Weihnachen en famille

Heute mal etwas weihnachtlich zartes …


Weihnachten ist genau geplant.
Da wir keine Kinder haben, sind wir zu nichts verpflichtet. Na ja, außer natürlich, unsere Eltern zu besuchen. Bei beiden Eltern gibt es aber genug Enkel, so dass wir nicht unbedingt an Heiligabend vorbeikommen müssen. Wir lassen also unseren Geschwistern mit Nichten und Neffen den Vortritt und kommen irgendwann nach Weihnachten zum Kaffee vorbei. Angenehm. Zumindest für uns.
„Schwesterherz, wir haben uns entschlossen, dieses Jahr über Weihnachten in Urlaub zu fahren. Ohne Kinder“, erklärt mir meine Schwester Tina am Telefon.
„Schön für euch!“ Die beiden Jungs, 15 und 17, sind aber auch anstrengend. Und brauchen wahrhaftig nicht ständig Mama und Papa um sich. Im Gegenteil.
Mein Mann kommt eine halbe Stunde, nachdem das Gespräch beendet ist. „Harry hat mir geschrieben. Elise muss in Reha wegen ihrer Hüfte. Er besucht sie über Weihnachten, damit sie nicht so alleine ist. Die Kinder gehen über Weihnachten zu meinen Eltern.“
„Witzig, meine Eltern müssen dieses Jahr auch Kinder betreuen.“ Ich erzähle ihm, dass meine Schwester die beiden Jungs natürlich nicht an Weihnachten alleine zuhause haben will, sondern sie zu meinen Eltern schickt.
Anne, meine andere Schwester ruft zwei Tage später an. „Wenn Mama und Papa die beiden Jungs betreuen können, dann darf ich auch meine Minimaus zu ihnen schicken. Wir fliegen in die Karibik.“ Ehrlich gesagt stört mich ihre Art, immer alles aufrechnen zu müssen, schon, aber ich bin ja nicht betroffen. Meine Eltern müssten sich wehren, mir kann es ja egal sein. Und Minimaus ist inzwischen 18, also nicht gerade mini. Aber auch da mische ich mich nicht ein. Minimaus wird das sicher irgendwann selbst in die Hand nehmen.
Zum Glück hat mein Mann nur den einen Bruder. Das bedeutet, dass seine Eltern zumindest keine weiteren Kinder mehr aufgehalst bekommen können. Die beiden sind 12 und 14, ein Junge und ein Mädchen. Nette Kinder, zumindest solange die Hormone nicht zuschlagen oder Daisy nicht auf dumme Ideen kommt.
Wir kaufen zwei Tage vor Weihnachten ein, solange es noch ruhig ist. Wir müssen ja nicht bis zum letzten Moment warten und uns in den Trubel stürzen. Steaks und Gemüse, etwas Paté. Wein und Champagner haben wir genug zuhause. Die Geschenke sind längst gekauft, auch die für die Geschwister, Schwager und Schwägerinnen und die Nichten und Neffen. Ach ja, und die für die Großeltern natürlich auch. Die stehen alle in einer großen Kiste im Keller, da wir sie erst nach Weihnachten verteilen, wie in den Jahren zuvor auch. Das haben wir schon gemacht, als die Kindern noch klein waren, weil sie sonst unter all den Geschenken erstickt wären.
Meine Geschenke für meinen Mann sind schon längst verpackt. Wir brauchen sie nicht zu kennzeichnen, wir sind ja alleine. Ich weiß genau, was wo drin ist. Eine neue Gerte, nachdem bei der alten der Griff durch Schweiß oder andere Körpersäfte gelitten hat. Ein aufblasbarer Plug, den ich schon lange testen wollte. Ein Paar Klemmen, die mehr als Schmuck gedacht sind. Sie werden einfach um den Nippel festgeklemmt, und ich schätze, sie werden mich schmücken, was meinem Mann als Geschenk ausreicht.
