinsamen Lebens gelegt wird. Sex und Lust ausleben bekommt dann einfach einen anderen Stellenwert, weil „der Rest ja super ist“.
    Ob das auf Dauer reicht? Ich wage es zu bezweifeln. Und für mich möchte ich das definitv nicht.

    • Wer möchte (oder kann) schon pber längere Zeit hinweg seine Neigungen unterdrücken? Das führt früher oder später zu dem großen Knall oder psychischen Problemen.

  4. Ich kenne beide Seiten. Beim ersten Versuch lief es darauf hinaus, dass mein Ex mich pervers fand, auch wenn er es mir zuliebe paar Mal probierte (und das nach fast 10 Jahren als Fast-Vanillas) und beim jetzigen kitzel ich heraus, was in ihm noch alles verborgen ist, wobei er ja schon einiges wie Spankingvorliebe mitbrachte. 🙂

    Darf ich deinen Text rebloggen?
    lg kitty

    • Klar darfst du das, liebe kitty.
      Dann entsprechen deine Erfahrungen also meinen. Nur wenn die Neigung stimmt, genügt ein Anstoß, aber keine Erziehung kann das bewirken.

      • Vielen lieben Dank. *strahl*
        Ja absolut. Wobei auch viel, denke ich, an der Erziehung liegt. Ich hatte meinem Ex viel zugemutet, wollte es ausprobieren und dachte auch, wenn er Kontakt hätte zu Leuten, die das auch machen, was ich wollte, dann würde ein Knoten platzen – aber der Schuss ging nach hinten los.
        Und das. obwohl sein kleiner Freund bei unseren Versuchen mit der Gerte nicht abgeneigt war – im Gegenteil! Aber ich war ja pervers… 😉 Also anerziehen kann man sowas nicht, da wird immer was fehlen, weil man spürt, dass das nur gespielt ist…

      • Öhm, gibt es bei dir keinen Rebloggen-Button, wo ich einfach drauf drücken kann oder bin ich blind?
        Wenn nicht, muss ich das dann in einem Beitrag verlinken, denn auch dort habe ich bei mir selbst keine Reblogg-Funktion gefunden (manchmal nervt mich WordPress grmpf).
        🙂

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