FemDom

Eigentlich gar nicht mein Thema – ich bin ziemlich festgemauert auf der anderen Seite. Trotzdem möchte ich es zum Thema machen, da es ein wichtiger Aspekt der BDSM-Szene ist.

Männer, die sich unterwerfen. Männer, die „alles“ mit sich tun lassen, die sich von Frauen schlagen lassen, sich unterordnen. Das eigentlich starke Geschlecht macht sich schwach, erfreut sich daran, eben nicht stark sein zu müssen. Oder? Nun ja, ich bin eine Vertreterin der Theorie, dass man stark sein muss, um sich auch schwach zeigen zu können, also ist es eben gar kein Widerspruch, wenn ein starker Mann sich einer starken Frau willentlich unterwirft, die Zügel abgibt, sich fallenlässt.

Wie immer liegt die Betonung auf freiwillig, willentlich. Kein Zwang kann echte Unterwerfung bringen, keine Schläge können Liebe hervorrufen, wo sie nicht freiwillig gegeben wird. Möglicherweise kann man Erregung erzwingen (leider reagiert der Körper nicht immer so, wie der Geist es will), aber niemals echte Gefühle.

Und schon bin ich beim zweiten wichtigen Aspekt angelangt. Gefühl. Ich weiß, es gibt viele Männer (und auch Frauen, aber um die geht es hier nicht), die sich von einer Fremden „behandeln“ lassen, die sich in einem Club oder auch gegen Geld bei einer Domina das holen, was sie woanders nicht bekommen. Aber ich bin sicher, dass jeder Mann es vorziehen würde, eine Frau zu finden, die etwas für ihn empfindet, während er sich ihr unterwirft, für die er etwas empfindet.

Kostet es einen Malesub mehr Überwindung, sich unterzuordnen? Quatsch, die weiblichen Subs, die ich kenne, sind im Alltag starke Frauen, für die es auch nicht einfach ist, die Kontrolle abzugeben, die sogar noch zusätzlich mit Gedanken an den Verrat des Feminismus kämpfen müssen, der ihnen so gerne von vorgeblich Emanzipierten vorgeworfen wird.

Egal, ob Frau oder Mann als sub – emanzipiert, d.h. befreit von den Fesseln der Tradition, gesellschaftlichen Normen, gleichberechtigt, unabhängig sollten wir immer sein. Das sollte für jeden das vordringlichste Ziel sein. Dann, wenn wir frei entscheiden können, wenn wir aus einer starken Position heraus unserem Traum folgen können, wird er auch wahr werden.

Dann fällt es leicht, sich hinzuknien, Halsband oder Gerte in die Hände des anderen zu legen und sich mit Freuden und voller Liebe in starke Arme fallen zu lassen.

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Gewitter

Wir sitzen im Auto. Er schaut zu mir.

„Zieh das Kleid hoch.“

Sein Ton, obwohl weich und leise, weckt alle Sinne. Meine Finger fassen den Stoff und ziehen den Saum so weit nach oben, dass die Beine frei liegen, nicht mehr.

„Höher. Ich will dich sehen.“

Das winzige Dreieck von Stoff ist schon feucht. Nicht vom Schwitzen.

Ich ziehe also weiter, muss den Hintern anheben, damit ich das freilegen kann, was er sehen will. Kühle Luft aus der Klimaanlage streicht über die erhitzte Haut.

„Mach den Stoff zur Seite.“

Seine Anweisungen sind Befehle, ohne dass seine Stimme lauter wird. Vielleicht setzt auch nur mein Kopf Ausrufezeichen an seine Worte, weil ich sie so hören will.

Er ist ein guter und sicherer Autofahrer, er würde mich, uns, nie in Gefahr bringen. Deshalb wirft er nur kurze Blicke. Auch ihm genügt das Wissen, dass ich so exponiert neben ihm sitze. Doch eine Sache muss er noch überprüfen.

Sein Finger gleitet langsam, oh so langsam, über mein Bein, vom Knie an aufwärts. Die Berührung hinterlässt ein Kribbeln, als könnte ich die winzigen Stromstöße spüren, die die Nervenzellen unter ihm abfeuern. Elektrisiert. Gewitterluft.

Der Blitz der Entladung folgt, als seine Fingerkuppe meine Klitoris streift und in die feuchte Wärme abtaucht. Für eine Sekunde nur, gerade genug Zeit, die Nässe zu ertasten, meine Bereitschaft offenzulegen, mein Begehren anzustacheln. Nein, ich komme nicht von einem Finger, doch der Strom, der von meinem Zentrum aus durch meine Brüste fließt und geradewegs in mein Lustzentrum, füllte wieder einmal den Akku. Ich bin bereit. Für ihn. Für Sex. Nach nicht einmal zwei Minuten. Er könnte mich jetzt nehmen und ich würde innerhalb kürzester Zeit explodieren. Seine Finger würden ausreichen, wären sie nicht längst wieder am Lenkrad.