Unser Hobby ist BDSM. Sagt man das so? Egal, ich sage das so. Ich bin die sub meines Mannes. Schon lange. Klar haben wir noch andere Hobbys, aber für uns ist unsere spezielle Beziehung wichtig. Kein TPE, aber doch sehr intensiv. Mein Mann hat mich schon lange überzeugt, dass wir nie so viel heizen können wie unsere Geschwister mit ihren Familien und dass es folglich ökologisch nicht verwerflich ist, unser Haus auf 24° aufzuheizen, so dass ich nackt sein kann. Da er gut verdient, arbeite ich nur 60 %, was dazu führt, dass ich ihn zuhause schon erwarte, wenn er von der Arbeit kommt. Mit Halsband natürlich und mit Hand- und Fußfesseln, falls er mich irgendwo und irgendwie fixieren will.
Nach unserem Einkauf räumen wir alles weg. Dabei sehe ich, dass wir mehrere verpasste Anrufe auf unserem Anrufbeantworter haben.
„Darf ich zurückrufen?“
Er schaut mich von oben bis unten an. „Erst wenn du einen Plug im Arsch hast. Beim Telefonieren will ich den Kristall sehen.“
Meine Augen leuchten auf, vermutlich ähnlich wie der geschliffene Kristall im Plug. Nach der Ausführung seiner Anweisung knie ich auf dem Teppich im Wohnzimmer, den Arsch in die Luft gestreckt, und rufe an. Meine Mutter hat als Erstes angerufen.
„Kind, endlich. Seid ihr über Weihnachten zuhause?“
Meiner Antwort kann man das Misstrauen vermutlich anhören. „Ja …“
Schmerz explodiert auf meinem Arsch. Ich kann nur mit Mühe den Schrei unterdrücken.
„Ist was?“
„Ich habe mir den Zeh gestoßen, Mama.“ Ich weiß, ich war zu frech. Daran sollte ich arbeiten.
„Also, Kind. Wir haben einen Wasserschaden. Die ganze Nacht und den halben Tag haben wir Wasser geschöpft. Eben war der Gutachter da. Er sagt, wenn wir sofort Trockengeräte aufstellen, kann man es vielleicht schaffen, dass wir nicht den Fußboden aufreißen und neuen Estrich einbringen müssen.“
Natürlich sage ich all die Dinge, die man in einer solchen Situation eben so sagt. Mitleid, Bedauern, und letztlich die Frage, ob wir noch etwas helfen können.
„Kannst du. Wir können nicht mehr im Haus wohnen, schon gar nicht mit den Enkelkindern. Wir würden gerne zu euch kommen. Ihr habt ja genug Platz. Diese Nacht geht es noch, da die Kinder erst morgen kommen, aber wir werden sie gleich einpacken und sind dann so gegen sechs am Abend da. Die Jungs können rein theoretisch in einem Zimmer schlafen, aber es wäre vielleicht besser, wenn sie getrennt unterkämen. Am besten einer im Keller und der andere unter dem Dach.“
Mir bleibt schier das Herz stehen. Ehe ich auch nur eine negative Antwort formuliert habe, hat sie schon aufgelegt. „Oh je.“
„Du kannst mir später erzählen, was sie gesagt hat. Ruf erst noch meine Eltern zurück.“
Stimmt, der nächste verpasste Anruf kommt von Peters Vater. „Heidi, es tut mir leid, aber ich habe schlechte Nachrichten.“
Mir graut es schon, denn der Spruch mit dem Unglück, das andere nachzieht, steht in blinkenden Lettern vor meinem geistigen Auge. Auch das Tappen von Peters Fingern auf meinem Plug kann mich nicht ablenken.
