Eine Berührung

wordle berührung

Er streichelt mir im Vorbeigehen über den Hintern.

Etwas erwacht tief in mir. Erst ein winziger Funke, dann ein Flämmchen. Unsere Küche ist klein, weswegen ich mit einer unscheinbaren Bewegung eine Berührung haben kann. Meine Hüfte an seinem Po. Dazwischen Stoff, seine Hose, meine Hose, sein Slip. Der Stoff, der sich als dünnes Band zwischen meine Backen schmiegt, ist nicht der Rede wert.

Woran liegt es? Kann ich den Atem hören? Entsteht ein elektrisches Feld zwischen unseren Körpern? Was auch immer es ist, es ist spürbar, wenn auch nicht messbar. Sex ist in der Luft. Noch schwach, nicht brennend, aber wie eine Flamme, die über die Haut streicht.

Er übt Druck aus, hält gegen meine Berührung an. Dadurch vergrößert sich die Fläche, der Ellbogen kommt hinzu, der sich in meinen Rücken drückt, der Oberarm. Hier sind es nur zwei dünne Lagen, sein T-Shirt und meine Bluse. Hier spüre ich Körperwärme zusätzlich zu dem köstlichen Druck.

Ich liebe Berührungen, egal wie und wo. Ich bin ein sehr haptischer Mensch, brauche Körperkontakt, fingere gerne an dem Stoff seines Hemdes, lege meine Hände auf seinen Schenkel oder streichle durch sein Haar. Weshalb es mich verrückt macht, wenn er mich fesselt, mich daran hindert, meiner Sehnsucht nachzugeben, ihn zu berühren.

Haut ist ein so wundersames Organ, so großflächig, sensitiv, so unterschiedlich in Textur und Form, dass ich sie stundenlang erforschen könnte, jede glatte genauso wie jede faltige Stelle ertasten, jede Temperaturänderung, jeden Feuchteunterschied erfühlen möchte.

Ich mache eine reibende Bewegung, wie eine Katze, die ihren Besitzer kennzeichnen will. Genauso möchte ich ihn kennzeichnen, mit meinem Duft, Spuren hinterlassen, die uns binden, unsere Zusammengehörigkeit beweisen.

Ich muss an andere Möglichkeiten denken, an andere Situationen, sie springen in mein Bewusstsein wie Lichtstrahlen durchs Blätterdach. Situationen, in denen er mich markiert hat, mehr als nur seinen Duft auf mir hinterlassen hat.

Ach, dieses berauschende Gefühl von Erregung, die sich langsam in meinem Körper ausbreitet. Wärme, aber noch viel mehr. Nervenbahnen aktivieren sich, leiten erinnerte Berührungen ans Hirn, Muskeln erwärmen sich und zucken probeweise, Sinne werden achtsam ausgerichtet auf kleinste Zeichen von Stimulation. Dort unten, in meinem Zentrum, wo sich alles konzentriert, laufen alle Nachrichten zusammen, werden sofort umgesetzt in Vorbereitungen, produzieren Feuchte, lassen anschwellen, schwemmen sauerstoffgetränktes Blut in die Zellen. Atem beschleunigt sich, Herzschlag auch, damit alles versorgt werden kann, Speichel fließt.

Und das alles in wenigen Sekunden, ausgelöst durch eine einfache Berührung, ein Streifen von Fingern, sanftem Druck, wohlbekanntem Duft, wortloser Liebe.

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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