Er lächelt, die Augen auf der Straße, wo sie hingehören. Ein wenig triumphierend, ein wenig angestrengt. Seine Nase bebt, er hat den Geruch der erweckten Leidenschaft gewittert.

Mir bleibt nur ein schaler Triumph. Zu wissen, dass er genauso leidet wie ich.

 

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Hitze

DSCF6161Hitze. Tag und Nacht.

Was anziehen? Ein Kleid, möglichst kurz, möglichst luftig.

Die Folgen?

Seine Hände auf mir und in mir. Überall. Tag und Nacht.

Keine Beschwerde, ganz im Gegenteil.

Ich wünschte, es wäre immer so heiß.

 

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Morgenritual

Meine Kurzgeschichte „Morgenritual“ habe ich schon vor einiger Zeit veröffentlicht. Einige Leser baten immer wieder um eine Fortsetzung. Nun, sie ist in Arbeit.

Für Neugierige habe ich mich entschlossen, hier den Anfang einzustellen.

Die heile Welt von Chef und Sekretärin kann nicht ewig so weitergehen. Es kommt, wie es kommen muss. Was der Personalchef allerdings mit der willigen Sekretärin vorhat, wird noch nicht aufgelöst.

Vor fünf Minuten war sie von der Toilette auf ihren Platz zurückgekehrt und der Computer endlich bereit, das Mailprogramm geöffnet. Noch erhitzt von ihrem heimlichen Orgasmus, obwohl sie das Gesicht mit kaltem Wasser gewaschen hatte. Nach dem Morgenritual dauerte es immer eine Weile, bis sie sich ganz auf die Arbeit konzentrieren konnte.

Die erste Pflicht lautete, die E-Mails zu kontrollieren. Spam musste aussortiert, dann die wichtigen Nachrichten ausgedruckt und zugeordnet werden. Eine Aufgabe, die kaum Denken erforderte, also bestens geeignet, um in den Büroalltag hineinzufinden.

Die Tür, die vom Flur in ihr Vorzimmer führte, öffnete sich. Ein Unbekannter trat ein. Wie unhöflich! Warum klopfte er nicht an? Sollte sie ihn darauf aufmerksam machen?

Der Mann kam ihr zuvor. „Guten Morgen, Frau Kramer. Sie sind doch Frau Kramer, Leah Kramer? Darf ich mich vorstellen? Ich bin Jürgen Weber, der Neue.“

Sie starrte ihn verständnislos an, dann endlich sackte die Information. Natürlich! Der neue Personalchef hatte bereits letzte Woche seinen Dienst angetreten. Sie hatte die Notiz als unwichtig beurteilt, da sie praktisch nie das Personalbüro besuchte. Hier in der Rechnungsabteilung blieben sie unter sich, nur ihr Chef, Herr Hartmann, und sie. Leah machte die postorgasmische Verwirrung für ihre langsame Reaktion verantwortlich.

„Guten Tag, Herr Weber.“ Herr Hartmann würde keine Begeisterung aufbringen für die Störung. Er hasste es, wenn Abteilungsleiter unbedingt mit ihm konferieren wollten. Soweit möglich erledigte er alle Besprechungen am Telefon. Einer der Gründe, warum Leah so wenig Kontakt zu den anderen Mitarbeitern hatte. Sie kannte von den meisten nur die Stimme. Außerdem machte er auch ohne Anweisung klar, dass er von ihr Zurückhaltung erwartete und keine Verbrüderung mit Kollegen.

„Entschuldigen Sie bitte, Herr Weber, aber Herr Hartmann möchte zurzeit nicht gestört werden. Wenn Sie ein Gespräch wünschen, richte ich es ihm aus. Er wird sich dann mit Ihrem Büro in Verbindung setzen, sobald er Zeit erübrigen kann.“

„Frau Kramer, ich will nicht zu ihrem Chef. Ich möchte mit Ihnen sprechen. Sie können bestimmt ein bisschen Zeit für mich erübrigen.“

Sie lief rot an. Seine Stimme hatte diesen Unterton, der besagte, dass sie es nur nicht wagen sollte, ihm zu widersprechen. Einen Unterton, den sie bisher nur von ihrem Chef kannte.

„Was kann ich für Sie tun?“ Sie blieb höflich, aber distanziert.