„Meine Frau hat sich den Knöchel verstaucht. Sie kann nur noch sitzen und muss den Fuß hochlegen. Sie kann keinen Schritt mehr machen. Nun kommen ja die Jungs zu uns. Morgen früh, um genau zu sein. Du weißt, dass ich nicht kochen kann, oder? Da hab ich mir gedacht, dass wir doch einfach zu euch kommen könnten. Ihr habt ja Platz genug. Wir sind so am Mittag da. Wir wollen die Jungs ja nicht hungern lassen, oder?“
Ich bin den Tränen nahe und das nicht, weil Peter mir noch eben drei mit dem Stock überzieht. Die spüre ich kaum. Er ist entsetzt, als er merkt, dass ich mich überhaupt nicht auf ihn einlassen kann. „Dann rück mal raus. Was ist los?“
Als ich fertig bin, schaut er mich mit genauso großen und entsetzten Augen an, wie ich sie eben noch hatte, während ich mich langsam beruhige. So wie es mich immer beruhigt, wenn ich meine Last bei ihm abladen kann.
Er greift zum Telefon. „Ich werde das …“
„Lass gut sein, Schatz“, falle ich ihm ins Wort. „Wir können das nicht ablehnen. Und es sind ja nur ein paar Tage.“
Den Rest des Abends verbringen wir damit, die Gästezimmer fertig zu machen. Unser Haus ist wirklich groß – eine ständige Quelle des Neids für meine Schwestern – und wir haben vier freie Zimmer, die auch als Gästezimmer dienen können. Nicht genug. Ich räume also das Nähzimmer um, verstaue das Bügelbrett und schaffe so Platz für ein Notbett. Minimaus könnte hier schlafen. Die beiden Jungs von Tina müssen dann halt doch ins gleiche Zimmer und Harrys Kinder sollten es wohl miteinander aushalten.
Die Prozedur wird ein wenig verlängert, weil Peter mich in jedem Zimmer zu einem Höhepunkt bringen will. Die ersten beiden kommen leicht, bei dem dritten hilft nur sein Schwanz in meiner Muschi. Zimmer Nummer 4 und 5 schafft er mit dem Magic Wand. Ich bin zugegeben ziemlich fertig, aber auch sauglücklich, als wir endlich im Bett liegen.
Der Tag vor Weihnachten startet also mit einem erneuten Einkauf, diesmal nicht alleine im Supermarkt, sondern mit gefühlt zwei Dritteln der Stadtbevölkerung. Der Wagen ist bis über den Rand voll und wir müssen von so mancher gestressten Mutti anhören, warum diese Kinderlosen immer bis zum letzten Tag warten müssen anstatt dann einzukaufen, wenn anständige Leute noch arbeiten.
Noch während wir alles in dem Zweitkühlschrank im Keller verstauen, klingelt es schon und Else und Wilbert stehen vor der Tür. Das heißt, Else steht nicht, sondern wird von Wilbert getragen. Er setzt sie auf dem Sofa ab, legt ihr Bein auf einen Hocker und ich spüre, dass sie dort die nächsten Tage bleiben wird. Sie mag es, Königin zu spielen. Der zugegeben dick geschwollene Knöchel sorgt dafür, dass sie das Spiel bis zum Letzten auskosten kann.
Jonathan und Daisy tragen Kiste um Kiste und Koffer um Koffer ins Haus. Sie sind nicht glücklich mit der Aussicht, gemeinsam ein Zimmer zu teilen, also räumt Peter doch noch den Raum im Keller um, in dem er sein Sportstudio eingerichtet hat. Der Raum daneben, unser Dungeon, ist schon seit gestern Abend fest verschlossen und wird es unter diesen Umständen auch bleiben, bis Jonathan den Nachbarraum verlässt. Der Raum ist nicht schalldicht. Unnötig, wo wir alleine hier leben. Lebten, sollte ich wohl sagen.
Ich koche heute Pasta mit Sauce, das schnellste Gericht, das mir einfällt. Else rümpft zwar die Nase, aber ein strenger Blick meines Mannes lässt sie den Rest ihrer Abscheu verbergen. Ich bin so froh wie noch nie, dass er diesen Blick draufhat.
