Das S steht für Sadismus

Oh, oh, Inbegriff der Perversitäten für alle Bürger!
Sicher gibt es Menschen, die andere nur quälen wollen, die sich an Mitmenschen vergehen, die Schmerzen und Demütigungen zufügen, Straftaten begehen. Aber das sind nicht diejenigen, die dies im Rahmen der BDSM-Regeln tun. Gerade bei Sadismus gelten diese so wichtigen Grundsätze – vor allem das gegenseitige Einverständnis.
Wären die Praktiken nicht ausgerechnet nach Herrn Sade benannt worden, der in seinen Büchern eine beispiellose Flut an grässlichen Taten beschreibt, sondern würde man nur von Lustschmerz sprechen, hätte sich vielleicht nie dieses so negative Bild ergeben, das zeitweise als psychische Krankheit klassifiziert wurde.

Was also ist Sadismus?
Es bedeutet, sexuelle Lust zu erleben, wenn man einen anderen Menschen demütigt oder ihm Schmerz zufügt. Im Rahmen der Regeln des BDSM heißt das, nur einem Menschen Schmerz zuzufügen, der dies auch möchte (der also selber Lust aus den Schmerzen zieht) oder jemanden zu demütigen, den dies erregt.
Wie weit man geht – wie viele Schmerzen man benötigt, um erregt zu werden, wie sehr man einen Partner demütigen darf, ohne über die Grenze zu gehen, das ist der eigentliche Diskussionspunkt.
Hier hilft nur eines: Reden. Und reden. Und reden.
Ich halte nicht viel von Verträgen, in denen man ankreuzt, mit welcher Stärke geschlagen werden darf, ob ein Flogger verwendet werden darf, welche Praktiken gewollt sind. Viel wichtiger ist es, sich auszutauschen. Vor dem Spiel, während des Spiels, nach dem Spiel. Eigentlich immer. Auch ein Sadist darf nicht einfach draufhauen, weil er einem Masochisten gegenübersteht.
Schmerzen sind nur so weit in Ordnung, als man dem Partner keinen bleibenden Schaden zufügt. Dass nur Erwachsene und Menschen, die sich selbst vorstehen können, überhaupt teilnehmen dürfen an Spielen, setze ich dabei als selbstverständlich voraus.
Ein Sadist ist immer auch ein Mensch, der seine Macht genießt. Macht über sein Gegenüber, die Macht, den anderen zu schlagen, zu dominieren, zu demütigen. Doch längst nicht jeder, der Macht über seinen Partner ausübt, ist auch ein Sadist.

Wo fängt Sadismus an und wo hört er auf?
Der zweite Teil ist einfach zu beantworten – nämlich da, wo dem Masochisten oder dem womöglich gar nicht masochistischen Partner Schmerzen zugefügt werden, die dieser nicht als luststeigernd, sondern einfach nur als schmerzhaft empfindet.
Der Anfang kann schon in winzigen Gesten liegen – einen Nippel fest kneifen oder drehen, mit der Hand zuschlagen, die Klit zusammenpressen.
Zwischen diesem Anfangspunkt und dem (nicht genau festlegbaren) Endpunkt liegt eine Welt – in der sich vermutlich ein Großteil der Bevölkerung tummelt, gerade weil die Grenzen so verschwommen sind.

Bezeichnungen gibt es viele – und doch beschreiben Worte nicht immer alles. Auch ein Sadist kann heute sadistisch handeln, morgen auf der Empfängerseite stehen; kann gewalttätig sein oder liebevoll, je nachdem, wie er sich gerade fühlt, kann angemacht werden von dem Abdruck seiner Hand auf einem glühenden Hintern oder von Schnitten und Nadeln. Wer wie weit gehen mag oder darf, muss jeder Mensch zuerst für sich alleine entscheiden – und dann mit dem Partner.
Jede Handlung, die nicht im gegenseitigen Einverständnis geschieht, ist einfach nur Gewalt, die als solche strafbar ist. Ein Sadist bewegt sich auf einem sehr schmalen Grat – will er nicht abstürzen, muss geklärt werden, wie weit er sich zur Seite neigen kann.

Also: Reden und reden und reden, dann ausprobieren und wieder reden. Letztlich ist alles erlaubt, was beiden Lust bereitet, wobei sich beide wohlfühlen, was mit Verstand vereinbart wird, was nicht das Leben oder die Gesundheit gefährdet.

Und vergesst die Liebe nicht. Sie ist das Band, das alles zusammenhält.

Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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