„Nun“, Herr Weber machte eine Pause, drehte sich suchend um und zog einen der ungenutzten Besucherstühle heran, den er vor den Schreibtisch stellte. Während er sich setzte, fuhr er fort. „Frau Kramer, ich habe mir Ihre letzte Arbeitszeiterfassung angeschaut. Dann die Vorletzte und die davor. Ich musste feststellen, dass Sie zu einer Zeit anfangen, zu der noch niemand im Haus ist. Können Sie mir das erklären?“

Die Röte breitete sich vermutlich über ihr Dekolleté aus, so wie es sich anfühlte.

„Herr Hartmann wünscht, dass ich früh da bin, da er selbst es vorzieht, zeitig die Arbeit aufzunehmen.“ Sie hatte einen Einfall. „Vor Beginn der Bürozeiten ist er ungestört und kann sich besser konzentrieren. Das Gleiche gilt natürlich auch für mich.“

„Frau Kramer, es liegt mir fern, Sie oder Ihren Chef an der Arbeit hindern zu wollen. Aber außer der Tatsache, dass Sie besonders früh anfangen, stellte ich noch fest, dass sie erst zu dem üblichen Arbeitsende aufhören. Das bedeutet, dass Sie jeden Tag beinahe eine Stunde länger bleiben als Ihre Kollegen. Wie Sie sicherlich wissen, sammelten Sie auf diese Weise bereits eine erhebliche Zahl von Überstunden an. Nun obliegt es mir als Zuständigem zu klären, ob das nötig ist. Und was geändert werden muss, um die Entstehung von Überstunden zu verhindern. Können Sie mir hierzu Auskunft erteilen?“

Sie rutschte auf dem Stuhl herum, der ihr jetzt reichlich unbequem erschien. „Sie könnten das mit Herrn Hartmann besprechen?“ Sie hörte ihrer Frage an, dass sie dabei an die Folgen dachte. Wenn sie dem Chef unnötigerweise den Personalchef auf den Hals hetzte, müsste sie es nach aller Wahrscheinlichkeit am Samstag büßen. Und heute war bereits Donnerstag.

Herr Weber schüttelte den Kopf. „Aber Frau Kramer, ich bin sicher, dass Sie mir selbst erklären können, was Sie hier tun.“

Sie schluckte schwer. Wie konnte sie ihm erzählen, was sie morgens im Büro des Chefs tat? Sie hatte noch den Geschmack seines Ejakulats auf der Zunge. Einen Moment lang stieg eine Art Hysterie in ihr auf bei der Vorstellung, wie sie dem Neuen genau beschrieb, was sie unter dem Schreibtisch tat. Sie musste sich zusammenreißen! Sie zwinkerte heftig, um ihre Augen wieder ernster erscheinen zu lassen.

„Nun, Herr Hartmann, mein Chef, bat mich vor geraumer Zeit, doch morgens früher zu kommen, da er es vorzieht, in Ruhe zu arbeiten. Ich schlug ihm diese Bitte nicht ab. Ich stehe ihm zur Verfügung, wenn er mich braucht.“ Beinahe hätte sie gekichert, aber sie konnte es unterdrücken, indem sie die Lippen fest zusammenpresste.

„Das erklärt noch nicht, warum Sie dann nicht abends einfach früher gehen. Sind diese Überstunden wirklich nötig? Haben Sie so viel zu tun?“ Sein Blick glitt über ihren leeren Schreibtisch.

Leah hatte es sich angewöhnt, den Arbeitsplatz genauso ordentlich zu halten wie ihr Chef. Seit der Einführung des Morgenrituals, nein, eigentlich schon seit Beginn der Tätigkeit für ihn, setzte sie alles daran, ihm zu gefallen. Nachdem er an den Wochenenden die Vergehen, die sich während der Woche angehäuft hatten, mit ihr abrechnete, arbeitete sie noch akkurater und penibler.

Vor vierzehn Tagen hatte sie einen Anruf durchgestellt, der sich als Werbegespräch erwies. Der Anrufer hatte sich als Mitarbeiter einer Bank ausgegeben, wollte aber nur Geldanlagen verkaufen. Sie hatte ihn nicht durchschaut – und dies büßen müssen. Zuerst hatte sie auf dem harten Küchenboden gekniet mit einem alten Telefon auf den ausgestreckten Händen, während er sie missachtete. Dann, als das Gewicht die Arme nach unten gezwungen hatte, hatte sie dafür ihre Strafe erhalten in Form von zehn Schlägen mit dem altertümlichen Hörer auf den nackten Hintern. Sie hatte noch zwei Tage später die Abdrücke der Sprechmuschel im Spiegel erkennen können.