Traditionell holen wir den Baum am 23. ins Haus, so können wir ihn in Ruhe schmücken und haben dann am 24. unsere Ruhe. Peter stellt also den Baum auf. Unsere Ruhe haben wir heute nicht. Else gibt Anweisungen, Wilbert will ständig den Baum neu ausrichten, weil die andere Seite doch schöner ist, Jonathan und Daisy können sich nicht über die Farben einigen. Und ich dachte, ich könnte sie zufriedenstellen, indem ich sie wählen ließ. Das Ergebnis ist eine Mischung aus dunkelrosé und türkis. Schaut man den Baum an, fühlt man sich schon betrunken, dabei haben wir nicht einmal einen Champagner aufgemacht, wie wir es sonst tun.
Am Abend fallen meine Eltern ein und mit ihnen Tom, Jerry und Minimaus. Habe ich schon erwähnt, dass meine Schwester kein glückliches Händchen hatte bei ihrer Namenswahl? Kein Wunder, dass die beiden wie Feuer und Wasser sind. Nein, sie können unmöglich in einem Raum schlafen. Wo dann? Es gibt noch den unter dem Spitzboden, eher ein Speicher, wenngleich mein Mann dafür gesorgt hat, dass auch dieser Raum vollständig ausgebaut ist. Er liebt es nämlich, mich dort oben am Balken zu befestigen. Der ist gerade so hoch, dass er noch an den Haken kommt, also nicht extra auf eine Leiter klettern muss.
Ich schaue besorgt Peter an. Gibt es dort Spuren unserer Sessions? Er streicht mir beruhigend übers Haar. „Alles aufgeräumt, Kleines. Und wir haben sogar noch eine Matratze übrig, du weißt doch.“ Ja, sie liegt auf dem Boden für die Nachsorge, wenn er mich nach stundenlangen Quälereien im Arm hält und mit Wasser und Schokolade versorgt. Wenn er sagt, dass alles aufgeräumt ist, dann ist das wohl so. Ich bin einfach froh, dass wir auch dieses Problem gelöst haben.
Das Abendessen verläuft friedlich, außer dass alle sich über die Hitze beschweren und Peter sich schnaubend in den Keller begibt, um die Heizung auf eine Normaltemperatur von 22° zu regulieren. Keine Nacktheit für die nächste Zeit. Kein Dungeon. Keine Spiele, bei denen ich laut werden könnte. Ich seufze ergeben.
Auch das Frühstück und der Vormittag gehen vorbei, wenn auch nicht friedlich. Minimaus und Jerry verziehen sich, Tom und Jonathan schauen sich einen Film mit endlosem Geballer an, Daisy nimmt im Bad meine gesamten Schminkutensilien auseinander und probiert alles nacheinander aus. Else thront, Wilbert läuft, meine Eltern wollen helfen und tappen mir ständig zwischen den Füßen herum. Nun ja, immerhin kein Streit.
„Wie wollen wir die Bescherung machen?“ War das ein Fehler? Hätte ich nicht fragen sollen?
„Um Punkt fünf.“
„Nach der Messe.“
„Um fünf kommt Aschenbrödel, das will ich gucken.“
„Boah, Mann, ey, so´n Scheiß!“
Peter greift durch. Wir werden um vier Uhr einen Teil der Geschenke auspacken, dann können die Kinder sich Filme anschauen, die Erwachsenen ein Glas Champagner trinken und danach wird der Rest ausgepackt. Danach ein leichtes Abendessen und wer mag, kann um 10 Uhr abends die Messe im Dom besuchen, bei der die Kirche nur mit Kerzen beleuchtet wird. Haben wir in der Zeitung gelesen.
In einer ruhigen Minute einigen wir beide uns, unsere Geschenke zurückzuhalten und uns lieber später zu beschenken. Entweder in der Nacht im Schlafzimmer oder gar erst dann, wenn alle wieder weg sind. Ich stimme zu. Meine Geschenke sind eh oben im Spitzboden, in dem Jerry heute Nacht schlafen wird.
Peter schleppt die Geschenkekiste ins Wohnzimmer und verteilt alles unter dem Baum.
