Was hat dein Bauch mit BDSM zu tun?

Vor kurzem hatte eine Frau mit mir Kontakt aufgenommen, die sich unwohl fühlte vor dem ersten Treffen mit einem Dom.

Nachdem ich mir angehört hatte, was er ihr alles vorschrieb – u.a. kein Treffen vorab in der Öffentlichkeit – versuchte ich, ihr eines einzubläuen: Hör auf dein Bauchgefühl.

Warum? Sollte man nicht auf die Triebe hören, die Lust, irgendetwas mehr basic, dieser ganz tief vergrabene Wunsch, zu dienen/devot zu sein/sich ganz hinzugeben?

Ich kenne diesen Wunsch. Er hat so eine Gabe, sich erst mal nur ganz schwach zu äußern, vielleicht beim Lesen entsprechender Bücher mal den Finger zu heben, bei weiterer Lektüre und Recherche sich auszubreiten, festzusetzen, und schließlich sorgt er dafür, dass wir an nichts anderes mehr denken können und endlich, endlich den Mut finden, zu sagen: Ich gehe es an. Ich mache mich auf die Suche.

Gerade weil er so ein intensiver Wunsch ist, nicht vergleichbar mit Lust auf Sex oder Hunger, Durst, Lust auf ein Paar neue Schuhe, meint (vor allem) Sub ganz schnell, dass man ihm JETZT unbedingt nachgeben müsse. Wenn sich dann jemand anbietet, sagen wir mal mit der mächtigen Aussage: „Ich bin ein erfahrener Dom!“, fällt die innere Sub schon längst auf die weichgewordenen Knie, das Hirn setzt aus, das Herz wummert so laut, dass Warnungen nur noch schlecht gehört werden.

Das ist der Punkt, an dem ich laut „Stopp!“ rufe.

Nicht um zu verhindern, dass eine weitere Sub glücklich wird.

Nur, um zu fragen: „Was sagt denn dein Bauch dazu?“

Nimm dir an diesem Punkt Zeit. Auf einen oder zwei Tage kommt es doch jetzt auch nicht an, oder? Immerhin hast du „dein ganzes Leben darauf gewartet“ oder zumindest das halbe …

Also: Tief durchatmen, hinsetzen, Tee trinken. Überleg mal:

Was sagt dein Bauch?

Um genau zu sein, kannst du dir auch die Frage stellen: Würde ich mich ohne den Aspekt BDSM mit diesem Mann treffen?

Denn letztlich suchst du als Sub einen Partner. Nicht gleich den fürs Leben, das ist klar. Eher wie ein Date, oder? Wie eines dieser Dates, bei dem klar ist, dass es zu mehr führen könnte, bei dem Sex nicht ausgeschlossen ist. Das würdest du auch nicht mit jedem haben wollen, oder? Dabei geht es nicht ums Aussehen. Wir wissen alle, dass die inneren Werte zählen – na ja, bis auf die Tatsache, dass wir ja nicht die ganze Zeit die Augen geschlossen halten. Also zählt das Aussehen doch, der Partner sollte einfach anziehend auf dich wirken. Oder hast du wirklich mit jedem Sex? Nein, nicht wahr? Also: Prüfe doch mal, ob du dich mit ihm auf ein Bier/Kaffee/Cocktail treffen würdest.

Du sagst ja? Perfekt.

 

Dann kommt die nächste Frage:

Würdest du mit ihm mitgehen in seine Wohnung? Findest du ihn vertrauenswürdig genug?

Ich finde, dein Bauch kann da schon mithelfen. Wenn er hier grummelt, dann lass es erstmal. Besteht das Grummeln aus fliegenden Schmetterlingen, kannst du getrost mitgehen. Na ja – beim BDSM mit einer Einschränkung (immer bei ersten Dates!): Sag irgend jemandem Bescheid, was du tust und mit wem (Vor- und Nachname!) du wohin gehst (Adresse, Foto des Hauses).

Covern nennt man das.

Idealerweise macht das eine gute Freundin, ein guter Freund, vielleicht Bruder oder Schwester. Wenn es absolut niemanden gibt, der infrage kommt, dann frag jemanden aus deiner Bubble, egal ob auf Twitter oder wo auch immer. Aber bitte geh nicht, ohne diese Rückversicherung. Ihr könnt vereinbaren, dass du dich zu bestimmten Zeiten meldest, vielleicht nach einer oder zwei Stunden, überlegt euch da was. Du darfst auch dem neuen Dom sagen, dass du dich covern lässt, du musst ihm ja eh die Telefonate erklären. Für ganz Ängstliche empfehlen sich Codewörter: „Wie geht es Anton?“ heißt dann vielleicht: „Hol mich hier raus!“

Du hast entschieden, dass dieser Typ jemand ist, mit dem du gerne auf ein Date gehen würdest, hast eine Freundin, die covert, triffst dich mit ihm, ihr geht in eine Wohnung oder Hotelzimmer und fangt an.

Stopp, auch hier noch mal!

Denn auch wenn dein Bauch jetzt sicher alle möglichen Zeichen aussendet, frag ihn noch einmal: Wie würde er entscheiden?

Wenn da immer noch ein Grummeln ist, gehe einen Schritt oder auch zwei zurück. Sag es dem Partner. Sag ihm, dass da ein Grummeln ist. Und dann redet.

Du hast das Recht, zu sagen, dass du jetzt noch nicht soweit bist. Ein guter Dom wird das akzeptieren und dich nicht unter Druck setzen. Denn ehrlich, es muss nicht heute soweit sein, auch nicht morgen, auch wenn du schon eine Weile gewartet hast. Auch nächste Woche wird das erste Mal noch genauso intensiv sein. Besser, wenn dein Bauch nicht aus Panik grummelt, sondern aus freudiger Erwartung.

Also: Bitte höre auf deinen Bauch. Der weiß nämlich viel besser, was richtig ist und was falsch. Dein Hirn rechnet dir womöglich vor, wie lange du schon suchst. Deine Pussy pulsiert im Rhythmus von „Los! Jetzt! Los! Jetzt!“ und denkt überhaupt nicht. Aber dein Bauch kann das. Wirklich. Vertrau ihm.

Diesen Schritt zurück, diese Pause und das ‚In-sich-hineinhorchen‘ kannst du jederzeit machen, solltest du jederzeit machen. Prüfe immer wieder, ob es noch in Ordnung ist. Es geht nicht um einen Wettbewerb, es geht nicht um das, was der ‚erfahrene‘ Dom sagt, sondern um dich.

Und dann, wenn alles in Ordnung ist: Viel Spaß!

Deine

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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