Wie sollte sie aber Herrn Weber davon überzeugen, dass sie ausgelastet war? „Ich sortiere als Erstes morgens die E-Mails aus, danach hat Herr Hartmann meist schon mehrere Bänder diktiert, die ich schreibe, korrigiere und ihm zur Ansicht vorlege. Dann …“

„Frau Kramer, ich glaube Ihnen gerne, dass Sie etwas tun. Obwohl es mich wundert, dass Sie jetzt“, hier schaute er demonstrativ auf seine Uhr, „eine halbe Stunde nach Arbeitsbeginn, immer noch mit dem Sortieren der Mails beschäftigt sind.“

Ihr wurde heiß. Er beschuldigte sie, ihre Arbeit zu langsam zu erledigen! Das war doch die Höhe!

Er fuhr ungerührt fort: „Die eigentliche Frage lautet aber, ob es nötig ist, dass Sie bis achtzehn Uhr hierbleiben. Bleibt Herr Hartmann auch so lange?“

„Herr Weber, und ich kann doch das Büro nicht verlassen, solange Herr Hartmann noch anwesend ist!“ Sie hoffte, genug Empörung in den Ton gelegt zu haben. Was immer er von ihr dachte, sie würde nicht zulassen, dass er darüber hinaus ihren Chef des Nichtstuns bezichtigte. Er arbeitete hart, und die Zeit für das Morgenritual bildete die einzige Auszeit, die er sich erlaubte. Wobei es zumindest so aussah, als arbeite er dabei auch noch. Nun ja, nicht gegen Ende, aber am Anfang, ehe sie unter den Schreibtisch kroch.

„Frau Kramer, sind Sie denn zufrieden mit den Arbeitsbedingungen in unserer Firma? Sie arbeiten bereits zwei Jahre hier, davon neun Monate für Herrn Hartmann. Man hat Sie mir als äußerst tüchtig beschrieben.“ Wieder wanderte sein Blick über die leere Platte und sie glaubte, einen leisen Zweifel zu erkennen. „Vielleicht wünschen Sie ja eine Änderung? Ich bin sicher, wir finden eine andere Stelle, an der Sie nicht gezwungen werden, Überstunden zu machen. Ich könnte in meinem Vorzimmer jemanden gebrauchen, da Frau Hanse auf halbtags umstellen möchte. Sie blieben dann auch nicht den ganzen Tag alleine.“

Wollte er sie überwachen? Er schien wirklich zu glauben, dass sie nichts zu tun hatte!

„Als Alternative könnte ich Ihnen eine Hilfe zur Seite stellen, zum Beispiel für ein paar Stunden am Morgen. Eine Aushilfskraft oder eine Sekretärin, die weniger ausgelastet ist als Sie.“

Oh Gott, nein! Dann müsste ihr Chef auf sein Morgenritual verzichten! Und sie auch! Oh, was tun? „Herr Weber, ich bin durchaus in der Lage, alles Anfallende zu erledigen. Und Herr Hartmann war noch nie unzufrieden mit meiner Arbeit.“ Hoffentlich hatte ihr Chef das nicht gehört, sonst würde sie für diese Lüge büßen. Es war Teil ihrer Beziehung, dass er sie für alle Fehler bestrafte, egal ob sie im Rahmen der Bürotätigkeit auftraten oder während der privaten Interaktionen.

Leah nahm ihren Mut zusammen, richtete sich auf und schaute ihm gerade in die Augen. „Ich halte es für angebracht, dass Sie direkt mit Herrn Hartmann sprechen. Sobald er Zeit findet, wird er sich mit Ihnen in Verbindung setzen.“ Der übliche Sermon klang nach dem, was er war: leere Worthülsen. Aber ihr fiel beim besten Willen nichts Besseres ein. Wenn dieser Mensch nur endlich gehen würde! Er sollte sie in Frieden lassen, und Herrn Hartmann sowieso. Niemand durfte in ihre heile Welt einbrechen, das musste sie um jeden Preis verhindern. „Ich werde mit Herrn Hartmann sprechen und ihn auf das Problem aufmerksam machen. Ich bin sicher, wir finden eine Lösung.“ So langsam hörte sie sich wieder wie die tüchtige Sekretärin an, die sie darstellen wollte.

Herr Weber stand auf, blieb aber dicht vor dem Schreibtisch stehen. Er war größer als sie und selbst größer als der Chef. So, wie er über ihr lauerte, beherrschte er den Raum und sie. Von ihrer sitzenden Position war sie gezwungen, zu ihm aufzuschauen und kam sich sehr klein vor.