„Ach Kinder, ihr habt schon wieder so viel gekauft. Das ist doch alles viel zu viel.“
„Bekomme ich auch was?“, fragt Daisy.
„Natürlich.“
„Und die anderen auch?“
Ich sehe das Glitzern in ihren Augen, aber ich weiß nichts damit anzufangen. Ich habe schließlich keine Kinder. „Siehst du die Anhänger? Da steht jeweils drauf, für wen das Geschenk gedacht ist. Du kannst ja schon mal schauen, welche für dich sind. Aber noch nicht aufmachen!“
Wilbert und Vater bringen ebenfalls Kisten herein und verteilen ihre Geschenke auch noch unter dem Baum. Daisy hilft beim Arrangieren. Zum Glück ist unter dem Dreimeterbaum genug Platz, wenngleich es sich stapelt, wie es sich noch nie gestapelt hat.
Trotzdem schön. Für einen winzigen Moment erfasst mich Vorfreude. So ein Fest hatten wir noch nie. Vielleicht wird das ja Tradition. 17 wären wir alle zusammen. Ich sehe uns schon alle um unseren Esstisch sitzen, der sich ausklappen lässt und gut und gerne auch noch die Geschwister verträgt. Ich werde hinterher mit Peter darüber sprechen, er hat eh das letzte Wort.
Else braucht ein Kühlpad und einen warmen Tee, Mama packt Kuchen aus, den sie gebacken hat und deckt den Tisch. Also gut, dann trinken wir noch Kaffee, auch wenn sich dadurch der Terminplan nach hinten verschiebt. Plätzchen werden ausgepackt, Else hat schließlich auch gebacken.
Endlich ist es soweit.
Wir singen ‚Oh Tannenbaum‘, danach behauptet jeder, sich an keine weiteren Weihnachtslieder mehr erinnern zu können. Also legt Peter Rockin Christmas auf, reibt sich die Hände und fordert die Kinder auf, sich ihre Geschenke auszusuchen.
„Und welche sind für mich?“, fragt Minimaus.
„Die mit deinem Namen drauf“, antworte ich.
„Ich sehe keinen Namen.“
Mein Blick fällt zufällig auf Daisy. Das Glitzern ist wieder da. Außerdem ist ihre Körpersprache jetzt so deutlich, dass selbst ich sie erkenne. Sie ist ein Engel. Rein wie am Tag ihrer Geburt. Sündenfrei.
Oh nein.
Wilbert mischt sich ein. „Macht doch nichts. Packt einfach alles aus. Wir sortieren dann schon.“
Peter legt mir seine Hand in den Nacken. Ein deutliches Zeichen, zur Ruhe zu kommen. Seine Hand löst das immer bei mir aus. Heute nicht so ganz. Also schließe ich die Augen. Mir fehlt mein Halsband. Mich stört die Kleidung, die ich tragen muss. Mir ist kalt, auch wenn mir klar ist, dass es überhaupt nicht kalt sein kann mit den vielen Menschen und dem Feuer im Kamin.
„Was ist das denn?“
„Zeig mal her, Tom.“ Mama streckt fordernd die Hand nach dem Teil aus, das Tom an zwei Fingern in die Höhe hält.
Mein Blick, eben noch nach innen gerichtet, fokussiert sich auf den Aufpumpplug. Oh … Oh! Nein, das kann nicht sein. Ich schaue zu Tom. Doch, es kann sein. Das Papier, das er achtlos zur Seite geworfen hat, gehört zu der Sorte, die ich zum Einpacken verwendet habe.
Peters Finger graben sich fester in meinen Hals als sonst. „Das war für mich gedacht. Etwas für meine Werkstatt.“ Er kann es gerade so noch schnappen, ehe Mama es zu greifen bekommt.
Jonathan und Daisy streiten sich um eine ziemlich große Kiste. „Packt es doch zusammen aus“, meint Else.
