Schläge und Schläge

Angeregt von einem Artikel über Meat Loaf bei Kleine Schwanzlutscherin erinnere ich mich an meinen Lieblingssong „Objects in the Rear View Mirror“, in dem er unter anderem von seinem prügelnden Vater erzählt. Dazu passte dann die Story von Ela´s World, die ihre Kindheit aufarbeitet.

Schläge in der Kindheit. Sie verletzen so viel mehr als die Haut, sie treffen so viel tiefer als die Vibrationen, die von dem Kochlöffel oder der Hand ausgehen.

Zum Glück sind sie eine Welt von den Schlägen entfernt, die ich mir wünsche, vor denen ich innerlich zittere und die ich doch herbeisehne.

Nein, kein Vergleich. Das Zittern in der Kindheit und Jugend wurde von Angst ausgelöst, Angst vor der Gewalt eines Erwachsenen, vor dem Verlust von Liebe, von dem Gefühl, nicht zu genügen, alles falsch zu machen. Sie lösten Hass aus auf die Ungerechtigkeit der Welt, auf das Elternteil, auf die eigene Schwäche, die es nicht erlaubte, zurückzuschlagen.

Die Schläge heute sind, obwohl vielleicht mit der gleichen Schlagkraft ausgeführt, ein Zeichen von Liebe, von Erfüllung von Wünschen, lösen Erregung aus und Geilheit. Mir ist noch bei keinem Schlag die Erinnerung an meine Kindheit aufgetaucht, da es keine Verbindung gibt.

Mein Partner gibt mir, was ich brauche. Er tut, was ihm gefällt. Wie oft haben wir uns das anfangs versichern müssen, wie oft haben wir nachgefragt. Die Sätze „Du musst es nicht tun!“ und „Nur, wenn du es auch willst!“ wurden immer wieder abgespult, wir fragten nach dem Befinden, nach der Wirkung, nach guten und schlechten Gefühlen. Sicher nicht der schlechteste Weg, es anzugehen. Es ist ein riesiger Unterschied zwischen Geschlagenwerdenwollen und dem ersten Schlag, der trifft. Meine Sehnsucht nach Schmerz war vorher ja nur eine vage Vorstellung von Schmerz, die Idee, dass dies das sein müsse, was ich brauche.

Wie sollte ich wissen, ob es das tatsächlich ist?

Nur durch Ausprobieren und Kommunikation. Reden, reden, reden.

Das gilt für alle Anfänger, aber genauso für jedes Mal, wenn wir wieder etwas Neues ausprobieren. Jedes Spielzeug, jede Grenze, die überschritten werden soll, jedes Spiel.

Natürlich darf er weiter gehen, darf er den Schmerz verstärken oder die Härte variieren, aber letztendlich nur soweit, wie ich es ihm zugestehe. Ein guter Dom achtet auf Zeichen, wenn keine Worte gesprochen werden können, führt mich gerade den Schritt über das Wohlfühlen hinaus, den ich selbst nicht zu gehen wage. Trotzdem gehört die Kommunikation, auch die ohne Worte, einfach dazu.

 

Je länger wir nebeneinander in die gleiche Richtung marschieren, desto weniger Worte sind notwendig, doch für alle Anfänger ist das Reden essentiell.

Vielleicht hätte uns das in der Kindheit auch gutgetan.

Ich lasse diese Erinnerungen nur selten an mich heran. Weil ich nicht mehr das Kind von damals bin, sondern eine erwachsene Frau, die sich nur dann schlagen lässt, wenn sie es will. Die vor Geilheit trieft, wenn sie geschlagen wird von einer Hand, die es aus und mit Liebe tut.

 

In diesem Sinne: Tut, was euch guttut. Egal ob mit oder ohne Schläge.

 

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Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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5 Antworten auf Schläge und Schläge

  1. *GELOBT sei … was HART macht *
    … hätte der held jetzt wohl geschrieben … wenn er sich sicher sein könnte … das sein humor verstanden wird …

    wir teilen zumindest eine vorliebe …
    was den lieblingssong von diesem interpreten angeht ganz sicher …

  2. transomat sagt:

    Ich bin mir sicher liebe Margaux das es da doch einen direkten Zusammenhang gibt.
    fast alle meienr submissiven oder masochistischen Freunde und Freundinnen haben als Kinder und Jugendliche in irgendeiner Form Gewalt erlebt. Sie wurden geschlagen oder als Kind Missbraucht. Nicht zwingend durch die Eltern. Onkel, Tante oder Erzieher.
    Es reicht eine besonders dominante Mutter zu haben um Dich so zu prägen das Du später als Erwachsene geschlagen werden willst.
    Ich bin kein Psychologe, ich kann es nicht erklären, aber irgendwie muss es da einen Zusammenhang geben

    • Nein, transomat, da muss ich widersprechen. Ich kenne andere submissive Frauen, die nicht von ihrer Kindheit geprägt sind und die psychisch sehr gesund sind, genauso wie ich auch mich einschätze.
      Das klingt mir nach zu einfacher Erklärung.
      Mich stört es immer, wenn man versucht, die Neigung zu BDSM – welcher Ausrichtung auch immer – mit einer psychischen Störung in Verbindung zu bringen. Es mag sein, dass labile Menschen sich eher dazu hingezogen fühlen, aber alle über einen Kamm zu scheren, ist mir zuwider.
      Ich sehe mich und viele andere Subs eher als sAF, wie sie von Devote Romantikerin beschrieben wird.

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