Sein Blick saugte sich in ihrem Schoß fest. Sie musste einfach an sich heruntersehen. Hatte sie Flecken auf dem Rock? Gab es Spuren dessen, was sie eben getan hatte? Oh, nein, ihre Hände verrieten sie, rieben aneinander und die Finger krallten sich immer wieder zusammen. Sie schaute hoch und es schien ihr, als sei er noch näher gerückt und bedrängte sie, obwohl er sich keinen Millimeter bewegt hatte.

„Nun, selbstverständlich werde ich das Problem auch noch mit Herrn Hartmann persönlich besprechen. Sollte er Zeit für mich finden“; hier lag eindeutig Häme in seinem Ton, „kann er mich ja kontaktieren. Er weiß, wie er mich erreicht. Ich überlasse Sie also Ihrer Arbeit – und Ihrem Chef!“

Nachdem Weber das Büro verlassen hatte, dauerte es nur eine Minute, bis die Sprechanlage knisterte. „Frau Kramer, zu mir!“

Wie ein Wirbelwind sprang sie auf, hatte Block und Bleistift in der Hand und trat nach einem kurzen Klopfen in das Büro. Sie stellte sich an die gewohnte Stelle, kerzengerade, den Blick gesenkt, die Schreibutensilien bereit zum Aufzeichnen aller Anweisungen.

„Frau Kramer, wer war das?“

Oh, seine Stimme! Und der Tonfall! Allein sein autoritärer Tonfall machte sie feucht und ihre Nippel richteten sich auf.

„Herr Weber, unser neuer Personalchef. Er hat festgestellt, dass meine Arbeitszeit die der anderen Sekretärinnen übersteigt, und bot an, mir eine Hilfe zur Seite zu stellen. Er bittet Sie, das Problem direkt mit ihm zu lösen, sofern Sie die Zeit erübrigen können.“

Es war still im Raum. Sie hörte ihre eigenen Atemzüge, schneller als normal, aber langsam im Vergleich zu den morgendlichen Aktivitäten. Sie konnte nicht verhindern, dass ihr Herzrhythmus hochschnellte, sobald sie an ihn dachte, auch wenn er strikt verboten hatte, dass sie außerhalb des morgendlichen Rituals irgendeine Regung in seiner Anwesenheit zeigte. Sie bemühte sich um eine neutrale Miene in seiner Gegenwart, nur die Augen hatte sie devot zu Boden zu richten.

„So, so. Überstunden. Ich werde mir eine Lösung überlegen müssen. Herr Weber wird direkt von mir kontaktiert. Sie brauchen sich darum nicht weiter zu kümmern, Frau Kramer.“

Es folgten diverse Anweisungen die Schreiben betreffend, die er bereits diktiert hatte und Unterlagen, die er benötigte. „Was ist mit den Mails, Frau Kramer?“

Ihr stockte der Atem. Sie lag im Zeitplan zurück! „Herr Hartmann, es tut mir leid, ich bin noch nicht dazu gekommen, die Post durchzuschauen!“ Sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, ihre Fehler auf andere zu schieben, auch wenn Herr Weber sie aufgehalten hatte.

„Das hat Folgen, Frau Kramer! Sie haben bis Samstag Zeit, sich zu überlegen, welche. Gehen Sie. Ich erwarte die Schreiben in einer Stunde – und zwar fehlerfrei!“

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Die Party

Lachen und Gespräche und das Brutzeln von Grillfleisch. Dort das Poppen einer Bierflasche, hier das Gluckern eines Weins im Glas.

Unsere Grillparty läuft perfekt und ich atme für einen Moment durch. Die Gäste amüsieren sich, jeder ist versorgt mit Essen und Trinken, jetzt kann praktisch nichts mehr schiefgehen.

Hinter mir klappert es. Daniel hat Getränkenachschub aus dem Keller geholt und stellt die Flaschen in die mit Eiswürfeln gefüllte Wäschewanne. Er kommt zu mir und gibt mir einen Kuss.

„Marlene.“

Trotz gefühlter dreißig Grad im Schatten überläuft mich Gänsehaut. Sofort senke ich die Augen und stehe gerade, meine Hände sind schon auf dem Rücken und ich umschlinge die Unterarme in der so vertrauten Haltung.

„Sehr schön, mein Schatz. Das genügt.“

Erleichterung überfällt mich, denn eben hatte das Denken wieder eingesetzt und mir die Umgebung bewusst gemacht, im Bruchteil einer Sekunde, bevor ich mich auf die Knie fallen lassen wollte.

Die Empörung folgt auf dem Fuß. Wie kann er nur? Während einer Party mit ungefähr zwanzig Gästen, Freunden und Nachbarn! Wir wollten das Spiel, wie wir es nennen, für uns behalten, es privat ausleben, nicht in aller Öffentlichkeit.