Ich spüre Spannung in Peters Hand. Er erhebt sich und beginnt in einem ruhigen Ton: „Daisy, Jonathan, das da …“
Zu spät. Tom war schon immer ein Aufreißer. Er packt mit beiden Händen zu und schwupps, ist das Papier weg. Die Kiste zeigt eine Abbildung. Mir ist kalt. Eisig. Ohne den Kontakt zu Peter bin ich verloren, schwanke wie ein nicht vertäutes Boot im Wind. Ich habe so eine Abbildung schon mal gesehen. Ein Cowgirl. Eine Sexmaschine. Peter hat sie für mich gekauft, da bin ich mir sicher.
„Wo kommt diese Kiste her? Wer von euch war das?“ Die Stimme meines Mannes ist extrem leise.
Minimaus hockt mit großen Augen da. „Daisy hat gesagt, wir sollen alle Geschenke unter den Baum stellen. Die Kiste stand unten bei Jonathan im Raum. Sie war so schwer, dass Tom und Jerry mit anfassen mussten.“
Meine Stimme ist ein hohes Quieken und ändert sich auch nicht, als ich mich räuspere. „Und die vom Spitzboden habt ihr auch runtergebracht?“
„Die hat Jerry runtergeholt.“
Runtergeholt. Ich kichere und es klingt absolut hysterisch. Jerry hat sie runtergeholt.
„Und wer hat die Namensschilder entfernt?“ Peter hört sich echt bedrohlich an. Er hat seine Dom-Stimme aufgelegt, die mich absolut und unverzüglich gehorchen lässt.
Niemand sagt etwas, aber Daisy ist bleich geworden. Sie hat echte Angst, was ich gut verstehen kann.
„Steht auf. Geht auf eure Zimmer. In zwei Stunden könnt ihr wiederkommen, dann gibt es die restliche Bescherung.“
„Aber …“ wagt Jerry Einspruch. Mutig, der Junge.
„Keine Widerrede.“
Tom und Jerry und Jonathan und Daisy schleichen sich. Minimaus bliebt sitzen.
„Du auch.“
„Nein.“ Sie schaut mich an. Ich lächle sie etwas verkrampft an, weil das nicht der Augenblick ist, den ich mir für ihre Selbstbehauptung gewünscht hätte. „Ich bin schon erwachsen. Du kannst mir nichts befehlen, Onkel Peter.“
Mein Kopf senkt sich automatisch. Ich rechne mit einem weiteren Befehl, aber der kommt nicht. Stattdessen meint mein Mann: „Du hast Recht, du bist erwachsen. Ich vermute, du kennst dich besser aus mit diesen Dingen als deine Großeltern.“
Ich kann ihr lautes Schlucken hören, aber sie sagt tapfer „Ja.“
„Was zum Teufel ist los, Peter?“ Mein Vater kann sich durchsetzen, das konnte er schon immer. Er steht Peter in nichts nach.
„Daisy hat alle Namensschilder entfernt. Ein harmloser Streich, wären da nicht die Geschenke, die nur für uns beide gedacht waren. Sie haben die unter ihre eigenen gemischt. Diese sind aber nicht für ihre Augen geeignet. Wir werden sie also aussortieren müssen, wenn wir den Kindern heute noch eine Bescherung gönnen wollen.“
„Oh je.“ Meine Mutter steht auf. „Dann wollen wir mal, nicht wahr. Bist du sicher, dass du hierbleiben willst, Minimaus?“
„Ich heiße übrigens Theresa. Und ja. Ich will. Ich bin schon sehr gespannt, was Peter und Heidi sich so schenken.“
Else will zwar was sagen, aber Wilbert fährt ihr über den Mund. „Du kümmerst dich um deinen Fuß. Deine Tollpatschigkeit hat uns hierhergebracht. Wir sind nur zu Gast. Es steht uns nicht an, über unsere Kinder zu urteilen.“
Ich schaue zu Peter. Hat er das gehört? Er hat. Und schaut seinen Vater lange an, ehe seine Züge sich entspannen. „Du hast Recht, Vater. Komm, lass uns auspacken.“ Damit zieht er mich zum Baum, gibt mir mit einem Zeichen zu verstehen, dass ich mich hinknien soll und reicht mir ein Päckchen. „Das andere hast du jetzt schon gesehen. Das hier ist auch für dich.“ Er drückt mir einen Kuss auf den Mund.
„Das mit den grünen Sternen ist definitiv für dich.“
Theresa ist schneller. Sie packt die neue Gerte mit dem Metallgriff und der Kugel am oberen Ende aus. Doppelfunktion. Ich dachte, Peter würde das gefallen.
Tut es auch. Nachdem Theresa sie ausgiebig untersucht hat, reicht sie sie an Peter weiter. „Hier Onkel. Die liegt gut in der Hand.“
„Schau mal, die sind aber hübsch!“ Mein Vater hält die Klemmen in der Hand, dann zeigt er sie meiner Mutter.
„Wenn du magst, kannst du sie behalten“, meine ich.
Mutter schaut mich strahlend an. „Danke, Kind! Was für ein hübsches Geschenk!“
Theresa scheint Sensoren für die Erwachsenengeschenke zu haben. Oder sie greift einfach nach denen mit dem gleichen Papier wie das, in das der Cowgirl eingeschlagen war. Mein Mann verwendet immer das Gleiche für alle Geschenke. Männer sind so.
Sie packt einen Doppeldecker aus, der sich vermutlich auf den Cowgirl aufschrauben lässt, wie ich Peter kenne. Er mag solche Sachen, an denen sich etwas schrauben lässt. Immerhin schraubt er auch gerne an mir rum. „Der ist ganz schön groß.“
„Der hintere ist dünner“, weist Peter sie ein. „Man muss da vorsichtig sein, dass das nicht zu arg gedehnt wird.“
„Guter Tipp!“ Ihre Finger gleiten einmal versuchsweise über die beiden Dildos, dann reicht sie das Teil an mich weiter.
„Aber, aber … Das macht man doch nicht!“ Else hat sich wieder eingekriegt.
„Else, die Kinder können machen, was sie wollen, solange sie beide damit einverstanden sind.“ Wilbert wendet sich ebenfalls an Theresa. „Du weißt das, ja? Dass immer beide das wollen müssen?“
„Ja, weiß ich, Opa.“
„Und wenn du mal Fragen hast, kannst du jederzeit zu uns kommen“, fügt mein Mann noch an. Er nimmt mich in den Arm und drückt mich an sich. „Danke mein Schatz. Ein schönes Weihnachtsfest. Mal was andres.“
Die Tür wird aufgerissen und alle vier Kinder stehen im Raum. »Onkel Peter, kannst du uns erklären, wie man diese Schaukel an dem Balken festmacht?« »Hey, Leute, kommt alle in den Keller, ihr glaubt nicht, was ich da entdeckt habe. Voll das coole Zimmer. Mit Peitschen!«
Ja, was andres. Einigkeit unter den Erwachsenen.
Toleranz.
Nur noch ein kleiner Schritt bis zum Weltfrieden.
Zumindest, solange man die Kinder nicht beachtet.


Ich wünsche dir eine wundervolle Weihnachtszeit ohne Störungen, mit den Menschen um dich, mit denen du diese wertvolle Zeit verbringen willst und viel Zeit zum ungestörten Spielen. Welche Spiele? Na, das darfst du dir selbst aussuchen …

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Über margauxnavara

Autorin von BDSM-Romanen und Kurzgeschichten.
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2 Responses to Weihnachen en famille

  1. Uwe sagt:

    Hallo Margaux,

    eine schöne (be)sinnliche Geschichte zur Weihnachtszeit. Frohe Weihnachten wünsche ich dir und viel Spass mit deinen Geschenken.

    Uwe

    • margauxnavara sagt:

      Hallo Uwe,
      danke, auch dir eine schöne Weihnachtszeit. Mein Adventskalender war voller Spielsachen, jetzt kommt der süße Teil der Weihnacht …

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