„Noch einmal solch eine Schnute und du bekommst gleich hier die Quittung dafür.“ Daniel spricht sehr leise in mein Ohr, aber ich schaue mich trotzdem um, ob auch niemand zugehört hat.

„Marlene!“ Sein Ton ist schärfer geworden. Der Blick härter. Diese Gänsehaut hat nichts mehr mit Erregung zu tun, sie wird von Furcht ausgelöst. Nicht vor meinem Freund, sondern vor den Konsequenzen. Ich hasse es, wenn er mich bestraft, während ich die gleichen Schläge liebend gern auf mich nehme, solange sie seiner und folgerichtig auch meiner Lust dienen.

„Ruhig, Kleines. Niemand hat etwas gesehen oder gehört. Und niemand wird etwas mitbekommen, sofern du tust, was ich dir sage.“ Daniels Stimme ist leise und sanft, er weiß genau, wann er meine Ängste mit Zärtlichkeit zerstreuen muss und wann Befehle angebracht sind.

„Ich habe verstanden.“ Ich wage nicht, die übliche Ansprache anzufügen und sein Nicken bestätigt mich in meiner Vorsicht. Wir kennen uns schon einige Jahre, ich weiß üblicherweise, was er will. Allerdings hat er noch nie ein Spiel vor anderen begonnen, also kenne ich ihn vielleicht doch nicht so gut, wie ich dachte.

„Du gehst zu Thomas, hockst dich zu ihm und wirst ihm jeden Wunsch erfüllen, den er äußert. Schnell und ohne zu fragen. So, als wären es meine.“

Daniel fragt nicht, ob ich seine Anweisung verstanden habe. Er setzt es voraus. Die Hand, die er mir in den Rücken legt und mit der er mich sanft in Thomas Richtung schiebt, sagt mir mehr als Worte. Ich soll folgen, natürlich, aber auch, dass ich seinen Wunsch damit erfülle, dass er alles im Griff hat und mich nicht fallen lässt.

Es dauert die gesamten zehn langsamen Schritte bis zu der Loungegruppe, auf der Thomas sehr entspannt sitzt, um meinen Kopf freizubekommen und in die Stimmung einzutauchen, die ich so liebe. Ich öffne mich, weite mich innerlich, damit ich ein Gefäß bin, in das mein Herr wahlweise etwas hineingeben oder herausschöpfen kann. Ich will dienen, zu Gefallen sein, mich hingeben.

Thomas lächelt mich an und ich muss einfach zurücklächeln. Ich mag die kleine Lücke zwischen seinen Schneidezähnen, die sein sonst so perfektes Gesicht menschlicher macht. Er ist der hübscheste Mann, den ich kenne, attraktiver noch als Daniel. Mein Freund hat andere Vorzüge, die weit über das Aussehen hinausgehen. Üblicherweise achte ich nicht so sehr auf Äußerlichkeiten, aber bei Thomas drängt sich seine Vollkommenheit geradezu auf – bis er den Mund aufmacht.

„Setz dich zu mir, Marla.“

Der Platz zwischen ihm und der Armlehne ist eng, aber ausreichend. Ich achte auf mein Gewicht und Daniel sorgt dafür, dass ich mich genug bewege, um das Idealgewicht nicht zu überschreiten. Er meint, es sei die Pflicht eines Herrn, sich auch um den Körper seiner sub zu kümmern.

„Eine wunderbare Party. Hast du schon etwas getrunken?“

„Nein, Thomas.“ Erst langsam kommen die Fragen auf, die die Situation mit sich bringt. Wie weit muss ich gehen? Thomas war ursprünglich einer von Daniels Freunden, aber er hat seine Freundschaft auf uns als Paar ausgedehnt. Kein Wunder, dass Daniel ihn für dieses Spiel ausgesucht hat. Thomas wird es nicht verwundern, wenn ich seine Wünsche wortgetreu erfülle, was bei den lockeren Bekannten sicher der Fall gewesen wäre.

„Dann hol dir doch was. Ich möchte mit dir anstoßen.“

Erleichtert gehe ich los und schenke mir ein Glas Wein ein. Meine Augen suchen Daniel. Ich lächle ihm zu und zwinkere sogar. Er wird seinen Spaß haben. Mit Thomas, weil dieser nicht ahnt, was mich bewegt.  Mit mir, weil er mich einmal mehr in eine Situation gebracht hat, in der ich erst den Boden unter den Füßen verliere, um dann festzustellen, dass alles ganz harmlos ist. Er testet gerne meine Limits und überrascht mich häufig mit Szenarien, die mir zunächst Angst machen, sich später aber als leichtes Spiel erweisen.

Ich stelle mein Glas auf dem Tisch ab und will mich gerade setzen, als Thomas mir sein leeres Bierglas hinhält. „Bekomme ich ein Glas Wasser?“

„Ich hole es dir. Einen Moment, Thomas.“

Wie der Blitz bin ich zurück und halte ihm das Glas hin. Er schaut nur kurz auf den Platz neben sich und schon sitze ich wieder brav da. Wir stoßen an.

„Danke, Marla. Du hast eine wunderschöne Party organisiert, geradezu perfekt, aber das kenne ich ja so von dir.“

„Oh nein, Thomas, nicht perfekt. Niemand ist perfekt.“ Ich schaue unwillkürlich auf diese Lücke zwischen den Schneidezähnen und bin froh, dass seine Unvollkommenheit ihn nicht zu stören scheint.

„Aber sollte man nicht immer danach streben? Oder hältst du das für zu anstrengend?“

„Nein, natürlich sollte man sich darum bemühen. Aber wer möchte schon einen perfekten Menschen oder eine perfekte Party? Ein kleiner Fehler oder ein Missgeschick geben doch erst Gesprächsstoff.“

Thomas grummelt. Habe ich etwas Falsches gesagt? Nein, er lächelt, und das Grummeln kommt aus seinem Magen. Er hat Hunger!

„Hast du noch nichts gegessen?“

„Nein, Marla. Ich habe auf dich gewartet.“

„Mich kann man nicht essen, Thomas.“ Daniel hätte mir für diese freche Bemerkung einen ersten Klaps auf den Hintern ausgeteilt, dem später mehr folgen würden. Siedend heiß fällt mir Daniels Anweisung ein. Ich soll seinem Freund doch alle Wünsche erfüllen, habe aber nicht auf dessen Wohlergehen geachtet. „Darf ich dir etwas zu essen holen? Was möchtest du?“

„Stell mir etwas zusammen, du weißt, was ich mag.“

Ich laufe beinahe zum Grill und zum Salatbuffet und häufe eine Auswahl auf einen Teller. Thomas war schon oft zu Besuch, ich kenne seinen Geschmack. Er nimmt das Essen mit einem Lächeln entgegen, runzelt aber die Stirn. Diesmal erkenne ich seinen Bedarf schneller und werde gleichzeitig rot.

„Ich hole dir Besteck.“ Mist, das mit dem Dienen klappt heute nicht so gut. Es ist ein Spiel zwischen Daniel und mir. Nicht, dass ich ihn ständig bediene, nur manchmal. Ich mag es, es ist meine Art, ihm zu zeigen, dass ich gerne für ihn sorge und dass ich ihn liebe. Trotzdem er sehr dominant ist, sorgt er umgekehrt auch für mich und liest mir jeden Wunsch von den Augen ab, sogar den, ihm einfach nur dienen zu dürfen.

Thomas balanciert den Teller auf den Knien und hat nur eine Hand frei, das Besteck entgegenzunehmen, weswegen die Serviette auf dem Boden zu seinen Füßen landet. Ich lasse mich möglichst elegant auf die Knie nieder und offeriere sie ihm so, wie ich Daniel die Peitsche reichen würde, wenn er es verlangte. Thomas nickt, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. Ich hatte ein Lachen erwartet oder einen verwunderten Blick, aber nun ja. Männer sind so, sie erwarten vielleicht, dass ihnen die Frauen zu Füßen liegen, selbst die ihrer Freunde.

„Hilfst du mir bitte?“

Ich soll den Teller festhalten, damit er das Fleisch schneiden kann. Gerne. Mein linker Unterarm liegt auf seinem Oberschenkel auf, anders geht es nicht. Er fühlt sich hart an, muskulös und warm unter der Jeans. Thomas ist sehr sportlich, fährt Rad, spielt Tennis und klettert, kein Wunder, dass seine Muskeln so ausgeprägt sind. Daniel und er haben schon so manche Tour gemacht und sind auch schon zusammen geklettert.

Daniel! Was sagt er zu dieser Situation? Ich suche seinen blonden Schopf in der Menge und sehe ihn am Grill mit dem Rücken zu mir. Genießt er meine Unterwürfigkeit oder stört es ihn, dass ich Thomas berühre? War seine Anweisung so gemeint oder geht das zu weit? Ich bin auf einmal verunsichert und versuche, den Arm zurückzuziehen, was aber den Teller in gefährliche Schieflage bringt.

„Vorsicht, Marla. Wenn du mir den Salat auf die Hose schüttest, musst du die Flecken entfernen.“

Ich grinse, aber das Grinsen bleibt mir im Hals stecken, als ich ihn anschaue. Ich hatte schon das Bild vor Augen, wie ich mit einem nassen Handtuch über seine Oberschenkel wische, doch sein Blick sagt mir, dass ich mehr machen müsste, als es als Gastgeberin üblich ist. Schlagartig ändert sich die Vision. Ich hocke auf Knien vor ihm und lecke mit meiner Zunge über sein Bein, nur Millimeter von der Ausbeulung hinter dem Reißverschluss entfernt, während er mit einer Hand in meinen Haaren die Bewegungen dirigiert.

Mir wird heiß und kalt. Heiß vor Lust und kalt vor Schuldgefühlen. Ich darf keine Lust für einen anderen Mann empfinden, die allein Daniel gehört. Automatisch suche ich meinen Herrn mit Blicken. Er schaut mir direkt in die Augen, lächelt und nickt mir zu. Dazu streckt er die Hand zu dem Halt-Symbol aus. Ich reagiere auf den Befehl wie immer: Ich bleibe, wo ich bin und rühre mich nicht. Er will, dass ich hier sitze, dass ich Thomas Teller halte, dass ich ihn berühre.

So langsam keimt eine Ahnung in mir auf. Ich schaue Thomas an. Er fixiert mich prüfend, hat die Interaktion zwischen mir und Daniel genau beobachtet und weiß vermutlich auch, was ohne Worte gesagt wurde. Ist Thomas eingeweiht?

„Sehr schön, Marla. Kannst du den Teller ein wenig näher halten?“

Es gibt nur eine Möglichkeit, das zu tun. Meine Hand landet genau in seiner Leistengegend und spürt sofort ein Zucken unter dem Stoff. Ich werde rot wie eine Jungfer, die zum ersten Mal nackt badet. Vom Kopf bis zu den Zehen.

„Mund auf!“ Thomas hält mir eine Gabel voller Essen hin.

Meine Lippen teilen sich nur langsam, aber dann tue ich, was ich bei Daniel gelernt habe. Ich strecke die Zunge raus, als wollte ich ein Eis abschlecken. Keine Ahnung, was ich esse. Es schmeckt für mich nach Mann und seiner Essenz, als wäre ich konditioniert wie ein pawlowscher Hund. Die Speichelproduktion wird jedenfalls genauso angeregt. Und die Produktion von anderen Säften auch. Ich bin jetzt nass, sofern ich es nicht schon seit Daniels erstem Wort war. Meine übliche Reaktion auf das Codewort.

Wenn mich ein Mann auf dem Amt mit vollem Namen anspricht, werde ich feucht, was mit Sicherheit Daniels Absicht war bei der Wahl des Zauberworts, das unsere Spiele einleitet. Ich soll immer wieder an ihn denken, soll mir immer der Macht bewusst sein, die er über mich hat, weil ich sie ihm mit Freuden überlasse.

„Das ist sehr gut, Marlene. Weiter so.“

Ich muss blinzeln, um den Nebel an Lust zu durchdringen. Thomas hat den Namen genannt, den er noch nie verwendet hat. Er ist eingeweiht, jetzt gibt es keinen Zweifel mehr.

„Danke, Thomas.“

Er lächelt und ich kann ihm ansehen, dass er weiß, dass ich es weiß.

„Geh jetzt, kümmere dich um deine Gäste. Ich werde heute länger bleiben. Daniel hat mich zum Übernachten eingeladen.“

Das hatte ich mir auch gerade zurechtgelegt. Da ist es wieder, das Schreckensszenario, das seinen Schrecken verliert und in Lust umschlägt. Ein Dreier ist eine meiner Fantasien. Daniels auch. Er muss genau darauf hingearbeitet haben. Er weiß, dass sein Freund ein Dom ist, und hat ihn zur Erfüllung unseres Wunsches ausgewählt, wahrscheinlich schon vor Monaten. Und das ist Daniels Art, mich mit der Idee vertraut zu machen. Ein Befehl, jedoch mit der Möglichkeit, auszusteigen, wenn ich es will.

Ich will aber. Mein Herz springt mir zwar fast aus dem Leib bei dem Gedanken, aber ich will es. Ich stehe auf und nicke Thomas zu. Es ist ein unterwürfiges Nicken, kein gleichgestelltes, eine dezente Art einer Verbeugung, die einem Kniefall am nächsten kommt.

„Du bist ein gerngesehener Gast in unserem Haus. Ich freue mich, wenn du zum Übernachten bleibst, Thomas.“

Er lächelt. „Und zum Spielen.“ Die kleine Zahnlücke ist nur ein Zeichen dafür, dass er über allem steht, sie kann seiner Dominanz und seiner Neigung nichts anhaben. Er ist auch so perfekt. Perfekt für unsere ausgefallenen Spiele.

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